Dienstag , 11 August 2020
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Social Media: Nicht jede Empfehlung ist selbstlos

keyboard buyBekanntlich ist jeder „Ismus“ mit vielen Fragezeichen behaftet. Was für den neuen „Social-Ismus” gilt, den Trendforscher David Boshart auf dem achten Europäischen Trendtag propagierte, wird sich früher oder später zeigen. Der Leiter des Gottlieb Duttweiler Instituts in Zürich meinte: “In Zukunft wird es kaum noch etwas geben, das wir nicht teilen, tauschen, ausleihen und wiederverwenden – kurz: gemeinschaftlich konsumieren.”

Für die neue Generation „We” (als Teil der Netz-Gemeinde) sei geteilte Konsumfreude doppelte Freude – „Soziopleasure”. Als Beispiel sollte auf dem Trendtag das „Social-Online-Shopping“ gelten oder, anders formuliert, das Einkaufen mit „Freunden”. Menschen versammeln sich um Themen, die sie interessierten, und entfalten eine neue Kommunikationskultur, die sich als „globale Mundpropaganda” bezeichnen ließe.

Zwei Dinge werden klar in der Verbindung der Menschen, des Einzelnen über soziale „Räume“.

Erstens: Immer mehr Informationen lassen wesentlich schneller als bisher den „Tunnelblick” weiter werden. Wir nehmen unterschwellig Informationen auf, die uns bisher nicht sonderlich interessierten, und bleiben natürlich in erster Linie an dem „hängen”, was uns jeweils in besonderem Maße wichtig scheint oder zu lernen anregt.

Zweitens: Unternehmen, die die Macht des Social Media erkannt haben, versuchen, hier Kunden-Potential zurückzugewinnen, das sie auf herkömmlichen Werbe- und Absatz-Schienen verloren haben.

Dadurch entsteht eine neue Art der Manipulation, die oft nicht leicht durchschaubar ist. Kommt sie doch in Gestalt eines freundlichen Chattersam „anderen Ende der Leitung” daher, der ja nur eine kleine Empfehlung ausspricht, dieses oder jenes Produkt, Werk, Auto, Seminar, Webinar oder vielleicht auch den „Super-Verdienst” anpreist, um Absatzzahlen der Anbieter zu steigern.

Das Internet ist also genauso wenig frei wie die privaten Fernsehprogramme, die sich über Werbung finanzieren. Und zwar in mehrfacher, in offener und in versteckter, Weise:

In Wort und Bild auf klar erkennbaren Anzeigen.

Im „Empfehlungs-Marketing” über immer noch deutlich erkennbare Vertriebskanäle von Unternehmen.

Und in einer kaum noch oder für viele gar nicht erkennbaren Form des Absatzes per modernem Social Media – einem netten Hinweis im Chat, einem kleinen „Lob” der Produkte, die tatsächlich derart versteckt beworben werden; Fragen des „Freundes A“ nach einem Produkt oder Unternehmen oder einer Empfehlung für … beantwortet der „Freund B“ mit vermeintlich wohlmeinenden Ratschlägen – und beide sind doch nur die Social-Media-Beauftragten eines Herstellers, der seine Produkte verstärkt absetzen will …

Viele lesen mit und speichern unbewusst diese Lobhudelei, den „guten Preis”, die „tolle Verarbeitung” und so weiter. Nach meiner Meinung eine besonders perfide Art der Manipulation, weil eben nicht erkennbar.

Vom Gesetzgeber das Ziehen klarer Grenzen zu erwarten, scheitert aus mehreren Gründen: Einerseits gibt es ohnehin schon zu viele rechtliche Einschränkungen, die nur vermeintlich dem „Schutz des Bürgers” dienen, und andererseits ist Eigenverantwortung schließlich immer der Vorzug einzuräumen.

Das Stichwort heißt also: Aufklärung. In Schule und Elternhaus könnte den jungen Menschen möglichst früh deutlich gemacht werden, dass wir alle viel zu oft Manipulationen unterliegen – in unterschiedlichster Art und Weise. Denn es gibt neben dem „lieben Onkel” oder dem „netten Hausmeister, Lehrer, Geistlichen …” eben auch immer öfter den „netten Chatter” auf allen bekannten Plattformen, der nur eines will: seinen Vorteil – um unseres Nachteiles willen.

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