Dienstag , 20 August 2019
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Wie sieht die Zukunft Europas aus

arbeitslosEinige Jahrzehnte hielt der Aufschwung an. Die Lebensqualität des Einzelnen schien sich regelmäßig zu verbessern. Einkommen stiegen, auch inflationsbereinigt, an. Die Zahl der wöchentlichen Arbeitsstunden nahm gleichzeitig ab. Dafür stieg der Urlaubs-Anspruch. Und alles wirkte logisch, schien auf technischem Fortschritt und auf Weiterentwicklung zu beruhen. Doch plötzlich zeigt sich das wahre Gesicht der modernen Politik, des herrschenden Wirtschafts- und Geldsystems. An allen Ecken und Enden fehlt es an Mitteln. Und jetzt erschallt noch der laute Drohruf: Zurück zur 45-Stunden-Woche!

Werfen wir einen Blick auf die Zahl der Arbeitslosen, so zeigt sich deutlich, dass wir nicht unter Arbeitskräftemangel leiden, sondern unter einem Überschuss. Berücksichtigend, dass in fast jeder Familie heutzutage zwei Menschen erwerbstätig sind, wäre dies eigentlich keine Überraschung. Und trotzdem erklärte Prof. Klaus Zimmermann, der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, gegenüber der Bildzeitung, dass mittelfristig mit einem Anheben der Arbeitsstunden bis auf 45 Stunden zu rechnen sei. Grund sei der zunehmende Fachkräftemangel.

Das hören wir aber auch nicht zum ersten Mal, dass es in Deutschland nicht genügend Fachkräfte gäbe. Und auch in diesem Zusammenhang wird wieder einmal auf die Notwendigkeit verwiesen, besser ausgebildete Arbeitnehmer aus dem Ausland zu holen.

Die Tatsache, dass es für Arbeitgeber nicht immer einfach ist, neue Mitarbeiter zu finden, die über eine entsprechende Ausbildung, ausreichende Erfahrung und die Bereitschaft, für den angebotenen Lohn zu arbeiten, verfügen, ist allgemein bekannt. Gleichzeitig stoßen aber auch unzählige Arbeitnehmer, trotz solider Schulung und Berufserfahrung, auf Probleme, eine passende Stelle zu finden. Wahrscheinlich lässt sich dieser scheinbare Widerspruch schlicht dadurch erklären, dass im modernen Berufsleben immer höhere Spezialanforderungen gestellt werden.

Selten wird darauf verwiesen, dass in Amerika, ein Land, das viele vorwiegend aus beschönigenden Hollywood-Filmen kennen, grundsätzlich deutlich länger gearbeitet wird. Die dort herrschenden gesetzlichen Regelungen sind grundsätzlich nicht mit denen in Deutschland zu vergleichen, doch sind 60 und mehr wöchentliche Arbeitsstunden absolut keine Seltenheit. Und von mehr als drei Wochen Urlaub pro Jahr wagt der amerikanische Arbeitnehmer nicht einmal zu träumen. Meistens muss er sich mit zwei und oft auch nur einer Woche zufrieden geben.

Um auf internationalen Märkten konkurrenzfähig zu sein, muss dann auch noch das deutlich niedrigere Preisniveau in großen Teilen Asiens berücksichtigt werden. Wie soll Deutschland, wie soll Europa, da mithalten? Gewiss, in einem geschlossenen Wirtschaftskreis, in dem für alle ähnliche Voraussetzungen gelten, ließen sich annehmbare Lösungen finden. Schließlich herrscht kein Mangel an Verbrauchsgütern. Doch bindende internationale Abkommen, wer immer diese auch unterzeichnet hat, zwingen die einzelnen Staaten, die Bedingungen im eigenen Land mit denen der ausländischen Konkurrenz zu harmonisieren.

In Deutschland wird also weniger gearbeitet als in Amerika und für deutlich höhere Einkommen als in China oder Indien. Die Reaktion der Griechen auf staatlich verordnete Sparmaßnahmen ließ sich leicht kritisieren. Über die Unruhen in Frankreich lässt sich ebenfalls der Kopf schütteln. Wir stecken in einer Krise und müssen einfach hart zupacken, um aus dieser wieder heraus zu kommen. Intensiver wird schon lange gearbeitet, jetzt legen wir eben noch ein paar Stunden drauf. Mit Gehaltskürzungen brauchen wir nicht unbedingt zu rechnen. Es genügt, die Preise regelmäßig anzuheben. Im gelobten Amerika leben Millionen schon in Zelten und Wohnwägen. Mit der Zeit müssen vermutlich auch wir auf den Luxus verzichten, dass Wohnungen jeweils nur von einer Familie bewohnt werden, wenn Mieten einmal ein Monatseinkommen überschreiten. Und die dadurch frei werdenden Wohnungen könnten dann ja auch, staatlich gesponsert, dringend benötigten ausländischen Fachkräften zur Verfügung gestellt werden.

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