Dienstag , 20 August 2019
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Des Schreibers Freiheit – Zensur und Strafe

carsten_maschmeyerWas des Schreibers Freud, ist doch oft genug der Redakteuren missliche Lage, wenn es darum geht zwischen journalistischem Enthusiasmus und der Knute von oben zu entscheiden. So ergeben sich hier in den letzten Stunden wahre Feuerwerke des Zweifels, zum einen ob des Menschenverstandes (von gesund will ich da gar nicht reden) und zum anderen dem „Traue ich mich das zu schreiben und wenn ja, wird es überhaupt veröffentlicht“ gegenüber. Hier, bei The Intelligence ist mir eine Zensur noch nicht zuteil geworden und ich gehe auch mal davon aus, dass es so bleibt. Doch wie ergeht es anderen Kollegen, die in öffentlich-rechtlichen Anstalten tätig sind, sich vielleicht noch nicht ganz dem Diktat des „Qui bono“ Einheitsbreis unterjocht haben und auf einmal feststellen, dass es mit ihrer sogenannten Freiheit aber nun so gar nicht mehr weiter her ist als ein Schwei…, nein, Hallo Herr Wellmann, es ist Sonntag und sie sprechen immerhin von den Volksinformanten.

Aber nun mal der Reihe nach. Vielleicht hatten Sie heute schon mal die Gelegenheit beim Wellmann eXtremkabarett-blog vorbei zu schauen, in dem, oder heißt es jetzt in das es…? Also Blog? Gut, ich schweife schon wieder. Also da geht um einen gewissen Herrn Maschmeyer. Seines Zeichens Gründer des Finanzdienstleisters AWD und in den letzten Tagen Ziel, oder sagen wir besser Opfer, eines Beitrags des ARD Magazins Panorama, dessen Aussagen sich Herr Maschmeyer nun mit vehementer Treudoofigkeit und unter Zuhilfenahme eines, oder mehrerer Star-Anwälte erwehren will. Dies tut er auch, mehr oder weniger erfolgreich, indem er dem NDR, so wie einschlägigen Print-Gazetten eine Stellungnahme, oder gar ein Interview verweigert, dies aber in der (Achtung!) BILD Zeitung nachholt. Auch wenn sie jetzt vielleicht 90 Minuten Lebenszeit verbraten haben, sind sie zumindest auf dem Stand der Dinge.

Freudig erregt hat mich persönlich, dass der Artikel bei eXtremkabarett-blog, Der Tag des Herrn (28) Großangriff auf die Pressefreiheit und auch der nachfolgende „Nachtrag“ auf die Initiative eines Lesers entstanden ist. Besagter Leser, Namens Norbert Jansen hat uns dann auch gleich noch die Freude bereitet, das Interview mit Herrn Maschmeyer, von der BILD Zeitung ja „Verhör“ betitelt, wieder ins Licht zu rücken. Mit freundlicher Genehmigung des Herrn Jansen zeigen wir das Ihnen hier jetzt auch.

Verhör mit AWD-Gründer Carsten Maschmeyer
(Persiflage)

Der Drücker-König stellt sich

Zu den Anspielungen eines TV-Films, mit interessanten Ausschnitten aus der geplanten Doku-Biografie und Lobreden von ehemaligen Kunden für den Gründer des Finanzberatungs-Unternehmens AWD, der in der Nähe von Politikern und Funktionären den ganz anderen Reibach macht.

Herr Maschmeyer, ist das von Ihnen gegründete Finanzberatungs-Unternehmen AWD eine „Drücker-Kolonne“?

Carsten Maschmeyer: „Jo, klar. Der Begriff „Drücker-Kolonne“ passt optimal auf unsere Vertreter, die mit einem Bus in ein Wohngebiet gekarrt werden, von Tür zu Tür klingeln und den Kunden zum Sofortabschluss drängen. Die hoch qualifizierten, von der IHK umfassend geprüften AWD-Berater machen kaum auf Terminwunsch eine Erstanalyse, eine Zweitberatung findet – hoffe ich, selten statt.“

Wie kann es sein, dass mehrere Kunden ihr Geld verloren haben?

