Dienstag , 25 September 2018
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Islam in Deutschland – ein weiterer Leserbrief

koran_arabisch_sure96Ein, dem Islam gegenüber nicht unkritischer, Artikel, der uns in englischer Sprache zur Verfügung gestellt wurde und auf einzelne kompromisslose Verse im Koran verweist, brachte teilweise recht heftige Reaktionen mit sich. Einen weiteren Leserbrief, der uns kürzlich von einem Angehörigen der islamischen Glaubensgemeinschaft übermittelt wurde, möchten wir unseren Lesern keineswegs vorenthalten. Letztendlich kann es nur das Auseinandersetzen mit anderen Denkweisen sein, was zu einem besseren gegenseitigen Verständnis führt. Vielen Dank für den Beitrag!

 

Sehr geehrter Herr Hausner,

Ihre Einladung, eine Lösung zu dem in ihrem Artikel „Ist Integration für gläubige Muslime überhaupt möglich?“ dargestelltem Widerspruch vorzulegen, nehme ich dankend an.

Ich hoffe, dass Sie Ihr Wohlwollen weiterhin unter Beweis stellen werden. Ich werde meinerseits versuchen mich kurz zu fassen und dennoch das Wichtigste zu erwähnen. Im Folgenden werde ich mich nur auf Aspekte aus dem Islam beziehen.

Die Kritik an den Islam und den Koran bestanden darin, dass der Islam den Unterschied zwischen dem Privaten und dem öffentlichen Leben nicht berücksichtigt. Außerdem wurde die angebliche Feindlichkeit gegenüber dem christlichen und dem jüdischen Glauben erwähnt, welche unter zwei große Kategorien genannt wurden: Kriegsgebote und religiöse Meinungsverschiedenheiten.

Zuerst möchte ich auf den Punkt der religiösen Meinungsverschiedenheit eingehen. In dem Artikel wurden Stellen aus dem Koran zitiert, in denen es teilweise um das Höllenfeuer und den Gottesfluch in Bezug auf „Ungläubige“ geht. Dabei darf man nicht vergessen, dass die christliche Religion alle, die nicht an die Versöhnung durch die Kreuzung von Jesus Christus glauben als Sündiger erklärt und für das Höllenfeuer verurteilt. Eine ähnliche Situation befindet sich auch in vielen anderen Religionen mitsamt dem Judentum.

Es ist selbstverständlich, dass alle anderen Religionen den Islam als falsche Religion deklarieren. Der Unterschied zum Islam besteht darin, dass obwohl der Islam manche Lehren von anderen Religionen als falsch erklärt, sagt er gleichzeitig, dass Muslime an alle Propheten glauben sollen und dass zu jedem Volk ein Prophet kam um dieses recht zu leiten (10:48, 13:8, 16:37, 35:25). Weiterhin erklärt der Quran die Toleranz des Islam zu allen Religionen, indem es heißt:  „Wahrlich, die Gläubigen und die Juden und die Christen und die Sabäer – wer immer (unter diesen) wahrhaft an Allah glaubt und an den Jüngsten Tag und gute Werke tut –, sie sollen ihren Lohn empfangen von ihrem Herrn, und keine Furcht soll über sie kommen, noch sollen sie trauern“ (2:63). Dieser Vers aus dem Quran zwingt uns zu reflektieren, ob der Islam wirklich so intolerant gegenüber anderen Religionen ist oder gar toleranter als andere Religionen.

Bevor ich zu dem Punkt der Kriegsgebote komme, möchte ich darauf hinweisen, dass in denen von Ihnen Zitierten Versen bereits eine Antwort zu finden war.

In der 9. Sura Vers 36 wird gesagt: „und bekämpft die Götzendiener allesamt, wie sie euch allesamt bekämpfen…“

In Sura 2 Vers 193: „Und kämpft gegen sie, bis es keine Verfolgung mehr gibt…“

Diese Verse legen in der Zeit der Verfolgung fest, wann und warum zu kämpfen ist. Diese bilden die Allgemeinformel. Die anderen Verse müssen dann in Bezug auf diese Verse Interpretiert werden. Diese erklären wie zu kämpfen ist. Die Gebote zum Kämpfen müssen im Zusammenhang zum Kontext verstanden werden. Zum Beispiel, wenn man wissen würde, dass es Fälle gab, wo seitens der damaligen Muslime (die Teil eines Staats waren, das zum Krieg gezwungen wurde) durch Ihre Sympathien sich abweichen ließen und höchst gefährliche Informationen an den Feind überbracht hatten, weil diese mit den Gegnern verwandt waren, dann wird es klar, warum gesagt wird „O die ihr glaubt, nehmt nicht eure Väter und eure Brüder zu Freunden, wenn sie den Unglauben dem Glauben vorziehen…“ (9:23).

