Mittwoch , 21 August 2019
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Ostern und freimaurerische Symbolik

freimaurer utensilien museumVermutlich wird jeder, der mit den Ritualen der Freimaurerei vertraut ist, bezüglich des Titels der Geschichte erst einmal den Kopf schütteln. Nachdem sich diese Bruderschaft mit keiner bestimmten Religion identifiziert, Gott, den Schöpfer, „Baumeister aller Welten“ nennt, sollte doch jegliche Verbindung mit einem rein christlichen Festtag auszuschließen sein. Ohne Zweifel trifft dies sowohl auf Festtage als auch auf Dogmen zu. Doch nicht auf den tieferen Sinn, nicht hier und nicht dort, der sich in Symbolik spiegelt. Und in diesem Fall geht es um den Tod und die Wiederauferstehung.

Um die Verbindung zwischen der Leidensgeschichte Jesu’ und dem Einweihungsritual in den dritten Grad der Freimaurerei zu beleuchten, ist es notwendig, etwas weiter auszuholen. Beginnen wir mit der christlichen Überlieferung, die leider all zu oft als „historischer Tatsachenbericht“ missverstanden wird.

Nichts liegt mir ferner als die Absicht, religiöse Gefühle zu verletzen. Doch viele Missverständnisse, und auch die immer weiter fortschreitende Zurückweisung jeglichen religiösen Gedankenguts, basieren zu einem großen Teil auf dem fälschlich erhobenen Exklusivitätsanspruch. Gehen wir von der Existenz eines Schöpfers aus, wäre es tatsächlich denkbar, dass dieser nur in diesem einen Teil der Welt, im biblischen Judäa, erkannt wurde? All die weisen Lehrer, Krishna, Gautama-Buddha, Zarathustra, Konfuzius, Lao-Tse, um nur die bekanntesten zu nennen, seien nichts anderes als die Opfer ihres eigenen Irrglaubens? Ich fürchte, der Verdacht liegt nahe, dass es doch eher die Kirchenfürsten waren, die sich durch die Behauptung, Jesus sei der „einzige Sohn Gottes“, eine Sonderstellung zu sichern versuchten, was ihnen über mehr als tausend Jahre ja auch gelang. Und ganz am Rande möchte ich erwähnen, dass weder Buddhisten noch Hindus gegenüber Jesus eine ablehnende Haltung einnehmen. Im Gegenteil. Sie erkennen ihn als erleuchteten Lehrer durchaus an.

Wie sieht es nun mit der historischen Wahrheit aus? Ist Jesus am Kreuz gestorben? Ist er in fleischlicher Form wiederauferstanden?

Jeder überzeugte Christ wird diese Annahme zweifellos verteidigen. Dokumentiert ist die Geschichte durch mehrere Schriften, Evangelien genannt, die – und hier sind sich die Religionsforscher einig – erst mehrere Jahrzehnte später aufgezeichnet wurden. Zweifellos finden sich Figuren, die nachweislich zu jener Zeit lebten. Die bekanntesten sind Pontius Pilatus, Stadthalter der Provinz Judäa von 26 bis 36 n. Chr., und Kaiphas, der jüdische Hohepriester von 18 bis 36/37 n. Chr. Auch steht fest, dass es sich bei der Kreuzigung um eine qualvolle römische Methode der Hinrichtung gehandelt hatte.

Doch wie sieht es mit den anderen Angaben aus? Ich meine damit nicht, dass ich davon ausgehe, bei der Person von Jesus handle es sich um eine Erfindung. Doch was wollten die Verfasser der Evangelien bewirken? Sollen wir glauben, dass es ihnen um geschichtliche Dokumentation ging? Oder doch eher darum, eine geistige Lehre in überzeugender Form zu übermitteln?

