Dienstag , 20 August 2019
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RTL II im Selbstversuch – Das Leben unserer Kinder

maedchengangEs ist so ein wenig wie bei Antonia Rados. Wenn man wissen will worüber man redet, dann muss man sich mitten rein begeben, ins Kriegsgebiet. Und so reicht es natürlich nicht aus zu sagen, dass alles was bei RTL II kommt nur Müll ist. Denn dieser Müll hat Methode und davon habe ich mich gestern Abend mal wieder überzeugen können, auch wenn es wirklich weh tat. Objekt meiner Studie war dieses Mal die „Real-Doku „Die Mädchen Gang“. Ziel dieser Sendung ist es, ein paar völlig verzogene, gewalttätige, jugendliche Mädchen in ein Haus aufs Land zu sperren und sie, mithilfe „ausgebildeter Fachkräfte“, wieder auf den rechten Weg zu bringen. Wobei ich mich schon darüber wunderte, dass wohl davon ausgegangen wird, sie hätten jemals einen solchen Weg auch nur ansatzweise gesehen.

So machen sich also eine Jugendpsychologin und ein sogenannter Anti-Aggressions-Trainer auf, innerhalb von ein paar Tagen, die komplett verkorkste Sozialisation in angemessene Bahnen zu lenken, also Jugendliche, deren Lebenssinn darin besteht, jedem eine rein zu schlagen, der sie ihrer Meinung nach blöd anguckt, darin zu trainieren, solchen Situationen aus dem Weg zu gehen.

Hört sich erst mal soweit recht vernünftig an, stellt sich aber, nach knapp 45 Minuten Sendezeit, übrigens stetig unterbrochen von Werbung über Kosmetikprodukte, Kleinwagen und Sanitärerfrischungsmittelchen, als pädagogisch nicht nur fragwürdig, sondern in höchstem Maße gefährlich heraus.

Denn nicht nur, dass die „Fachkräfte“ ständig Wörter benutzen, die die jugendlichen Mädchen weder einordnen, geschweige denn schreiben können, sondern sie mit „Prüfungen“ konfrontieren, die schon von vornherein zum Scheitern verurteilt und pädagogisch gesehen einfach nur als dumm zu bezeichnen sind. Ich komme also wieder mal nicht umhin, schon nach ein paar Minuten festzustellen, dass RTL II vor absolut nichts zurückschreckt und junge Menschen, wie schon im Fall von „Tatort Internet“ zu Einschaltquotenzwecken missbraucht. Dass natürlich auch diese Sendung geplant, also in keinster Weise „aus dem Leben gegriffen ist“, sei jetzt hier mal nur festgestellt, aber nicht vergessen.

Tatsache ist, dass sich viele tausend Menschen das anschauen und vielleicht glauben sie könnten, ob als Eltern, oder als „Betroffene“, etwas sinnvolles daraus lernen. So werde ich, beim Betrachten der Methoden des „Anti-Aggressions-Trainers“ erst mal nur eins, nämlich aggressiv. Denn was er und seine Psychologen-Kollegin zwar ganz richtig erkennen ist, dass das gewalttätige Verhalten der Jugendlichen auf mangelndem Selbstbewusstsein beruht, doch anstatt mit den Mädchen vielleicht mal zu klären und logisch anzuschauen, warum die allermeisten Jugendlichen den Begriff „Respekt“ grundsätzlich mit Macht und Gewalt verwechseln, gibt es folgende Übung.

Der Mann lässt ein Mädchen auf eine Kunststoff-Puppe einschlagen und sie zusammen treten und macht sie danach darauf aufmerksam, dass ihre Handlung ihr 3-5 Jahre Gefängnis und eine Geldstrafe einbringen könnte. Das war es. Anstatt also an den Ursachen der totalen Verunsicherung und Hilflosigkeit der Jugendlichen, die sich im letzten Mittel Gewalt äußert, zu arbeiten, wird hier eine Angst mit einer anderen zu bekämpfen versucht. Ich darf an dieser Stelle auf meine Gedanken zur operanten Konditionierung hinweisen.

Es wird also keineswegs darauf eingegangen, welche Gefühle hier von den Jugendlichen nicht erreicht und demnach unterdrückt werden, sondern mit Konsequenzen gedroht, die wenn überhaupt vielleicht die eine oder andere Straftat verhindern, bei den Mädchen aber bestenfalls dazu führen werden, ihre angestaute Wut autoaggressiv los zu werden. Also irgendwann mit akuten Suchtproblemen, oder der inzwischen sehr beliebten und von Ratlosigkeit nur so triefenden Diagnose „Borderline Persönlichkeitsstörung“ im medizinischen Reha-, oder eben Strafsystem landen. Ein Schelm, der Böses dabei denkt.

Doch damit nicht genug. Eine zweite Prüfung soll das bereits Erlernte, (nach zwei bis drei Tagen) der Mädchen auf die Probe stellen. Der gute Anti-Aggressions-Trainer geht also mit der Gruppe auf ein volksmusikalisches Dorffest, nachdem er sie „genötigt“ hat, sich in Schuluniformen zu kleiden. Um das nochmal klar zu machen. Er schickt also gewalttätige, jugendliche Mädchen, ohne jede soziale Kompetenzen in eine Situation, in der sie sich in Grund und Boden schämen, nämlich in kecker Schuluniform und mit Lolita-Zöpfchen, auf ein Kleindörfliches Sauf-Fest.

Wie das Ganze geendet ist, nach dem sich zwei angetrunkene Bauernburschen den Mädchen in höchst bedrängender Weise näherten, brauche ich wohl nicht weiter auszuführen. Natürlich in einem Desaster. Das Schlimmste dabei ist eigentlich, dass sich dieser Trainer danach noch hinstellt und verärgert meint, er hätte doch von den jungen Damen erwarten können, dass sie sich nach drei Tagen des „Lernens“ einfach mal ganz anders als sonst, also ganz cool und bedacht verhalten könnten.

Resümierend kann ich nur zu dem Schluss kommen, dass es eine Schande ist, wenn die Verantwortlichen eines Fernsehsenders für so etwas nicht bestraft werden und ich mich ernsthaft frage, in wie weit auch Medienbeauftragte in der Politik, oder überhaupt Politik und Wirtschaft, daran interessiert sind, aus der nachfolgenden Generation ein gewalttätige, sozial komplett inkompetente „Konsum-Sklaven-Masse“ zu machen, deren einzige Lebenssicht aus Belohnung und Bestrafung besteht und die das was man in dieser Sendung von ihnen erwartet, nämlich Selbst-Reflexion, niemals erreichen, geschweige denn verstehen werden.

Wie ich schon öfter sagte, müssen in anderen Ländern Kinder verhungern und das ist hier noch nicht an der Tagesordnung. Dies aber als Berechtigung gelten zu lassen, dass unsere Kinder hier täglich massiv und mit System immer mehr verblödet werden, halte ich für mehr als armselig. Es ist, ich wiederhole mich, in höchstem Maße gefährlich!

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