Dienstag , 19 Januar 2021
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Die Sexismuskampagne – wenn eine Frau ein Dirndl trägt

dirndlKann ein Mann noch flirten, ohne dass er Sanktionen befürchten muss? Darf ein Mann, ohne als Sexist zu gelten, sagen, eine Frau hätte im Dirndl einen schönen Busen? Wenn eine Frau ein Dirndl trägt, hebt sie dadurch bewusst ihre Brüste hervor. Zitat Focus 27. 8. 12: Zum Dirndl gehört ein tief ausgeschnittenes Dekolleté wie die Maß Bier zum Oktoberfest: prall, draller, Dirndl-BH. Annäherung an eine Geheimwaffe und die Frage „Alles Push-up, oder was?“… Einer Frau im Dirndl zu ihrem Busen zu gratulieren, entspricht also etwa der Aussage, einer Frau, die einen kurzen Minirock trägt zu sagen, sie hätte sexy Beine.

Daraus einen Sexismusvorwurf zu konstruieren ist nicht nur bösartig, dies folgt einer unglaublich öden Ideologie und was am schlimmsten ist: Es unterminiert jegliches Flirtverhalten von Seiten der Männer. Dass zu verstehen gegeben wird, Brüderle sei ein „schmieriger alter Mann“ (ZEIT-Online, Nina Pauer), ist noch dazu auf unverschämte Weise altersdiskriminierend. Hat ein älterer Mann nicht das Recht, mit einer jüngeren Frau zu flirten? Es ist also schmierig, wenn sich ein älterer Herr lobend über den Busen einer jüngeren Frau äußert. Wer bestimmt das denn? Alle Empörungsbereiten, nur der Mann nicht? „Man sollte nichts sagen, mit dem man einander verletzen könnte“, meint Nina Pauer ein paar Absätze weiter und man kann dies für puren Zynismus halten, wenn man ihren schmierigen Satz vorher gelesen hat.

Aber nehmen wir den Satz ernst. Nichts sagen, was den Anderen verletzen könnte, bedeutet nichts anderes als eine vorauseilende Selbstzensur. Das mag jeder halten wie er will, aber dies allen zu verordnen, bedeutet eine Sprachdiktatur durchzusetzen, und das ist es, was auf den Widerstand in der Bevölkerung trifft. Ab einem bestimmten Zeitpunkt galt es plötzlich als diskriminierend, die Worte Eskimo oder Zigeuner zu gebrauchen. Wer definierte die Bedeutung dieser bisher harmlosen Begriffe um? Oft waren es nicht einmal die Betroffenen selbst, sondern selbsternannte Sprach- und Moralwächter in den Medien zeigte sich plötzlich der Ansicht, diese Worte seien herabwürdigend. Aber warum? Und warum ist jetzt plötzlich schlecht, was vorher gut war? Und vor allem: Wo bleibt das Recht der Bevölkerung, ihre Sprache frei zu gestalten, ihre Sprachgeschichte zu pflegen, wie es ihr passt? Dieses Recht wird ihr nicht nur abgesprochen, politisch unkorrekt Sprechende werden sogar verächtlich gemacht. Gebraucht jemand heute den Begriff Neger, kann er sich der moralischen Abwertung sicher sein. In aller Regel benutzt heute der Bundesbürger das Wort Neger mit einem schlechten Gewissen. Vor 50 Jahren war das noch anders. 1964 titelt die ZEIT: „Wer die Neger zurückstößt, verliert“ und bezeichnete Martin Luther King als Negerführer. Für Nachrichtensprecher und Schulbücher war es etwas Normales, von Negern zu sprechen. Was sollte daran auch abwertend sein? Welch eine Gehirnwäsche muss stattgefunden haben, die sich so tief im Gefühlsleben der Deutschen verankert hat, dass das Wort Neger gar nicht mehr oder nur noch mit schlechtem Gewissen gebraucht wird.

Die Freiheit des Einzelnen, die Sprache nach seinem Gusto zu gebrauchen, schwindet. Es gilt das Recht des Opfers oder das Recht desjenigen, der sich für ein Opfer hält. Durchgesetzt wird dieses Recht von einem Heer selbsternannter Wächter der Political Correctness. Ein Aushandeln der Interessen beider Seiten, und vor allem die Freiheit des Einzelnen auf seinen Sprachgebrauch, wird auf dem Altar einer vorgeschriebenen Zwangsmoral geopfert, die nicht einmal demokratisch, also vom Volk legitimiert ist. Meist wendet sie sich sogar undemokratisch gegen den Sprachgebrauch der Bevölkerung.