Es wird in allen Passionsfilmen gezeigt, wie Jesus am Weg zur Hinrichtungsstätte sein eigenes Kreuz sogar noch selbst tragen musste. Doch nur bei Johannes und Matthäus findet sich diesbezüglich eine kurze Erwähnung. Bei Markus und Lukas steht geschrieben, dass ein Mann namens Simon von Zyrene, der gerade vom Feld kam, zum Tragen von Jesu’ Kreuz gezwungen wurde. Doch Markus lässt Jesus schon am Weg nach Jerusalem sagen: „Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach“ (Mk 8; 34). Sollte hier nicht eher symbolische Bedeutung, anstatt „historischer Wahrheit“, vermutet werden?

Setzen wir die Existenz einer geistigen Schöpfungskraft voraus, so wäre die Unsterblichkeit des menschlichen Geistes eine logische Folgerung. Nehmen wir an, Jesus wurde tatsächlich hingerichtet. Wäre es denkbar, dass ihm, dem Erleuchteten, eine Kontaktaufnahme mit seinen Vertrauten auch nach dem Verlassen des vergänglichen Körpers möglich war? Und wäre es auch vorstellbar, dass die wahren Vorgänge in der Überlieferung ausgeschmückt wurden, um Uneingeweihten gegenüber mehr Überzeugungskraft zu schaffen?

Für gläubige Christen mag es schockierend klingen, insbesondere zu Ostern, die bekannte Darstellung zu relativieren. Doch würde dies auch nur das Geringste an Jesu’ Botschaft ändern? Würde seine Empfehlung, seinen Nächsten zu lieben wie sich selbst, dadurch an Bedeutung verlieren? Wäre es plötzlich nicht mehr erstrebenswert, vollkommen zu sein, so wie der himmlische Vater vollkommen ist?

Analysieren wir die Geschichten über Jesus unter ihren historischen Aspekten, so lassen sie sich beliebig verzerren. Wie oft wird Jesus zum politischen Revolutionär degradiert? Bemühen wir uns jedoch, den Sinn von Weisheiten in aller Tiefe zu erfassen, rückt allein die Symbolik in den Vordergrund. Und würde sich eines Tages – auch wenn ich es nicht erwarte – herausstellen, dass Jesus niemals gelebt hätte, dass die ihm zugeschriebenen Aussagen von jemand anderem getätigt wurden, so wäre ihr Wert dadurch um nichts gemindert.

Schwenken wir nun jedoch zur Freimaurerei. Im Jahr 1717 sei sie in London gegründet worden, so heißt es. Ihre Wurzeln fänden sich in den Maurerzünften, deren Angehörige schon im Mittelalter Privilegien genossen. Auch innerhalb von Logen kommt selten, wenn überhaupt, zur Sprache, dass die in den einzelnen Ritualen verankerte Symbolik viel tiefer reicht, als man es vom Weltbild operativer Maurer erwarten würde.

In einem ausführlichen Artikel über die Freimaurerei (Seite 2, „Geschichte der Freimaurerei“) verweist Konrad Hausner auf den möglichen ägyptischen Ursprung. „Phre Messen“ bedeutet in der ägyptischen Sprache des Altertums „Kinder des Lichts“. Auf Englisch wird ein Freimaurer „Free Mason“ genannt. Eine erstaunliche etymologische Parallele. Und auch verweist Hausner auf die eigentliche Berufsbezeichnung von Josef, dem Tischler, der als Jesu’ Erzieher gilt. Im griechischen Originaltext steht das Wort „Tekton“, was sich ebenso als Maurer oder Handwerker schlechthin übersetzen lässt.

Der Amerikaner Albert Machey (1807 – 1881) war zwar Arzt, doch bekannt wurde er als Experte der Freimaurerei. In seinem Buch „The History of Freemasonry“ bemühte er sich zwar, alle Hinweise auf einen älteren Ursprung der Freimaurerei zu widerlegen oder zumindest zu relativieren, trotzdem verwies er auf ein Dokument, das einen Hinweis darauf geben könnte, wie dieser Orden nach Europa kam.

