Samstag , 18 Januar 2020
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Hai-Attacke und die Unschuldsvermutung

Hai AngriffAm Mittwoch wurde in Neuseeland ein Schwimmer von einem Hai attackiert und getötet. Es war der international bekannte Filmemacher Adam Strange, der einem vier Meter langen Weißen Hai zum Opfer fiel. Kaum ein Blatt, das diese Schlagzeile ausließ, und kaum eines, das nicht Steven Spielberg und dessen Weiße-Hai-Filme bemühte. Die Welt ist in Aufruhr: Böser, böser Hai – tötet einen Menschen.

Nun ja, ein Hai hat einen Menschen getötet. Noch dazu einen berühmten Menschen. Das ist traurig und tragisch, wie immer, wenn Menschen ums Leben kommen. Egal wo, egal wie und vor allem egal ob berühmt oder nicht. Daran soll nicht gerüttelt werden.

Was mich an dem Szenario von Mittwoch aber so stört ist, dass der Hai mit Gewehrsalven gejagt wurde. Dieser Hai hat getan, was er tun muss: Er ist auf Jagd gegangen. Entweder ist er mit ein paar anderen Haien (die ebenfalls in der Nähe des Unglücksortes gesichtet wurden) einem Fischschwarm gefolgt, oder ihn hat die Verzweiflung getrieben. Jene Verzweiflung, die diese und andere Tiere überkommen muss, weil der Mensch ihre eigentlichen Jagdreviere leerfischt. Das ist übrigens auch die Erklärung einiger Wissenschaftler, weil auf des Weißen Hais Speisezettel – Spielberg hin oder her – der Mensch definitiv nicht ganz oben steht.

Und dann passiert es doch: Ein Hai greift einen Menschen an und tötet ihn und schon spricht man von der Bestie, die man jagen und erschießen muss. Zig Schüsse wurden auf diesen besagten Hai abgefeuert, weil man das Opfer bergen wollte. Ob man ihn getroffen hat ist nicht bekannt. Das mag sich jetzt vielleicht lächerlich lesen, aber hat schon mal jemand nach einem tödlichen Auto- oder Flugzeugsunfall über die Bestie Auto oder Flugzeug geschrieben? Um es vorwegzunehmen, ja, ich fahre auch Auto und ja, ich fliege auch.

Ich bin definitiv nicht gegen moderne Fortbewegungsmittel, aber ich bin dagegen, dass man unschuldige Tiere, zu denen auch dieser Hai zählt, jagt und tötet. Wenn zum Beispiel ein Skifahrer – was diesen Winter passiert ist –, gegen einen Baum prallt und stirbt, kann man auch nicht die Wälder rund um die Skipisten roden. Der Hai mag ein Menschenleben auf dem Gewissen haben, aber sicher nicht aus Bösartigkeit und ganz sicher nicht, weil er eine Bestie ist. Wer sich in die Natur begibt, muss sie mit jenen Wesen teilen, die dort zu Hause sind. Niemand würde einfach so in den Lebensbereich von Löwen spazieren, einfach, weil die Landschaft dort so schön ist.

Das mögen jetzt viele Vergleiche sein, aber sie alle sind treffend. Adam Strange ist ins Meer schwimmen gegangen und ist einem Hai begegnet. Er war schlicht und einfach zum falschen Moment am falschen Ort. Dafür kann man den Hai nicht verantwortlich machen. Und dafür sollte man ihn auch nicht auf ihn schießen! Würde der Überfischung so viel Aufmerksamkeit geschenkt werden wie dieser Hai-Attacke, hätte es sie vielleicht gar nicht gegeben…

 Foto: By Juergen goevert (Own work) [CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons

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