Donnerstag , 22 August 2019
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Ein (Google) Plus mehr im Leben

wellmanns_wilde_wochenGuten Tach, liebe Freunde der menschlichen Erkundung. Stellen Sie sich bitte ganz kurz vor, ein sehr zickiger Mensch, sagt – aufgrund ihrer Aussage, dass das geplante Gesellschaftsspiel in höchster Weise öde, nervig, zeitverschwendend und kindisch sei, in einem sehr zickigen Ton den folgenden Satz: (wie gesagt, sehr zickig) „Na du musst ja nicht mitmachen, zwingt dich ja keiner!“ Sie spielen aber mit, schon einfach deshalb, um dabei gewesen zu sein, aber auch um keinen Unmut bei ihrem lieben, aber sehr zickigen Freund hervorzurufen. Und nicht zuletzt, weil sie vor den anderen Mitspielern in bestem Licht erscheinen wollen.

Haben sie das Bild vor Augen? Dann geben wir dem Spiel jetzt einen Namen: „Soziales Netzwerk“. Sah man bis vor kurzem wenigstens noch den Schornstein aus dem Wasser ragen, scheint der Dampfer „Myspace“ inzwischen komplett vom großen Netzwerk-Konsumenten-Meer verschlungen zu sein. Dabei war Myspace, gerade für Musiker das angesagte Ding, wenn es darum ging, ohne Werbebudget von sich reden zu machen.

Natürlich gibt es heute die verschiedensten Möglichkeiten, seine noch nicht vermarktete Musik im Netz zu veröffentlichen, in der Hoffnung irgendwann den großen Plattendeal zu machen und mitanzusehen, wie seine Musik danach weiter umsonst aus dem Netz gezogen wird. Doch irgendwie, sehr subtil und trotzdem in aller Öffentlichkeit, drängt sich einem heute auch die unumgängliche Notwendigkeit des Gruppen(motivations)zwanges auf, die einem ständig ins Gesicht zickt: „Na du musst ja nicht mitmachen, zwingt dich ja keiner!“ Und auch die hat einen Namen: „Facebook“.

Facebook ist für beruflich Selbstständige, für Kleinunternehmer aller Art, als Werbeplattform kaum noch weg zu denken. Gerade wenn man sich keine Werbung leisten kann. Aber Facebook ist auch beladen, nervig, undurchsichtig, ja sogar bedrohlich, wenn man sieht, in welchen Dschungel man sich begeben muss, um auch nur ein paar kleine private Einstellungen zu machen.

Ich persönlich liebe es ja, von „Freunden“ zu einem Spiel, oder zu sonst einer „Lustigen Anwendung“ eingeladen zu werden. Haben sie es auch schon erlebt, dass Ihnen da irgendwann der Kragen geplatzt ist und einer ihrer Kontakte den gesammelten Zorn aller nervigen Facebook – Anfragen zu spüren bekam und der sie dann verschämt zurückließ, weil er von dieser Einladung überhaupt nichts wusste? Es bleibt einem also nichts, als jedes Spiel und jede Smily-, Herzchen-, Umarmungs-, und Lächel-Anfrage zu blockieren, oder zu ignorieren und ich habe mich dabei schon sehr oft gefragt, warum es nicht umgekehrt ist.

Die Königsklasse der Gesichtsbuch-Nervereien sind allerdings Veranstaltungseinladungen von Künstler-Kollegen, die in meinem „Kontakte-Topf“ die Mehrheit bilden. Da wird man dann zu einem Kleinkunstprogramm, auf einer Kleinkunstbühne, in eine mehrere hundert Kilometer weit entfernte Stadt eingeladen…, und hat nun verschiedene Möglichkeiten damit umzugehen. Antwortet man strikt: „Ich nehme nicht teil!“, ist das zwar sehr klar und endgültig formuliert, führt aber teilweise dazu die , nicht nur unterbewusste, Missachtung des Kollegen, in der Zukunft auf sich zu ziehen.

Antwortet man mit: „Vielleicht“, ist man schon weitaus mehr in der Pflicht und wird, bei Nichterscheinen, auf jeden Fall irgendwann zu einer peinlichen Situation führen. Spätestens wenn die Frage nach deinem „Alibi“ kommt.

Antwortet man aber mit einem eindeutigen „Ja, ich nehme teil“, hat man fortan keine ruhige Minute mehr. Denn genau jetzt schlägt einem das Leben all seine Widrigkeiten um die Ohren und versucht mit allen Mitteln dich davon abzuhalten, deine Zusage einzuhalten. Vom grippalen Infekt, über den Besuch von Außerhalb, bis hin zum Vulkanausbruch, kann ab diesem Moment alles passieren. Und solltest du dann wirklich nicht kommen können, stellt das ab da an einen dunklen, tiefen Schnitt in der Beziehung zu deinem „Kontakt“ dar, welcher wahrscheinlich in diesem Leben nicht mehr zu begradigen ist.

Doch nun soll wieder mal alles anders werden. Übersichtlicher. Klarer. Es soll auch nicht mehr so ein durcheinander bei den Privatsphäreneinstellungen geben, weil man eben nicht erst alles ausschalten muss, sondern das noch nicht Angeschaltete an. „Google +“, so der bescheidene Name des neuen Netzwerks, das sich in die Schlacht um die Gunst der Netzwerkenden wirft und derzeit, so ein wenig wie ein neues Medikament, am „Verbraucher“ getestet wird.

Recht überraschend kamen auch wir vom Wellmann eXtremkabarett-Blog am Wochenende zu einer Einladung zu „Google+“ und waren mehr als neugierig. Doch genau das, was ja eigentlich das „Neue“, „Andere“ sein sollte, nämlich Übersichtlichkeit, war nun erst mal das, was die aufkommende Aufregung recht schnell hat verpuffen lassen. Doch dieses eben nicht im negativen Sinne. Übersichtlich ist es, das „Google+“ und was die versprochene Wahrung der gewünschten Privatsphäre betrifft, so scheint zunächst alles so wie angekündigt.

Man sollte allerdings auf keinen Fall vergessen, dass zur Anmeldung ein Google-Konto notwendig ist. Wer so etwas schon vorher hatte der weiß, dass man vielleicht mit diesem Google-Konto in unzähligen Anwendungen verbunden, oder mit den Konten von anderen sozialen Netzwerken verknüpft ist, oder wie schnell man mal eben das falsche Häkchen angeklickt hat und sein privat geglaubter Kalender, ist für jeden „Kontakt“ einsehbar.

Wer also Wert auf Datenschutz legt, was ich persönlich, heutzutage für nicht mehr möglich halte, der sollte bei den Einstellungen auch einen Blick über „Google+“ hinaus werfen.

Damit einen schönen und kommunikativen Sonntag und ein stiller Gedanke daran, dass der schönste Kontakt doch immer noch der körperliche ist.

Wellmann

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