König Heinrich VI von England (1421 – 1471) soll nach Informationen darüber verlangt haben, wie die Freimaurerei ihren Weg nach England fand. Der Text in veraltetem Englisch, wie es im 15. Jahrhundert gebräuchlich war, ist in dem Buch abgedruckt, wird von Machey jedoch, ohne näherer Erklärung, als Fälschung bezeichnet.

Entdeckt wurde das sogenannte „Lowland Manuscript“ allerdings schon im 17. Jahrhundert, also Jahrzehnte vor dem offiziellen Gründungsjahr der Mutterloge in London, vom englischen Philosophen John Locke. Wie in einer Erklärung bei Masonicdictionary.com zu lesen ist, konnte dieser anfangs mit Begriffen wie „Peter Gower“, „Groton“ und „Venetians“ wenig anfangen, bis ihm, dem Zusammenhang zufolge, klar wurde, was damit gemeint sein muss: Pythagoras, Kroton und Phönizier. Mit folgenden Worten wurde König Heinrichs Frage beantwortet:

„Pythagoras, ein Grieche, bereiste für Könige Ägypten und Syrien und jedes Land, wo die Phönizier Freimaurerei eingeführt hatten und erhielt Zutritt zu allen maurerischen Logen. Er erlernte viel und kehrte ins größere Griechenland zurück, wo er sich niederließ, und er wurde zu einem überragenden Weisen. In Kroton bildete er eine große Loge und machte viele zu Maurern. Einige von ihnen reisten nach Frankreich und machten viele Maurer, von wo aus, im Laufe der Zeit, die Kunst ihren Weg nach England nahm.“ *)

So sehr wir mit Pythagoras’ Ideen vertraut sind, so wenig wissen wir über sein Leben. Es wird jedoch allgemein angenommen, dass er in Kroton, an der Südspitze des Italienischen Stiefels, eine Schule oder Gemeinschaft ins Leben gerufen hatte. Abgesehen davon, dass in dieser auch Frauen zugelassen waren, zeigen sich einige Parallelen zu den Gepflogenheiten der Maurerei: Philosophie als Instrument der geistigen Reinigung; das Ziel der Seele, sich mit dem Göttlichen zu vereinen; die mystische Bedeutung von Symbolen; verschiedene Grade der Einweihung; Verschwiegenheitsgebot.

In der englischsprachigen Heirlom-Ausgabe der „Maurerbibel“ wird Pythagoras als „unser Freund und Bruder“ bezeichnet.

Dass die Hinweise auf eine Verbindung zwischen Pythagoras und der Freimaurerei äußerst spärlich sind, lässt sich insbesondere dadurch erklären, dass die meisten älteren Dokumente, insbesondere im frühen 19. Jahrhundert, vernichtet wurden. Bestimmten Kreisen schien damals daran gelegen zu sein, die antiken Wurzeln zu verbergen.

Abgesehen davon, durch Pythagoras ließe sich eine Verbindung mit Griechenland oder auch den Phöniziern herstellen, aber nicht direkt mit Ägypten. Sofern wir außer Acht lassen, dass es sich bei Ägypten um die Wiege der Weisheit handelte, ein Reich, das Jahrtausende überdauerte, und vieles, was etwa den griechischen Philosphen zugesprochen wird, eigentlich aus Ägypten stammt. Immerhin gelang es den Ägyptern, exakte rechte Winkel zu bilden, ohne auf Pythagoras’ Lehrsatz gewartet zu haben.

Von sogenannten Hochgraden (Schottischer Ritus, York-Ritus) abgesehen, gibt es in der Freimaurerei drei Grade der Einweihung. Lehrling – Geselle – Meister.

