Samstag , 24 August 2019
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Bernd Beutel – Ein Leben in der Zukunft – Teil 1

kuehlschrank_abstrakt„Bernd Beutel, Nationale Identifikations-Nummer 600784536992-588. Ich hätte gern ein Würstchen und eine Portion mittelscharfen Monsano-Senf.“ Bernd stand vor seinem neuen Kühlschrank, einem Kühlomatik E503. Nicht, dass er einen neuen Kühlschrank gebraucht hätte, aber es war jetzt Pflicht einen Kühlomatik zu haben, denn dieser war nicht nur vollautomatisch und Computergesteuert, konnte sprechen und die Eurohymne abspielen, sondern versorgte sich auch gänzlich selbstständig mit Lebensmitteln. Von der Bestellung bis zur Lieferung, durch den der DUSSEL* angeschlossenen Monsano-Parcel- Service (MPS), erledigte der Kühlomatik E503 alles alleine. Der einzige Nachteil war, dass Bernd auf die Bestellung keinerlei Einfluss mehr hatte, was ihn ständig an seine Kindheit erinnerte, wo auch gegessen wurde was auf den Tisch kam. Daran hatte er sich aber gewöhnt, denn schließlich bekam er auch Zeitschriften und Bücher geliefert, Filme und Podcasts, sowie jeden Morgen die Themen des Tages, über die er sich auf der Arbeit unterhalten durfte  – und auch musste, denn zum Ende des Monats hatte jeder Bürger die Pflicht seinen Monatsbericht bei der DUSSEL einzureichen und eine Zusammenfassung der konsumierten Medien abzugeben. Und niemand wollte, nur wegen eines nicht gelesenen Artikels, von der DUSSEL abgeholt werden.

Was Bernd aber dann doch sehr verärgert hatte, war die Tatsache, dass er seinen neuen Kühlomatik E503 auch selbst bezahlen musste, was ihn fast die Hälfte seines Monatseinkommens kostete. Aber was konnte er schon dagegen unternehmen. So stand er also nun, nachdem er ja von der Pizza-Bestellung abgesehen hatte, vor seinem neuen Kühlschrank.

„Bitte identifizieren Sie sich!“ ertönte die, durchaus als unterkühlt erkennbare Stimme des Kühlomatik E503.

„Aber das habe ich doch gerade! Jetzt mach schon auf, ich hab Hunger verdammt nochmal!“

„Ihre Eingabe war nicht korrekt, bitte identifizieren sie sich!“, sagte die Stimme und Bernd hatte ganz kurz den Eindruck als hätte die Stimme die Unterkühlung gegen eine energischere Stufe gewechselt.

„Bernd Beutel, Nationale Identifikationsnummer 600784536992-588“, sagte Bernd etwas kleinlauter, sichtlich verwirrt, durch die vermeintliche Gefühlsregung seines Kühlschranks.

„Bernd Beutel, Nationale Identifikationsnummer 600784536992-588 -Was…?!“, sagte der KE503 und inzwischen war die deutlich energische Tonlage nicht mehr zu überhören.

„Wie…? Was…?!“ überlegte Bernd laut fragend.

„Wie heißt das Zauberwort?!“ sagte der KE503 jetzt so was von energisch, dass Bernd nicht genau wusste, ob es ihn an seine Mutter, oder an seine verstorbene Frau erinnerte.

„Ähhhmmm…, Bitte?!“ stammelte er.

„Nein, du Blödmann!“, schrie der Kühlschrank ihn jetzt an. „Name, ID Nummer und was du möchtest. Kann doch wohl nicht so schwer sein.“

„Aber das habe ich doch, verdammt noch mal“, schrie Bernd jetzt seinerseits und war fast ein bisschen stolz auf seinen unerwarteten Mut. „Ein Würstchen und eine Portion mittelscharfen Mosano-Senf, kann doch wohl nicht so schwer sein!“

Fast eine Minute verging. Hatte Bernd eben noch ein kleines triumphierendes Lächeln im Gesicht, so wurde er jetzt wirklich wütend. „Hallooooooooo!“ schrie er so laut er konnte.

Wieder vergingen 30 Sekunden.

„Die Eingabe war nicht korrekt, bitte identifizieren sie sich.“ ließ sich die, nun wieder normal unterkühlte Stimme vernehmen.

Bernd resignierte und ließ sich erschöpft auf einen Küchenstuhl fallen. Zum ersten Mal erwischte er sich dabei, dass er seine Frau wirklich vermisste, die sich sonst um das Essen gekümmert hatte. Etwas mehr als vier Monate war sie nun schon tot und er dachte an ein Telefongespräch, welches er kurz nach dem Unfall führte, mit dem Amt für Kollateralschäden.

Amt:

Amt für Kollateralschäden, Guten Tag.

BB:

Ja guten Tach, Beutel…, Bernd Beutel…, Nationale Identifikationsnummer 600784536992-588, es geht da um diesen terroristischen Anschlag. Also sie wissen schon, der der eigentlich keiner war, sondern der sich dann später als kleine Einlage bei der Weihnachtsfeier des Heimatschutzministeriums herausgestellt hat. Jetzt aber eben offiziell als Terror…, also als feiger Akt des Terrors gegen die Bevölkerung unseres Landes, ausgeübt von den Feinden der globalen…, also der Regierung…

Amt:

Ja?!

BB:
Ja also. Wissen sie, mein Auto stand jetzt blöderweise genau vor dem Geschäft in dem die Bombe explodier… also…

Amt:

Ja?!

BB:

Na ja und das zahlt ja denn eben auch keine Versicherung jetzt, also jedenfalls habe ich keine für einen solchen Fall und da habe ich gehört, dass sie da vielleicht dafür zuständig sein könnten…

Amt:

…, wie war ihr Name, Beute…?

BB:
Beutel, Bernd Beutel. Nationale Identifikations Nr. 600784536992-588

Und wissen sie, es geht jetzt gar nicht so sehr um das Auto, sondern mehr so um die Dinge die drin waren, im Auto…

Amt:

Na die sollte man natürlich vorher raus räumen. Was war denn so wertvolles drin, Computer, Kamera…

BB:

Ja…, und dann eben meine Frau…

Amt:

Na sagen sie mal, wieso lassen sie denn ihre Frau im Wagen?

BB:
…, äh die hat auf meine Schwiegermutter gewartet…, die war in dem Laden drin…

Amt :

Na und wo waren sie denn, mein Gott?

BB:

Zuhause…, ich…

Amt:

Na das iss ja mal wieder typisch…, Frau und Schwiegermutter explodieren und der Herr sitzt zu Hause vor der Glotze was…? Und dafür wollen sie von mir jetzt auch noch Geld haben? Sie können froh sein, dass ich sie nicht melde, wegen unterlassener Hilfeleistung.

BB:
Hmm, so hab ich das noch gar nicht gesehen.

Amt:

Na sehen sie! Über eine neue Kamera können wir ja vielleicht reden…

 

Bernd beschloss heute das Essen einfach ausfallen zu lassen und noch einige Zeit in stillem Gedenken an seine Annemarie zu verbringen.

Die Fortsetzung gibt es hier

* DUSSEL: Deutsche-Untergund-Staats-Sicherheits-Elite-Legion

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