Freitag , 24 Januar 2020
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Achtung Satire: Sozialfrage gelöst oder Sprengstoff zu Baumkuchen

verlassene_ddr_kaserneHeute ist ein schöner, ein fast schon historisch-schöner Tag. Nicht der Regierung dieses Landes, mir – mir alleine ist es gelungen, den sozialen Sprengstoff in unserem Land in eine Portion Baumkuchen umzuwandeln. Ich habe mir vorgenommen, der Ankündigung von Frau Merkel und ihrem Brüderle endlich Taten folgen zu lassen. Wir schnallen den Gürtel enger und konzentrieren uns auf das wesentliche: Wie hält die Hose? Bleibt sie oben oder gehen wir alle mit dem Arsch auf Grundeis? Bleiben sie ruhig, der Gürtel hält, keiner von uns muss blank ziehen. Sicherlich fragen sie, wie ich diese Probleme lösen werde, welche heroischen Ergebnisse dieses heroischen Einsatzes unser aller Land wieder beflügeln. Es war einfach, ganz einfach. 

Man schreibe alle vermeintlichen Probleme auf einen Zettel, notiere auf einem anderen Papier die Möglichkeiten, welche unser stolzes Land, unsere stolze Erfahrung und unsere weltweit beste Infrastruktur bieten, schüttle alles kräftig durch, setze es zusammen – und es ist final und für alle Zeiten gut. Und das geht so:

Zur Erinnerung die Hauptprobleme:

  • Die Empfänger von H4-Leistungen
  • Das Elterngeld für H4-Empfänger
  • Das Kindergeld für H4-Empfänger
  • Der Wohnraum für H4-Empfänger
  • Schulbildung von H4-Kindern
  • Berufsausbildung für H4-Kinder

Und jetzt die Lösung all unserer Probleme:

Zunächst zum Wohnraum, welcher nicht unbegrenzt gewährt und bezahlt werden kann. Im Osten von Großdeutschland stehen Zigtausende von Wohnungen leer, alle in einem Zustand, die bei den H4-Menschen Begeisterung und Dankbarkeit auslösen müssten. Denken Sie nur an die Pracht ehemaliger Offizierswohnungen in den früheren bolschewistischen Kasernenanlagen.

Diese Stätten der Schwesterlichkeit und Brüderlichkeit haben einen Vorteil: außen herum sind in der Regel hohe Mauern, welche mit Stacheldraht und Glasscherben besetzt sind. Die dort vorhandenen Räume lassen sich wunderbar für H4-Familien verwenden, ist doch bewiesen, dass pro Raum bis 14 Menschen Platz finden können. Die noch existierenden Kantinen werden reaktiviert, ebenso die Kleiderkammern. So kann auf Individualküchen und auf Kleiderschränke verzichtet werden.

Vater und Mutter H4 verrichten tagsüber, stets ein fröhliches Lied auf den Lippen, allerhand an Arbeit, welche der Tagesplan vorsieht. Blitzschnell geht so ein Arbeitstag von 12 Stunden vorüber. Abends, nach dem Nachtmahl in der gemütlichen Kantine, erhalten die Familien je eine Bildzeitung oder die Genehmigung, maximal zwei Stunden RTL 2 zu schauen. Der sonntägliche Kirchgang ist eine gern absolvierte Pflicht. Die Beichte nimmt persönlich der frühere Militärbischof Mixa ab.

Die beruflichen Aufstiegsmöglichkeiten für Mama und Papa H4 sind selbstredend ebenfalls gegeben. Ständig wird Wachpersonal für die Pforten oder Wachtürme gesucht, auch Kantinenaufsichten, Bildzeitungsausgeber und RTL 2 – Einschalter zählen zur privilegierten Gruppe der Managementebene. Für diesen Personenkreis ist festgelegt, dass monatlich mindestens € 25,– in bar zur Verfügung stehen – und eine Flasche Himbeersirup pro Person.

Natürlich denkt man gerade an die Kinder, an deren Zukunft. In jedem Lager wird eine zweigliedrige Schule eingerichtet, welche alle Klassen der Grund- und Hauptschule umfasst, der Abschluss wird spätestens mit 25 erworben, dies ist durch uns garantiert. Dieser Zeitstrahl schließt logischerweise andere Schulen aus, wäre unter diesen Voraussetzungen das Abitur frühestens mit 45 möglich. Allen ist klar, eine längere Schulausbildung würde nur Irrungen und Wirrungen auslösen. Man stelle sich vor, diese Menschen wären sich irgendwann einmal ihrer Situation, ihren Lebensumständen bewusst. Undenkbar, das wollen weder die Politiker, noch wir. Eine qualifizierte Berufsausbildung ist aber für alle Pflicht. Für die Mädchen stehen die Ausbildungen als Wäscherin oder Kaltmamsell zur Verfügung, die Knaben wählen zwischen Tankwart und Munitionshülsendreher. Eine Stelle wartet nach der Ausbildung auch schon. Ob Männlein oder Weiblein, die Unterstützungstruppen der Bundeswehr stellen Arbeitsplätze rund um den Globus zur Verfügung, eine Arbeitsaufnahme dort ist aus guten Gründen Pflicht.

Die großzügigen Lebensumstände ermöglichen auch die Erfüllung einer Forderung der Wirtschaftsjunioren: Bildung statt Ballermann. Frau und Herr H4 widmen sich in Freizeit und Urlaub der Arbeit mit Spaten im Garten oder im Feldlager von Kundus. Unterrichtet werden sie in verschiedenen Arbeits- und Überlebenstechniken. Kinder begleiten ihre Eltern in spiel- und spaßerprobten Militärertüchtigungsgruppen.

Gute Laune und Spaß, Freude und Bewegung, so weit das Auge reicht. Zwei wesentliche Faktoren sind noch zu erwähnen. Die verödeten Landstriche in Dunkeldeutschland verwandeln sich endlich in blühende Landstriche, wir hatten es versprochen – jetzt machen wir es selbst. Die Arbeitslosenquote pendelt sich endlich nahe der Null ein, die Ausbildungsquote explodiert. Und auf der Straße begegnen sie Mama, Papa und Kind(ern) H4 auch nicht mehr, fest versprochen.

Für mich bleibt jetzt nur noch eines zu tun: Morgen hole ich mein Bundesoberverdienstkreuz mit Rubinen der allerersten Klasse ab. Und ab nächster Woche bin ich der Empfänger einer satten „Besterarbeitsministerallerzeitenpension“, diese habe ich auch redlich verdient.

Sie hätten halt selbst auf solche Gedanken kommen müssen, basta.

© Peter Reuter

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