Freitag , 24 Januar 2020
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Eine Generation ohne Hoffnung

street fightIch möchte mich dieses Mal mit einem Thema beschäftigen, das meiner Ansicht nach überaus deutlich aufzeigt, wie falsch die Richtung ist, in die sich unsere Gesellschaft bewegt. Woran ließe sich besser erkennen, ob eine Gesellschaft erkrankt, als an der jüngsten Generation? Was zeichnet sich im Verhalten unserer Jugend ab? Welche Zukunftsperspektiven bieten sich für junge Menschen? Drücken wir es vorsichtig aus: Es zeigt sich eine Schräglage. Und ich fürchte, die ganze Situation ist nahe daran, zu kippen.

Ich maße mir kein Urteil an. So etwas überlassen wir schließlich unseren geachteten Experten. Wie üblich, teile ich einfach meine eigenen Gedanken, die mich jedenfalls mit Sorge erfüllen.

Immer mehr Jugendliche beginnen, bereits im zarten Alter von 12 Jahren, schwächere Gleichaltrige zu erpressen und zu berauben. Die stimulierende Wirkung von Drogen wird entdeckt. Mit zunehmendem Alter steigen dann viele in die nächste Liga auf; Geschäftseinbrüche, Vergewaltigungen und schwere Körperverletzungen sind der nächste Schritt ins Unheil.

Kriminalstatistiken, die nach oben hin förmlich explodieren, sind traurige Zeugen dieser Entwicklung.

Bitte, verstehen Sie mich nicht falsch. Ich kritisiere nicht die Jugend als Ganzes. Ich weiß, dass es eine Menge netter und verantwortungsbewusster junger Menschen gibt. Was mir ins Auge sticht, sind die Auswüchse. Und ich glaube, die sind für niemanden mehr übersehbar.

Jetzt kann man natürlich als milderndes Argument anführen, dass es in der Phase des Erwachsenwerdens schon immer zu seelischen Turbulenzen gekommen ist, was auch stimmt. Der Unterschied zu früher ist allerdings die Tatsache, dass wir dem Nachwuchs in Sachen Arbeitsplatz, Familiengründung und Altersversorgung keine positive Zukunftsplanung anbieten können.

Mit anderen Worten, viele Jugendliche haben die Sackgasse ihrer Zukunft erkannt. Sie haben das Vertrauen in die politischen und gesellschaftlichen Verantwortlichen verloren.

Was können wir den Jugendlichen anbieten? Eine Wirtschaft, die soziale Arbeitsplätze zulässt, die Rücksicht auf die Umwelt nimmt und vielleicht auch auf die Ressourcen auf unserem Planeten Dazu einige nackte Zahlen:

Laut dem Statistischen Bundesamt gehen 20,5% der Jugendlichen in der EU keiner Beschäftigung nach. Die Rekordhalter in dieser traurigen Statistik sind Spanien mit 45,7% und Griechenland mit 38,7 %. In Deutschland sind 36,8% der Jugendlichen „atypisch” beschäftigt.

Die erwiesenen Folgen dieser Entwicklung sind Depressionen, Alkoholmissbrauch, Gewalttätigkeit, Verzweiflungsgefühle und Antriebslosigkeit. Jedes Lebewesen, und somit auch der Mensch, zeigt eine gesteigerte Tendenz zu Aggressivität, zu Gewalttätigkeit, sobald es sich in die Enge getrieben fühlt.

Was sich heute abspielt hat also nichts mit dem klassischen Generationskonflikt zu tun, mit dem Auflehnen gegen Althergebrachtes. Früher einmal, in meiner eigenen Jugendzeit, war es noch leicht, gegen die Erwachsenen zu protestieren. Da genügten lange Haare oder extravagante Bekleidung. Dies funktioniert heute nicht mehr. Heute ist es eher so, dass manche Jugendliche über ihre ausgeflippten Eltern den Kopf schütteln. Die Suche nach Vorbildern bleibt unerfüllt.

Die Saat der Gewalt ist aufgegangen wie Unkraut auf einem Boden, der nie gejätet wird.

Sollten wir uns nicht fragen, woher die Bereitschaft einer steigenden Zahl junger Menschen kommt, zu hassen, sich zu bewaffnen und Gleichaltrige oft erbarmungslos krankenhausreif zu schlagen? Wer hat dies den Kindern in den paar Jahren ihres Daseins gelehrt? Das können doch nur wir selbst gewesen sein. Wenn auch nicht aktiv, doch haben wir die Entwicklung mit angesehen. Wir haben sie zugelassen.

Manches Mal zeigt der Spiegel, der uns vor die Nase gehalten wird und uns die ungeschminkte Wahrheit vor Augen hält, ein gar hässliches Bild. Wir können uns abwenden, wegsehen, und viele, zu viele tun dies auch. Doch mir persönlich erscheint die „Rettung” unserer Jugend eine wesentlich dringendere Sache zu sein als die Sorge um fallende Aktienkurse. Es sind unsere eigenen Kinder und Kindeskinder, die in dieser kommenden Welt werden leben müssen.

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