Mittwoch , 19 Februar 2020
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Töten im Namen Gottes

abraham_isaac1Was würde ein Richter dazu sagen, wenn ein Mann die Ermordung seines Sohnes damit rechtfertigt, dass ihm Gott, der ihm im Traum erschienen sei, aufgetragen hätte, ihm seinen Sohn als „Liebes- oder Gehorsamsbeweis“ zu opfern? Was für eine Grausamkeit. Was für eine Gottesvorstellung, wenn die Schöpfungskraft nach Kindesmord verlangt. Trotzdem, in durchaus positivem Angedenken an Abrahams oder Ibrahims Bluttat, die sich im letzten Moment dann doch noch gegen ein Opfertier gerichtet haben soll, wurde heute Zehntausenden von Schafen, Rindern und Ziegen die Kehle durchgeschnitten.

Eid al-Adha heißt das islamische Opferfest, das zum Höhepunkt der Hadsch, der Pilgerreise nach Mekka, zelebriert wird. Während sich die jüdische Darstellung des idealisierten Kindesmordes auf Abrahams Sohn Isaac bezieht (Genesis 22:1-2), gehen Muselmanen davon aus, dass es sich um Ismael, Abrahams bzw. Ibrahims gemeinsamen Sohn mit der später verstoßenen Sklavin Hagar, gehandelt haben soll. Der Koran, Sure 37:99, lässt den Knaben sogar seiner eigenen Ermordung zustimmen.

Das folgende kurze Video aus dem Vorjahr zeigt die Art, in der Schafen die Kehle durchgeschnitten wird, begleitet vom Ausruf, dass Allah groß sei und gleichzeitig in der Überzeugung, dem angenommenen Schöpfer des Universums einen Dienst zu erweisen.

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Jüdische Schriften, die als „Altes Testament“ auch von Christen als „Wort Gottes“ Akzeptanz fanden, sind mit Aufforderungen zum Töten und zu Blutopfern keineswegs zurückhaltend. Im Buch Exodus, 22:17-19, ist zu lesen:

„Eine Hexe sollst du nicht am Leben lassen. Jeder, der mit einem Tier verkehrt, soll mit dem Tod bestraft werden. Wer einer Gottheit außer Jahwe Schlachtopfer darbringt, an dem soll die Vernichtungsweihe vollstreckt werden.“

Dieser Absatz ist aus mehreren Gründen beachtenswert. Christlicher Auffassung entsprechend, handelt es sich bei der vom historischen Volk der Israeliten verehrten Gottheit Jahwe um den alleinigen Schöpfer. Im sogenannten Ersten Gebot (Exodus 20:1-7) verweist dieser jedoch darauf, dass er ein „eifersüchtiger Gott“ sei und keinen anderen Göttern – die es dessen Auffassung entsprechend somit geben müsste –  der Vorzug gegeben werden darf. Und, im davor genannten Zitat, sollen Blutopfer, die für Jahwe willkommen sind, mit der „Vernichtungsweihe“, also Ritualmord, bestraft werden, wenn ein solches einem anderen Gott gewidmet wird.

Eine noch sonderbarer klingende Aufforderung findet sich bei Exodus 22:28-29:

„Deinen Reichtum und Überfluss sollst du nicht für dich behalten. Den Erstgeborenen unter deinen Söhnen sollst du mir geben. Ebenso sollst du es mit deinen Rindern, Schafen und Ziegen halten. Sieben Tage sollen sie bei ihrer Mutter bleiben, am achten Tag sollst du sie mir übergeben.“

Wie übergibt man ein Schaf oder eine Ziege Gott? Vermutlich durch Schlachtopfer. Und wie übergibt man den erstgeborenen Sohn?

Offiziellen Darstellungen zufolge, werden von den Anhängern des Mosaischen Glaubens mittlerweile keine Blutopfer mehr dargebracht. Von möglichen individuell durchgeführten Taten abgesehen, bleiben somit nur mehr Muselmanen und Voodoopriester, die sich der rituellen Tötung von Tieren verschreiben.

Geschichtlichen Überlieferungen zufolge, wurden vor mehr als zwei Jahrtausenden auch in Hindu-Tempeln Schlachtopfer dargebracht. Dementsprechend strikt sind die Regeln zweier Religionen, Buddhismus und Jainismus, die beide vor rund 2.500 Jahren entstanden sind, zur Erhaltung von Leben. Jainas nehmen nach Einbruch der Dunkelheit keine Nahrung mehr ein, um nicht versehentlich ein Insekt zu verschlucken.

Eine wirklich nette Geschichte, die sich mit dem rituellen Töten von Tieren auseinandersetzt, wird von Buddhisten erzählt:

Ein Hohepriester machte sich daran, eine Ziege am Schlachtaltar zu opfern, die jedoch, anstatt ängstlich zu versuchen, sich gegen den Tod zu wehren, sich freudig lachend zur Verfügung stellt. Verwundert fragt der Hohepriester: „Warum lachst du? Du weißt, dass ich dich töten werde.“ Die Ziege antwortet: „Ich lache deswegen, weil ich 499 Leben als Ziege verbracht habe und ich weiß, dass ich im nächsten Leben als Mensch geboren werde.“ Während der Hohepriester die Freude mit der Ziege teilt, beginnt diese aber plötzlich doch zu weinen: „Warum weinst du? Hast du nicht gesagt, dass du dich auf deine menschliche Geburt freust?“ Die Antwort der Ziege: „Ich weine um dich. Vor 499 Leben war nämlich auch ich ein Hohepriester, der Ziegen opferte!“

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