Der (meiner Meinung nach) allgemeinste Fehler den Islam zu verstehen ist, dass es keinen Unterschied zwischen dem privaten und dem öffentlichen Leben im Islam gibt. Dadurch wird oft abgeleitet, dass der nirgendwo integrierbar sei. Dies ist aber nicht der Fall. Der Heilige Koran besagt ganz klar und deutlich: „O die ihr glaubt, gehorchet Allah und gehorchet dem Gesandten und denen, die Befehlsgewalt unter euch haben. Und wenn ihr in etwas uneins seid, so bringet es vor Allah und den Gesandten, so ihr an Allah glaubt und an den Jüngsten Tag. Das ist das Beste und am Ende auch das Empfehlenswerteste.“ (4:60).

Falls jemand dann kritisiert, dass der Koran befiehlt zuerst Gott und seinem Gesandten zu gehorchen und dann die staatliche Autorität zu befolgen, dann muss man auch berücksichtigen, dass in demselben Kapitel folgendes gesagt wird: „Zu jenen, die – Unrecht gegen sich selbst tuend – von Engeln dahingerafft werden, werden diese sprechen: „Wonach strebtet ihr?“ Sie werden antworten: „Wir wurden als Schwache im Lande behandelt.“ Da sprechen jene: „War Allahs Erde nicht weit genug für euch, dass ihr darin hättet auswandern können?“ Sie sind es, deren Aufenthalt die Hölle sein wird, und übel ist die Bestimmung;“.

Diese beiden Verse zusammen bestimmen, wie ein Muslim unter einer Regierung zu leben hat (sei es eine muslimische oder nicht muslimische Regierung). Nämlich etwas wie Kennedy gesagt hat: „Sollten die zwei Loyalitäten –der Papst und die Staatspräsidentschaft- mit einander im Konflikt sein, werde ich das Staatspräsidentschaftsamt verlassen und ein einfacher Katholik bleiben.“(Time, September 26, 1960).

Es kann sein, dass Sie denken, dass diese Interpretationen daher gegriffen seien. In diesem Falle würde ich Ihnen empfehlen die frühgeschichtliche islamische Zeit zu studieren, in der in den ersten 13 Jahren die Muslime unter größter Unterdrückung zu leiden hatten und ohne gegen den Staat zu rebellieren gelebt haben und das, obwohl sie vom Charakter her mutig und kampffähig waren. 13 Jahre lang wurden die Anhänger des Islam verfolgt, gefoltert und sogar getötet. Leid wurde Ihnen ohne bedenken zugefügt, damit diese den Islam aufgeben. Sie wurden boykottiert und mussten lange ohne Nahrung leben. Es war erst als die Feinde des Islam auch in deren neugeformten Staat einziehen wollten und die gesamten Muslime ausrotten wollten, haben die Muslime die Erlaubnis bekommen ihren Staat zu verteidigen. Dieser erste Kampf zeigt Ihr Verteidigungscharakter, in dem die Gegner zu Tausend waren und allerlei Kriegsmittel gehabt haben, während die Muslime nur 300 und nominal ausgerüstet waren.

Alle Gebote, die sich auf den Staat beziehen sind nur für den Staat vorgesehen. Dies sind keine Gebote um einen islamischen Staat zu errichten, da der Islam auch eine Verquickung von Religion und Politik vollkommen verbietet, sondern eine Richtlinie für Staaten anbietet, die daraus lernen möchten. Für die Muslime gilt das klare Gebot gemäß ihrem Glauben den Landesgesetzen folge zu leisten und falls dies völlig ihrer Religion widersprechen würde, auszuwandern. Man soll merken, dass diejenige, die diese Gebote anders interpretieren, sind nicht nur in Deutschland nicht integrierbar, sondern sie sind auch in Islamischen Ländern völlig desintegriert, weil sie Monat für Monat die Bürger dieses Landes massakrieren.

Ich hoffe, dass Sie zufrieden mit dieser kurz gehaltenen aber ausführlichen Erklärung sind. Ich lade Sie auch herzlich dazu ein, so wie Sie mich eingeladen haben, Ihre Kritik zu äußern und wünsche auch, dass wenn Sie in diesem eine Lösung zu Ihrem Widerspruch gefunden haben, noch einen Artikel zu schreiben, der dazu beiträgt, die Islamphobie zu ändern und eine neue friedlichere Atmosphäre in Deutschland zu schaffen.

Mit freundlichen Grüßen,

Muhammad (Der vollständige Name ist der Redaktion bekannt)

 

 

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