Im Gegensatz zur deutschen Maurerei, werden in englischsprachigen Ländern noch überlieferte Texte Wort für Wort rezitiert. Ein bestimmter Teil des Einweihungsrituals in den ersten Grad wird als „Symbolische Reise“ bezeichnet. Die Erklärung dazu lautet, dass diese sinnbildlich mit der „Pilgerreise des Lebens“ zu vergleichen ist, die, wie der Mensch oft genug erkennen muss, von Sorgen, Ängsten und Zweifeln umhüllt ist. Doch unter allen möglichen Anstrengungen hat er seinen Weg weiter zu beschreiten, bis er alle Verwirrungen hinter sich gelassen hat. „Und im vollen Licht von Tugend und Weisheit steht er Angesicht zu Angesicht mit den mächtigen Geheimnissen des Universums, von wo aus er auf die dunklen und quälenden Pfade zurückblicken kann, die er einst durchwanderte“.

Und hier stoßen wir bereits auf ein angedeutetes Vergleichsbeispiel des symbolischen Todes, wie er in Einweihungsritualen ägyptischer Tempel praktiziert wurde und in indischen Tempeln noch heute praktiziert wird. Das Loslassen von allen falschen Vorstellungen, von diesem materiellen Weltbild, dem einzigen, mit dem wir meist vertraut sind. Das Erkennen der Geheimnisse des Seins und gleichzeitig der eigenen Unsterblichkeit. Durch nichts ließe sich diese Metamorphose, die im Idealfall in Form von Erleuchtung eintritt, besser vergleichen als durch einen symbolischen Tod, gefolgt von einer Auferstehung, zu einem neuen Leben, erfüllt von allumfassendem Verständnis.

Nicht, dass von Freimaurern angenommen werden kann, dass die Einweihung in den dritten Grad mit einer Erleuchtung gleichzusetzen sei, doch die Symbolik ist in den praktizierten Ritualen durchaus verankert.

Die beiden britischen Autoren und Freimaurer Robert Lomas und Christopher Knight veröffentlichten im Jahr 1997 ein Buch mit Titel „The Hiram Key“, worin die Zeremonie, die der Kandidat über sich ergehen lässt, im Detail erläutert wird. In verdunkeltem Raum wird ihm die Geschichte von Hiram Abif, dem angenommenen Baumeister des Tempels von Solomon, erzählt. Unter Androhung von Gewalt wollte man ihn zum Verraten seiner Geheimnisse zwingen. Doch Hiram Abif blieb standhaft und wurde deswegen mit mehreren Schlägen auf den Kopf ermordet. Gleichzeitig erleidet der Kandidat selbst mehrere Hiebe – allerdings mit gepolsterter Keule.

Hier zeigt sich für Knight und Lomas eine Parallele im alten Ägypten, und zwar genau in jener Epoche, in der das Reich der Pharaonen unter der etwa 150 Jahre dauernden Besetzung durch die Hyksos litt. Die Mumie von Pharao Seqenenre, der um 1550 v. Chr. starb, weist schwere Kopfverletzungen auf. Die beiden Autoren legen ihrer Behauptung eine Reihe von bestens recherchierten Details zugrunde. Sie glauben, dass nicht der Baumeister von Solomons Tempel im Zentrum der Freimaurerei steht, sondern Pharao Seqenenre. Sie vermuten, die Hyksos-Besatzer wollten diesen zur Preisgabe pharaonischer Geheimnisse zwingen, jene Weisheiten, die nur den höchsten Priestern zugänglich waren.

Seqenenres Nachfolger war Kamose, unter dessen Herrschaft die Hyksos gegen Ende des 16. vorchristlichen Jahrhunderts aus dem Land vertrieben wurden.

Sollte es sich dabei tatsächlich um den historischen Ursprung des Rituals handeln, verweist dies zwar nicht auf die Symbolik der Wiederauferstehung, dafür aber auf die ägyptischen Wurzeln der Freimaurerei.

