Samstag , 20 April 2019
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Hartz IV – Mit 364 Euro vortrefflich leben, nur nicht in Deutschland

Wer den Blick auf jene richtet, die sich am wenigsten wehren können, der versteht sich des politischen Ablenkungsmanövers. Aktuell läuft dieses in Richtung der Hartz IV Debatte. Jetzt sollen es die Grünen gemeinsam mit der SPD sein, welche als Initiatoren von Hartz IV die Erhöhung desselben um fünf Euro zu verhindern trachten. Auf der Strecke bleibt allemal der Umstand, dass ein Leben um 364 Euro wohl nur schwer möglich ist. Und dass in Deutschland 12,5 Millionen Menschen an der Armutsgrenze leben.

obst_kisteMit 5.000 Euro im Jahr kommt man in Thailand schon weit. Hier jedoch nicht. Man gilt als arm. Was dort als Wohlstand definiert wird, reicht hierzulande nicht einmal für die Flucht aus der Armutsfalle. Wohlstand ist also relativ. Die 364 Euro können in anderen Ländern ein gutes Leben ermöglich. In Deutschland führt dieser Betrag direkt zum Abfalleimer vor der Bratwurstbude. Wer also Sozialgesetze verabschiedet, scheint nur wenig von den täglichen finanziellen Anforderungen der eigenen Gesellschaft zu verstehen.

Lächerlich erscheint der vorgesehen Betrag für Bildung, aus dem sich der Hartz IV Bezug zusammensetzt. Mit 1,39 Euro pro Monat lässt es sich vortrefflich bilden. Fachbücher kosten im Schnitt 25 Euro, gleichviel ein Minikurs an der Volkshochschule. Dafür müsste ein Hartz IV Empfänger mit Bildungshunger satte 18 Monate sparen – solange beträgt aktuell die Halbwertszeit des Wissens. Auch der vorgesehene Betrag von 27,41 Euro für Innenausstattung und Haushaltsgeräte scheint wohl als monatliche Sparquote für ein eventuell marodes Haushaltsgerät aufgefasst zu werden. Würde man sich diesen Betrag nämlich auf die Seite legen, um sich im Fall des Falles einen neuen Kühlschrank leisten zu können, dann blieben vom Bezug nur mehr 336,59 Euro übrig.

Und man versuche einmal für 128,56 Euro pro Monat Lebensmittel und alkoholfreie Getränke einzukaufen. Der Weg zum Sozialmarkt und der Tafel ist dabei vorprogrammiert. Wer also nicht mit Hartz IV auskommt, landet dort, wo man ebenfalls in Zeiten der Krise zu sparen beginnt. Nämlich bei den vielen NGO´s, die sich sozialer Aufgaben annehmen und wiederum vom Gutwill anderer abhängen. Eine Abwärtsspirale beginnt sich dabei zu drehen. In Deutschland sind 3,66 Millionen Menschen auf Hartz IV angewiesen. Die Mehrheit davon, nämlich 1,9 Millionen, sind Singles. Die erhalten auch nicht die für Kinder vorgesehenen Hartz IV Regelsätze und sind tatsächlich auf diese 364 Euro angewiesen.

In Deutschland leben 15 Prozent der Gesamtbevölkerung, das sind 12,5 Millionen Menschen, in Armut. In Österreich beläuft sich diese Quote auf rund 12 Prozent. Man liegt damit unter dem Schnitt der Europäischen Union von 17 Prozent. Vorwiegend davon betroffen sind junge Erwachsene und größere Familien. Knapp ein Viertel der 19 bis 25-Jährigen lebte 2008 unter der Armutsgrenze. Der Grund: die Verlängerung der Ausbildungszeiten, früheres Verlassen des Elternhauses und prekäre, schlecht bezahlte Arbeitsverhältnisse für Berufseinsteiger.

„Die Armutsgefährdungsquote eines Landes wird nach einheitlicher EU-Definition auf der Basis eines Schwellenwertes berechnet, der als 60 % des Medians des Äquivalenzeinkommens dieses Landes festgelegt ist. Der Schwellenwert für Armutsgefährdung gibt die untere Einkommensgrenze an, ab der eine Person als armutsgefährdet gilt. Dabei werden die gesamten Einkommen einschließlich der Sozialleistungen des Staates berücksichtigt.“ So der Originaltext des statistischen Bundesamtes Deutschland. In Zahlen ausgedrückt liegt der Schwellenwert bei einem monatlichen Einkommen von 912,75 Euro. In Österreich liegt dieser Wert mit 950,50 Euro etwas höher.

Angesichts dieser Zahlen nehmen sich die Regelbeträge für Hartz IV lächerlich aus. Wenn ein monatliches Einkommen von 912 Euro bereits die Armutsgrenze darstellt, was bedeutet dann ein Hartz IV Bezug von 364 Euro im Alltag?

Zurück zu den Quoten. Solange man noch nicht den EU-Durchschnitt von 17 Prozent erreicht, wird man sich wohl kaum Sorgen um die Armut im eigenen Land machen. Der deutsche „Wutbürger“ darf in der Zwischenzeit weiter auf die Straße gehen, weil die Politik, so scheint es, sich in Centklaubereien verliert. Denn der geht aktuell eher der sprichwörtliche Hintern wegen der Eurokrise auf Grundeis. Schließlich geht es ja um die Staatsmilliarden und nicht um ein paar Millionen Bundesbürger.

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