Wenn in der Sexismuskampagne in der ZEIT verlautbart wird, jeder solle sich sprachlich so verhalten, wie er sich seiner Frau und seiner Tochter gegenüber verhalten würde, nickt jeder ergeben mit dem Kopf. Dass dies eine vollkommene Enterotisierung des Verhaltens zwischen den Geschlechtern beinhaltet, fällt gar nicht mehr auf, weil in Deutschland Erotik im Alltagsverhalten keine Rolle mehr spielt. Sie wurde mit samt dem Rollenverhalten der Geschlechter ausgemerzt. Wann habe ich die letzte erotische Situation im Alltag erlebt? Schaue ich in Deutschland einer Frau auf den Busen, muss ich damit rechnen, dass sie sich diskriminiert fühlt und sie mich als Täter sieht. Schaue ich in Kuba einer Frau NICHT auf den Busen, den sie stolz vor sich herträgt, fühlt sie sich diskriminiert und nicht als Frau gewürdigt. Spiel der Geschlechter oder Spielverbot? Was ist menschlicher?

Hinter der Vorstellung, Komplimente über zur Schau gestellte weibliche Geschlechtsmerkmale zu sanktionieren, steckt das GenderMainstream-Ideal des geschlechtslosen Menschen. Je höher die Bildung, desto eher ist dieses Ideal in Deutschland verwirklicht. Flirten im akademischen Beruf ist tabu. Und wer als Akademiker-Mann in der Freizeit so flirtet, dass es der Akademiker-Frau nicht passt, muss jederzeit mit Sanktionen rechnen. Das heißt, die Definitionshoheit liegt nicht bei beiden, sondern die Macht liegt alleine bei der Frau. Sie kann sich jederzeit als Opfer und den Mann als Täter definieren. Der Mann ist dem gegenüber machtlos. Das bedeutet, ein Akademiker wird sich heute zweimal überlegen, ob er in Deutschland das Risiko zu flirten eingeht. In der Unterschicht wird das noch im wahrsten Sinne des Wortes zwangloser gesehen. Es ist kein Wunder, dass die Deutschen in den südlichen, dem Flirten und damit dem Geschlechterunterschied zugeneigten, Ländern als verklemmt und als kalt gelten.

Entsprechend verklemmt ideologisch verläuft auch die Medienkampagne: Sexismus und Brüderle. In allen Leitmedien (Süddeutsche, Spiegel, ZEIT, sogar der FAZ) wird uniform die Sichtweise einer dem Feminismus verpflichteten kleinen, aber die Medien beherrschenden, Minderheit verbreitet und diese Perspektive den Lesern als einzige Interpretationsmöglichkeit aufoktroyiert. Es geht also in Wirklichkeit um Machtausübung mit dem Mittel der moralischen Abwertung. Ziel ist der aktiv flirtende Mann, das Beispiel Brüderle. Das gelingt in den Druckmedien in fast totalitärer Weise, entsprechend ist eine Gegenargumentation in der Sexismuskampagne kaum zu finden. Dabei ist es nicht mehr als einfachstes Basiswissen, dass die Betonung von Geschlechtsmerkmalen auch deren Wahrnehmung und Kommentierung beim anderen Geschlecht auslöst. Selbst diese archaischen Wahrheiten sind tabuisiert. Schon die Aussage, es ginge um eine Sexismus-Debatte, ist pure Polemik. Wäre dies so, dann würden mindestens zwei Sichtweisen kontrovers diskutiert. Zu lesen sind aber in den Leitmedien nur Anklagen gegen Männer, nie aber die Sichtweise von Männern, die sich überhaupt noch oder nicht mehr zu flirten getrauen. Deshalb ist dies eine sexistische Kampagne und keine Debatte über Sexismus. Unausgesprochen ist auch die Quote für die kleine Minderheit der hochqualifizierten Frauen zum Thema. Gelingt es, den Mann moralisch abzuwerten (siehe C. Kuckucks Essay: Der Mann, das verteufelte Geschlecht – Wie wir gelernt haben das Männliche zu verachten), wird die Frauenquote zur moralischen Pflicht. Wenn sie als moralisch bessere Menschen Führungspositionen bekleiden, dann gibt es auch keinen Sexismus mehr.

Nicht nur bei diesem Thema ist die Gleichschaltung der Medien schockierend. Selbst di Lorenzo (Chefredakteur der ZEIT) spricht von „einer permanenten Skandalisierung des politischen Lebens oder eine auf Dauer abstoßende Konformität der Meinungen“ in den deutschen Medien (ZEIT-Online 22. 11. 12). Warum dies aber ausgerechnet in seiner Zeitung immer stärker der Fall ist, seit er Chefredakteur ist und in der ZEIT-Redaktion die Frauenquote steigt, das sollte er sich schon fragen lassen. Jedenfalls tut sich oft genug eine tiefe Kluft auf, zwischen den Redakteuren, die sich berufen fühlen, ihre Leser politisch korrekt zu belehren, und der Leserschaft, die es leid ist, sich moralisch bevormunden zu lassen. Die Lesermeinungen künden massenhaft davon. Schlüsse vonseiten der Presse werden keine gezogen.

 

Nina Pauer: Der Knigge-Wahn:

http://www.zeit.de/lebensart/2013-01/sexismus-geschlechterspiel-kommentar

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