Samstag , 4 April 2020
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Ein Logo für die Menschenrechte

Die Internet-Seite des Auswärtigen Amtes beinhaltet immer wieder die eine oder andere Überraschung für mich. Aktuell entdeckte ich eine Berichterstattung unter dem Titel: „Ein Logo für die Menschenrechte“. Das ist doch eine tolle Sache. Vom 27. August bis 17. September 2011 kann jeder unter www.humanrightslogo.net für seinen Favoriten stimmen und so die Grundidee des Wettbewerbs mit in die Tat umsetzen: Die gemeinsame Bestimmung eines Logos für Menschenrechte durch Menschen aus der ganzen Welt.

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Tja, ich habe immer eine ganz eigene Art, solche Dinge zu lesen und für mich zu deuten. Nachdem sich meine Irritationen gelegt haben, so stelle ich für mich fest: Es geht nicht um die Menschenrechte, es geht um ein Logo für die Menschenrechte. Aha, es geht um ein Logo. Heißt das etwa, die Politikerinnen und Politiker haben vor, aus den Menschenrechten eine Marke zu machen? Befinden wir uns als im Prozess des „Branding“, führt das Auswärtige Amt im Moment eine Konsumentenbefragung durch, um die Installation der Marke auf dem Weltmarkt auf eine möglichst breite Basis zu stellen? Was soll das eigentlich? Lesen wir also nach, was sagt das Ministerium dazu:

Den Startschuss für diesen weltweiten Wettbewerb hat Bundesaußenminister Guido Westerwelle am 3. Mai in Berlin gegeben – gemeinsam mit den Jurymitgliedern Waris Dirie und Erik Spiekermann sowie dem Komiker Michael Mittermeier, der eine besondere Patenschaft für die Logo-Initiative übernommen hat.

Es sei wichtig, “dass man weltweit ein wiedererkennbares Symbol für Menschenrechte” habe, erklärte Westerwelle bei der Eröffnungsveranstaltung, um “die Sache der Menschenrechte zu stärken, zu visualisieren” – gerade “in Zeiten, die sehr stark von Bildern geprägt werden”.

Das Gewinnerlogo wird am 23. September 2011 in New York – parallel zur Generalversammlung der Vereinten Nationen – vorgestellt. Das Logo soll es Menschen, die für Menschenrechte eintreten, erleichtern, ihr Anliegen deutlich und wiedererkennbar zu machen. Gleichzeitig soll der Wettbewerb darauf aufmerksam machen, wie wichtig Menschenrechte sind und Menschen weltweit in ihrem Engagement für sie bestärken.

Jetzt weiß ich also, um was es geht – schöner Text. Warum muss ich nur laufend an die abgewiesenen Flüchtlinge aus dem arabischen Mittelmeerraum denken. Warum gehen mir die Hungernden in Afrika nicht aus dem Kopf, nicht die Waffenexporte und der Export ganzer Waffenfabriken. Dazu passt eine Bemerkung, welche ich gestern zum Exportboom britischer Waffen las:

Es wird alles Erdenkliche getan, um den Einsatz gegen Zivilpersonen auszuschließen.“

Stimmen sie mir zu, diese Bemerkung hätte auch auf deutsche Waffenexporte bezogen werden können.

Ach so, die H4-Kinder und die alleinerziehenden Mütter, die auf Aufstockung angewiesenen Familien, die haben sich ebenfalls in meinem Kopf bemerkbar gemacht. Tja, ich höre jetzt mit der Aufzählung auf. Mein Chefredakteur ist zwar sehr großzügig, aber so viel Platz, das würde auch für ihn kritisch sein.

Der Ansatz mit den Bildern, verehrter Herr Westerwelle, der in dieser von Bildern geprägten Zeit – wie viele Bilder über Verletzungen der Menschenrechte soll ich ihnen zusenden?

Gut, was will ich damit sagen, mit dem heutigen Einwurf. Ich pfeife auf ein Logo für Menschenrechte. Und ich will auch nicht, dass aus Menschenrechten eine Marke gemacht wird. Ich will, dass sich diese Regierung endlich daran erinnert, dass die Durchsetzung und Einhaltung von Menschenrechten ihre höchste und wichtigste Aufgabe ist, ganz einfach.

In diesem Sinne…

© Peter Reuter

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