Die meisten Ägyptologen setzen sich in keiner Weise mit den Weisheiten des Priestertums auseinander. Für sie gab der Pharao, der zur gleichen Zeit politisches wie auch geistiges Oberhaupt des Landes war, also der höchste Priester, dem Volk gegenüber vor, ein Halbgott zu sein, um dadurch seine Macht zu untermauern. Beim französischen Forscher René Schwaller de Lubicz (1887 – 1961) handelt es sich um eine willkommene Ausnahme. In mehreren Büchern, teilweise auch auf Deutsch übersetzt, stellte er sein tiefes Verständnis um jene Geheimnisse unter Beweis, die all jenen Ägyptologen, denen es nicht gelingt, sich von ihrem modernen Weltbild zu lösen, verborgen bleiben. Auch wenn der Freimaurerei bestenfalls Fragmente dieser lange vergessenen Weisheiten zur Verfügung stehen, viele Anzeichen sprechen doch dafür, dass diese Fragmente auch tatsächlich ägyptischen Ursprungs sind.

Doch kommen wir wieder zu Jesus zurück. Welche Rolle spielte Josef, der Tischler oder Erbauer in seinem Leben? Die physische Vaterrolle steht nicht zur Frage, denn der Geist, das Leben, ist von Gott gegeben. Maria, seine Mutter, schenkte dem Körper seine Form.

Auch bei diesem Namen lässt sich Symbolik vermuten. Die Silbe „ma“ spielt dabei eine bedeutende Rolle. Das lateinische Wort für Mutter lautet „Mater“ und „Matri“ in Sanskrit. Oft wird erklärt, dass Marias Name eigentlich Miriam gewesen sei. Doch dieser entstammt der hebräischen Sprache. In Judäa zu Zeiten Jesu’ wurde aber Aramäisch gesprochen. Die armäische Übersetzung für Maria lautet: Mary?m.

Die Mutter von Siddharta Gautama, besser bekannt als der Buddha, führte einen durchaus ähnlich klingenden Namen: Maya.

Die indische Göttin Maya repräsentiert die schöpferische Energie. Sie ist jene illusionäre Kraft, die der geistigen Existenz Form verleiht.

Die geistige Lebensenergie als Ursprung betrachtend, ist Jesu’ Vater Gott, der Schöpfer. Aufgabe des Mannes seiner Mutter, also Josef, war es nun, ihn auf seine Mission, auf diese Reise vorzubereiten, die ihn über den „dunklen und qualvollen Pfad“, über den die Menschheit wandert, hinaushebt. Josef war der, der den Tempel zu errichten half, zu dem Jesus wurde. Ein Mensch in seiner physischen Form, der dem göttlichen Geist als Behausung dient. Doch nur die Bewusstwerdung des göttlichen Ursprungs lässt die ansonsten hohle Form zum Tempel werden.

Mel Gibson baute in seinem Film „Die Passion Christi“ eine ganz kurze Passage ein, die auf den Schurz des Handwerkers verweist. Bevor Jesus am hölzernen Esstisch Platz nimmt, fordert ihn seine Mutter auf, seinen „schmutzigen Schurz“ abzunehmen.

Die erklärenden Worte, wenn ein neu eingeweihter Freimaurer seinen ledernen Schurz erhält, sind nicht in allen Regionen die gleichen. In manchen Fällen wird jedoch erklärt, dass „operativen“ Maurern ihr Schurz zum Schutz der Kleidung gegen Schmutz und Verunreinigung diente. Dem Freimaurer hingegen soll er Mahnung sein, sich von Untugenden und geistig negativen Einflüssen fernzuhalten. Die besagte Szene in Gibsons Film lässt vermuten, dass ihm diese Parallele durchaus bewusst ist.

Was Jesus’ Umwandlung von einem rein menschlichen in ein geistiges Wesen betrifft, so sollte diese während seines 40-tägigen Fastens in der Wüste erfolgt sein. Die, in den Evangelien beschriebene, Hinrichtung am Kreuz dient als Höhepunkt der Botschaft. Und die Frage, ob es sich tatsächlich um eine historische Begebenheit handelt, ist rein sekundärer Natur. Die Fastenzeit, die dem Gedenken der Kreuzigung vorangeht, sollte, wie in einem Artikel zu diesem Thema bereits näher erläutert, der eigenen Vorbereitung dienen. Der Vorbereitung dafür, eines Tages selbst zum „Tempel Gottes“, zu einem gottesbewussten Wesen zu werden.

