Mittwoch , 19 Februar 2020
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Wir hätten schon zu lange über unsere Verhältnisse gelebt

yacht_open_waterSeit dem Fall des Eisernen Vorhanges scheint das Leben auf dieser Welt noch um einiges komplizierter geworden zu sein. Wir erfahren von Experten, welchen Weg die Menschheit gehen muss, um noch erfolgreicher zu werden. Diese Strömung ließe sich als „neoliberales Ökonomieverständnis” bezeichnet. Sie erklären uns, dass nationalstaatliche Interessen zurück gedrängt werden müssen und, dass die Befriedigung nationaler Egoismen der Vergangenheit angehöre.

Als ganz wichtig erscheint es den Experten, dass sich der Staat so weit wie möglich zurückzieht, was eine Reduktion der öffentlichen Bediensteten mit sich bringen würde. Weniger Staat und mehr Freiheit klingt auf den ersten Blick ja recht gut. Allerdings, was die damit verbundene Einführung „neuer Freiheiten“ betrifft, steht natürlich nicht der Bürger im Vordergrund, sondern die Märkte. Die Freiheit der Märkte, und der damit verbundene uneingeschränkte Außenhandel, wurden zur Grundlage der Freiheit des Menschen erklärt.

Mehr als zwanzig Jahre sind seit dem Fall des Eisernen Vorhangs, seit der Auflösung des kommunistischen Gegenpols zu den freien Märken, nun vergangen. Und wie sieht die Bilanz aus? Was hat diese große Veränderung den Bürgern eingebracht?

Wirtschaftskrise, Bankenkrise, Schuldenkrise, Rettungsschirm, Proteste, die teils sogar in Gewalttätigkeiten ausarten, Streiks, Bestrebungen zur Abschaffung nationalstaatlicher Souveränität!

Über diese Entwicklungen lesen wir täglich in den Zeitungen. Diese Tatsachen lassen sich nicht wegleugnen, liebe Experten, denn sie sind ganz einfach real vorhanden und üben immer mehr Einfluss auf unser aller Leben aus. Was hat dieses Chaos ausgelöst? Waren wir von Anfang an Opfer einer verlogenen Politik? Oder handelt es sich um die unverzeihliche Selbstüberschätzung einzelner Entscheidungsträger, gepaart mit grenzenloser Naivität?

Nicht nur in meinen Heimatland Österreich, in ganz Europa wird immer mehr darüber geredet, dass wir, das Volk, während der letzten Jahre über unsere Verhältnisse gelebt hätten. Wie bitte? Werfen wir einmal einen Blick auf dieses „überschwängliche Lotterleben“, das wir geführt haben sollen, das uns somit durch unseren „eigenen Leichtsinn“ in die Krise schlittern ließ:

Ist es der Mittelklassewagen, den man sich durch zwei Einkommen so recht und schlecht erhalten kann, die gut geheizte Wohnung oder vielleicht der Luxus, ein TV-Gerät und einen Computer zu besitzen?

Ich kann aus meiner Sicht nur sagen, dass sowohl meine vier Kinder, die Schwiegerkinder und die beiden ältesten Enkelkinder brav arbeiten gehen, ohne jeglichen Luxus zu genießen. Keine kostspieligen Urlaube, keine Sportwagen, keine Villen, kein ausschweifender Lebenswandel. Wir, und all die Familien, die ich persönlich kenne, sollen über unsere Verhältnisse gelebt haben? Vielleicht, weil wir hin und wieder unser Schnitzel im Gasthaus einnehmen und uns ein Glas Wein dazu gönnen? Immerhin sind pro Familie zwei Menschen erwerbstätig. Wir sollen wirklich zu gut gelebt haben? Ich kann es nicht glauben!

Ganz im Gegenteil. Ich glaube, dass diese Krisen künstlich herbeigeführt wurden. Aus welchem Grund? Ich bin kein Experte. Ich kann nur schlicht meine Meinung sagen. Aber ich habe den Eindruck, als ginge es darum, uns dieses bisschen Lebensqualität, für das wir alle hart arbeiten, auch noch zu reduzieren. Zur Gewinnmaximierung der gierigen Finanzjongleure.

Eine Krise wäre, wenn die Oberflächen-Temperatur der Sonne, aus unerklärlichen Gründen, vorübergehend abnehmen würde und eine dadurch ausgelöste Klimaveränderung die Ernten vernichtet. Eine echte Krise würde entstehen, sollte ein größerer Gesteinsbrocken aus dem Weltall den Weg zur Erde finden, dessen Einschlag auf Tausenden von Quadratkilometern alles Leben vernichtet. Massive Vulkanausbrüche, deren Asche große Landstriche verseucht, Unfälle in Atomkraftwerken oder eine Pandemie. Das wären Krisen, nicht aber solche, die von falschen Propheten „herbeigebetet“ werden.

Die Mächtigen, die die Fäden tatsächlich in der Hand halten, müssen endlich begreifen, dass man  Menschen nicht einfach wie Marionetten beliebig tanzen lassen kann. Und Arbeitnehmer sind Menschen, die Respekt verdienen und Anerkennung ihrer Leistung, anstatt von der Finanzwirtschaft wie „Rotzbuben” behandelt zu werden.

Ich hoffe, dass die Vernunft letztendlich doch noch siegt, bevor sich der Zorn des Volkes in zügelloser Aggressivität entladen wird.

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