Dienstag , 29 September 2020
Startseite » Gesellschaft » Volksverdummung » Lähmungserscheinungen im Dschungelcamp

Lähmungserscheinungen im Dschungelcamp

dschungelcamp_tag5Es hätte so ein schöner Abend werden können, wenn da nicht diese dumme, am Frühstückstisch geborene Idee gewesen wäre, das RTL-Dschungelcamp von Anfang bis Ende zu gucken und darüber zu berichten. So war auch gestern um 22:15 Uhr wieder Schluss mit lustig: RTL an und verwundert den Kopf schütteln. Gemessen am intellektuellen Inhalt dieser „Show“ mutiert nämlich selbst das „Frühlingsmassaker der Volksmusik“ zum lupenreinen Bildungsfernsehen. Apropos, der Mutantenstadl feiert in Kürze sein 30-jahriges Bestehen, damit ist er jetzt bald nur noch halb so alt wie seine Zielgruppe, aber das nur am Rande, hier die essentiellen Details zum fünften Tag im Camp:

Fakten zu Tag 5: Dschungelprüfung: Was mit Schlangen ++ Dschungelprüfling: Sarah ++ Erlegte Sterne: 9 von 11 ++ Neuer Teamchef: Katy ++ Morgen zur Dschungelprüfung: Sarah & Katy ++ Spruch des Tages: „Katy Karrenbauer sieht aus wie Arno Dübel“ (geliefert von Dirk Bach)

Bevor ich heute zu den Highlights komme möchte ich einen Blick in mein Inneres freigeben. Seit fünf Tagen sitze ich also nun allabendlich für mindestens 60 Minuten vor dem Volksempfänger der Neuzeit und starre in die in meinem Gerät noch vorhandene und gefühlt 100 Kilo schwere Röhre. Ich befürchte allerdings, dass auch Besitzer von ultramodernen Flatscreen-TVs mit LED Technik und 3D-Gedöns nichts anderes zu Gesicht bekommen als ich. Elf Menschen, die ihre Seele verkauft haben um der Unterschicht den unerträglichen Alltag zu erhellen. Frei nach dem Motto: „Schau her mir geht’s auch Scheiße“. Daher möchte ich meinen heutigen Bericht weniger auf das langweilige Geschehen im Camp ausrichten. Reden wir mal über die Gedanken die sich einschleichen, wenn man das ungeschminkte Elend für zusammenaddierte sechs Stunden betrachtet hat. Dabei sind es gar nicht die in Fußballteam-Stärke angetretenen „Stars“ die einem da leid tun, sondern die Menschen, die das ganze Debakel freiwillig verfolgen und womöglich sogar noch Geld investieren um irgendeiner dieser traurigen Gestalten eine Dschungelprüfung zu ermöglichen, oder noch cleverer aus RTL-Sicht, durch Anrufe für ALLE anderen Kandidaten versuchen ihren persönlichen Liebling davor zu bewahren. Knick-Knack, sie verstehen! Sarah-Fans dürften also mittlerweile nicht nur frustriert sondern auch vollkommen pleite sein!

Ich hab im vergangenen Jahr einen Artikel zum Thema Quiz-Shows bei 9Live & Co. geschrieben in dem ich angeprangert habe, dass es eine Gesetzeslücke geben muss, die solche Wegelagerei erlaubt. Diese Aussage möchte ich an dieser Stelle um den Begriff „Telefonvoting“ erweitern. Da selbst in der nächtlichen Wiederholung der Sendung – wir erinnern uns, RTL gibt der Zielgruppe nach Mitternacht die Chance den schwer verständlichen Inhalt der Sendung abermals zu konsumieren um nicht den Anschluss zu verlieren – das Telefon freigeschaltet ist um 50 Cent pro Anruf vom Konto abzubuchen, kann hier nur von Abzocke die Rede sein. Ja ich weiß, die Verantwortlichen reden sich darauf hinaus, die während der Zweitausstrahlung eingenommenen Millionen am Folgetag mit in den Lostopf zu werfen, aber ich befürchte parallel dazu, dass die Anrufer davon weder eine Ahnung noch auch nur eine Sekunde darüber nachgedacht haben. „Ey da ruf isch mal bein RTL an“. Wer nachdenkt, guckt dieses Format, bzw. den Sender schlicht und ergreifend nicht. Außer er ist Journalist und versucht ein paar Schafe ans rettende Ufer zu holen, bevor sie vollends im Privatfernsehsumpf versunken sind. Die Zugriffszahlen auf die bisherigen Berichte lassen zumindest in dieser Hinsicht Hoffnung aufkeimen.

Nun aber zu den versprochenen „Highlights“ des heutigen Tages, gewürzt mit der gewohnten Portion Spaß am geschriebenen Wort.

Tja, schade, zu früh gefreut, Heute gibt es nicht nur nicht viel zu dokumentieren, sondern rein gar nichts. Null, niente, nada, nix, nothing, rien, nüscht! Sie glauben das nicht? Dann fragen sie irgendjemanden, der die Sendung ebenfalls gesehen hat. Entweder wird er meine Aussage bestätigen oder er lügt sie schamlos an. Das sollten sie ihm dann aber auch auf den Kopf zu sagen!. Das waren die sinnlosesten 60 Minuten der Fernsehgeschichte und wenn dieser fabulöse Rekord nicht in der nächsten Ausgabe der Guinness-Buch-der-Rekorde auftaucht, dann ist mein Weltbild unwiderruflich den Bach runter. So wahr ich hier sitze!

Zum Abschluss wie immer meine Erkenntnis des Tages: Das Bundesumweltministerium sollte schleunigst eine CO2-Bilanz dieser Sendung erstellen und sie dann per Gesetz verbieten!

Was mein persönliches Befinden angeht, darf ich berichten, dass es mir nach dem Schreiben dieser Zeilen wieder etwas besser geht. Ich war kurzfristig drauf und dran analog zum Tierschutzverein eine ähnliche Institution für Menschen zu gründen, aber grundsätzlich haben wir das ja bereits. Es nennt sich Staat, wird nur langsam Zeit, dass der solchem Treiben ein Ende setzt.

Ich werde jetzt einen Liter Wasser beim Verdunsten beobachten um mich langsam wieder an die Realität zu gewöhnen. Bleiben sie mir gewogen und sagen sie weiter, was sie hier gelesen haben. Vielleicht können auch sie jemanden retten! Bis morgen und einen schönen RTL-freien Tag!

Was bisher geschah lesen sie hier:

Prolog
Tag 1
Tag 2
Tag 3
Tag 4

Check Also

Es gibt keine objektive Berichterstattung in den Massenmedien

Es ist der Alptraum jedes ehrgeizigen Journalisten: Er stößt auf Fakten, recherchiert, trägt Beweise zusammen, …

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.