Maschmeyer: „Die angesprochenen Vorgänge sind ausnahmslos in Ordnung. Grundsätzlich gilt: Je höher die Rendite, desto höher das Risiko. Darauf weisen manche Finanzberater ihre Kunden hin – wir nicht. Wer ins Risiko will, muss das nicht schriftlich bestätigen. Leider ist es auch so, dass manche Anleger ihre Gewinne gerne behalten wollen, Verluste nicht wollen. Verantwortlich für diese Wertverluste mache ich unsere Berater.“

Warum passieren solche Fälle immer wieder?

Maschmeyer: „AWD hat zwei Millionen Berater, die schlecht beraten wurden.

Gibt es auch unzufriedene ehemalige Mitarbeiter, die sich schlecht behandelt fühlen?

Maschmeyer: „Unzufriedene Mitarbeiter gibt es überall. Leider verhalten sich einige nach ihrem Weggang und Neubetätigung für Konkurrenten geschäftsschädigend und machen für eigenes Fehlverhalten ihren früheren Arbeitgeber verantwortlich. AWD hätte nicht 5.500 Berater, wenn wir die nicht regelmäßig verarschen würden.“

Sie gehen massiv gegen einen NDR-Bericht vor und damit gegen die Pressefreiheit…

Maschmeyer: „Meine Erfahrung mit Journalisten ist, dass diese oft unsauber recherchieren, unfair berichten und selten beide Seiten anhören. Dies war bei der „panorama“-Redaktion so. Ich habe von den angeblichen Vorwürfen erst auf dem Sofa sitzend aus der Programmzeitschrift erfahren.“

Warum hat der recherchierende Journalist kein Interview bekommen?

Maschmeyer: „Ich habe mehrfach kein Interview angeboten, weil ich die konkreten Fragen kannte. Bei mehreren Millionen Kunden wollte ich gleich gar nicht für diese Einzelfälle die Beratungsunterlagen einsehen. Die Kunden um Genehmigung bitten, nee …, ob zu deren Investitionsentscheidungen in den Medien Stellung genommen werden darf… Was gehen mich diese Leute an?“

Warum hat Ihr Anwalt alle Intendanten der ARD-Sender vor der Ausstrahlung gewarnt?

Maschmeyer: „Wir wollten den Beitrag natürlich verhindern, – was soll denn meine Frau denken, … aber Pressefreiheit? Wo kämen wir denn da hin? Wir haben die für das Programm der ARD verantwortlichen Intendanten gleich aufgefordert, die „panorama“-Redaktion fristlos zu entlassen. Wir prüfen gerade die Möglichkeiten, sie privat restlos zu schädigen.“

Sie haben unbestritten gute Kontakte zu Regierungspolitikern und dem damaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder. Wie sehr haben Sie davon profitiert?

Maschmeyer: „Maßlos. Ich habe mit Bundeskanzler Gerd Schröder auch über die Einführung der privaten Altersvorsorge gesprochen. Riester und Rürup habe ich gleich bei der Einführung der Altersvorsorgeprodukte gekauft. Profitiert habe von der Förderrente hauptsächlich ich.“

Warum haben Sie in der Vergangenheit die Nähe zu Spitzenpolitikern gesucht, darunter auch zum heutigen Bundespräsidenten Wulff?

Maschmeyer: „Es ist logisch, wenn man in einem Land lebt, dass man solche Beziehungen rigoros aufbaut und ausnutzt. Politiker, Manager, Musiker und Wissenschaftlern verdienen nun mal nix – da sind die gleich bereit, jeden Scheiß mitzumachen.“

So, klar soweit? Und weil wir heute ganz gut in Form sind, wollen wir gleich noch eine andere „kleine Schweinerei“ an den Kragen gehen. Nämlich HIER.

Nun sind diese Beispiele natürlich nur zwei von vielen, die den Sumpf der täglichen Versuche Informationen zu manipulieren, zu unterdrücken, oder eben so zu verändern, dass sie mit der Wahrheit nichts mehr zu tun haben, ein wenig durchleuchten. Aber es sind Beispiele die mich und vielleicht auch Sie wieder einmal daran erinnern, wie wichtig es heutzutage ist, Informationen nicht einfach nur so hinzunehmen, sondern sie zu hinterfragen und sich ein Bild davon zu machen, zu welchem Zweck Menschen Informationen verbreiten und vor allem, welchen Nutzen sie daraus tragen.

Ich wünsche einen gesegneten, klaren Sonntagabend.

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