Mittwoch , 12 August 2020
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Freiheit erfordert Selbstverantwortung

see_boot_freiheitEs wird wohl kaum jemanden geben, der die Frage, ob persönliche Freiheit zu seinen ersten Zielen zählt, nicht eindeutig mit ja beantwortet. „Wie frei ist ein freier Mensch“, haben wir einen unserer Artikel betitelt. Ungeachtet einer völlig falsch verstandenen illusorischen Freiheit, die sich oft nur in geschmackloser Kleidung und Respektlosigkeit manifestiert, wirkliche Freiheit verlangt ihren Preis. Nämlich, Eigenverantwortung. Je mehr sich der Bürger auf die Hilfe des Staates verlässt desto mehr muss er in Kauf nehmen, von diesem bevormundet zu werden. 

All zu oft wird das Loslösen von traditionellen Werten, die sich im Laufe von Jahrhunderten mit dem Zweck eines harmonischen Zusammenlebens in der Gemeinschaft geformt haben, als Freiheit missverstanden. Eigenwillige Kleidung zu tragen, sich die Haare bunt zu färben oder seinen Körper mit Tätowierungen zu bedecken, hat dies wirklich etwas mit Freiheit zu tun? Fremder Leute Häuser mit vermeintlicher Kunst aus Spraydosen zu zieren? Seine Nachbarn mit Rap oder Hip-Hop zu quälen?

Was hat sich sonst noch alles verändert, während der vergangenen Jahrzehnte, was glauben macht, mehr Freiheit zu repräsentieren? Das Ausstellen halbnackter Männerkörper in stolzen Paraden? Die Tendenz, religiöse Symbole und Werte abzulehnen? Das Recht, Respektierungswürdigen ungestraft den Respekt zu verwehren oder in Blue Jeans ein Opernhaus zu betreten?

Während sich die moderne Gesellschaft immer weiter von althergebrachten Richtlinien entfernt, schließen sich symbolische Fesseln immer enger um unsere Hand- und Fußgelenke. Und dem, der diese moderne westliche Welt nie für längere Zeit verlassen hat, der sich nie durch einen ausgedehnten Aufenthalt in einem sogenannten Drittweltland eine Reise in die Vergangenheit erlaubte, dem sind Einschränkungen, mit denen wir uns täglich konfrontiert finden, nicht einmal bewusst. Das Vertrauen in die Notwendigkeit und Richtigkeit jeder Veränderung, das Verlangen nach Sicherheit und vielleicht auch Geborgenheit in einem Staatsgefüge, lässt so manche Unannehmlichkeit beim Befolgen einengender Regelungen verblassen.

Wer wirklich frei sein möchte, verlangt gleichzeitig auch nach dem Recht auf Hunger, wenn das Geld für den Besuch im Supermarkt fehlt. Wer Freiheit würdigt, stimmt zwar nicht dem Zwang einer Krankenversicherung zu, ruft aber auch nicht den Staat um Hilfe, wenn ihm das Geld für den Doktor fehlt. Er lebt mit gelegentlichen Belästigungen, die nicht wirklich Schaden verursachen, ohne sofort nach Gesetzen und Verboten zu verlangen.

Ich habe das Beispiel von Drittweltländern angeführt. In manchen davon gibt es auch heute noch keine staatliche Krankenversorgung und keine Regelung für das Betreiben von Geschäften. Keine Sozialhilfe und keine Rente. Keine Einkommenssteuer und keine Subventionen. Was passiert in solchen Ländern, wenn ein Mensch krank wird und wirklich kein Geld für den Arzt hat? Was passiert, wenn er hungrig ist und keine Möglichkeit zum Geldverdienen findet? Stirbt er, vor dem Eingang des Krankenhauses oder verhungert er im Straßengraben?

In den Ländern, in denen der Staat es noch unterlässt, sich um das Schicksal des Einzelnen zu kümmern, in diesen Ländern leben die Menschen, wie auch vor hundert Jahren noch in unseren Landen, in der Gemeinschaft der Mitmenschen. Sowohl die Familie als auch das Dorf oder die nähere Nachbarschaft wird zum sozialen Netz. Wer Hilfe benötigt, dem wird auch geholfen. Anstatt der regelmäßigen Versicherungsprämie, anstatt einer Steuerleistung, ist der Preis für dieses Auffangnetz die offene Zugehörigkeit zu einer Gemeinschaft. Der Preis ist, selbst zu helfen, wenn sich andere Mitglieder in Not befinden. Gleichzeitig bedarf es aber auch der Anpassung an die althergebrachten Formen des Zusammenlebens, das Akzeptieren der gesellschaftlichen Regeln, die heutzutage oft als Zwänge erachtet werden.

Wie viele von denen, die nach mehr Freiheit rufen, wären bereit, diesen Preis zu bezahlen? Sich in die Gemeinschaft des Wohnviertels einfügen, auf Anonymität zu verzichten, Kontakte mit den nächsten Angehörigen zu pflegen oder gar seine greisen Eltern im eigenen Haus zu betreuen? Was für eine Freiheit sollte das denn sein, wenn der Einzelne dann doch wieder dem Zwang der Gemeinschaft unterliegt, mag so mancher fragen. Gibt es einen Unterschied, zwischen dem Zwang der Gepflogenheit und dem blinden Gesetz? Die beiden Möglichkeiten in Vergleich gestellt, wird eine Mehrheit wohl die zweitgenannte Variante wählen, ungeachtet, wessen Interessen diese letztendlich dient.

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