Die vorliegenden Ausführungen ließen sich noch um vieles ergänzen. Doch würde dies nicht nur den Rahmen sprengen, ein Beitrag wie dieser kann immer nur als Anregung, als Denkanstoß dienen, zu eigenen Recherchen einladen. Wer sich nicht bereit erklärt, Symbolik als solche anzuerkennen, der lässt sich auch durch ganze Bände nicht überzeugen.

Auch will ich mit dieser zusammenfassenden Erklärung keineswegs die Behauptung aufstellen, Josef, Jesus oder seine Jünger hätten etwas mit den Vorläufern jener Bruderschaft zu tun gehabt, die wir heute als Freimaurerei kennen. Vielmehr verweisen die zitierten Parallelen darauf, dass es sich bei der Maurerei, die sich heute eher als Hobby sozial orientierter Männer betrachten lässt, um einen blassen Schimmer dessen handelt, was in der Antike als ernstzunehmende Wissenschaft zum Verständnis des Seins galt. Als es noch einen Priesterstand gab, der wirklich über Verständnis verfügte, und nicht von einer Organisation bloß dazu ausgebildet wurde, Vorgegebenes zu wiederholen.

Der moderne Zeitgeist spricht dem Dasein jede tiefere Bedeutung ab. Immer mehr sogenannte Rationalisten bemühen sich zu überzeugen, dass der menschliche Geist lediglich eine Reflexion der biochemischen Prozesse im Gehirn sei; dass es sich nicht bei der wahrnehmbaren Welt um die tatsächliche Illusion handelt, sondern bei Bewusstsein, ohne dem es in Wahrheit allerdings keine Wahrnehmung geben kann. Dass die Zeitspanne zwischen Geburt und Tod lediglich dazu dient, das Rad der Wirtschaft in Bewegung zu halten.

Doch möchte ich abschließend auch noch hinzufügen, dass es sich bei der christlichen Lehre, wie sie uns unterbreitet wird, nicht wirklich um eine überzeugende Alternative zum rein rationalen Weltbild handelt. Es geht nicht darum, seinen Glauben zu finden, sondern Verständnis und Weisheit. Es reicht nicht, sich darauf zu verlassen, dass Jesus für „unsere Sünden“ am Kreuz gestorben sei. Jeder, der nach Wissen strebt, muss den symbolischen Tod selbst erleben. Aus eigenem Antrieb und eigener Überzeugung soll er die Bindung zu den gewohnten materiellen Werten lösen. Soll sich bewusst werden, dass „ehe die silberne Schnur zerreißt, die goldene Schale bricht, der Krug an der Quelle zerschmettert wird, das Rad zerbrochen in die Grube fällt, der Staub zwar auf die Erde zurückfällt, als das was er war, der Geist jedoch zu Gott zurückkehrt, der ihn gegeben hat.“ Und um diese Erkenntnis tief in sein Inneres aufzunehmen, braucht der Mensch nicht zu warten, bis ihn der Tod ereilt. Es reicht, sein Leben nach dem Licht auszurichten, dass nicht in physischer Form von der Sonne ausgeht, sondern im moralischen und geistigen Sinne von der Quelle, in der der Ursprung allen Seins liegt. Was dabei stirbt, sind lediglich die niedrigen Instinkte, denen wir uns all zu oft mit Freuden hingeben.

 

*) Originaltext des „Lowland Manuscripts“:

Peter Gower, a Grecian, journeyeded for kunnynge ye Egypte and in Syria, and yn everyche londe whereat the Venetians hadde plauntedde Maconrye, and wynnynge entraunce yn al Lodges of Maconnes, he lerned muche and retournedde and worked yn Grecia Magna wachsynge and becommynge a myghtye wysacre and gratelyche renowned, and here he framed a grate Lodge at Groton, and maked many Maconnes, some whereoffe dyd journeye yn Fraunce, and maked manye Maconnes wherefromme, yn process of tyme, the arte passed yn Engelonde.

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