Mittwoch , 21 August 2019
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Geld oder Lebensqualität?

euros handing outDie einen haben kein Geld und wollen welches, die anderen haben viel Geld und wollen noch mehr. Ständig wird man mit diesem seltsamen Problem konfrontiert, dass es an etwas mangelt, was nur dazu da ist, Äpfel mit Birnen zu verrechnen. Und obwohl genug Äpfel und Birnen gewachsen sind, hapert es an der Umverteilung, weil nicht genug Geld nachgewachsen ist. Griechenland hungert nicht, weil es eine Missernte gab, sondern weil mit dem Geld etwas schief gelaufen ist.

Das ist absurd und erfordert Nachdenken, ob es denn nicht anders mit der Warenverteilung funktionieren könnte. Zwar gibt es einige Ideen und Problemlösungsansätze, aber ich beklage insgesamt den Mangel an Utopien. Es ist wahrscheinlich Aufgabe der SciFi-Literatur, die menschliche Gedankenwelt für neue Wege zu öffnen, die vorher undenkbar waren. Eine Utopie ist selten sofort umsetzbar, zeigt dafür aber Ziele auf, die langfristig anstrebenswert sind. Vielleicht wird nur zu wenig darüber nachgedacht, wie das „Himmelreich auf Erden“ aussehen könnte.

Geht es auch ohne dieses Geld, was offensichtlich niemand so recht glücklich macht? Dies sind meine Betrachtungen zu den bisherigen Denkansätzen sowie ein paar utopische Gedankenansätze. Dass ich mich damit der Kritik aussetze, ist mir klar. Und auch gewollt. Wenn man ein Ziel anstrebt, von dem man nicht weiß, ob es überhaupt erreichbar ist, dann kann man nicht vorher eine feste Route festlegen, sondern muss man sich an jeder Kreuzung neu orientieren.

Geld wird benutzt, um Waren und Dienstleistungen miteinander zu verrechnen. Und als Motivation, um Leistungen zu erbringen. Sprich: Arbeit entlohnen, damit die Arbeit geleistet wird. Da liegt bereits der Hund begraben, denn die Entlohnung für Arbeit schien bisher noch nie so ganz funktioniert zu haben. Zahlt man jemand viel Lohn, dann besteht die Gefahr, dass er weniger arbeitet, weil er seinen Lebensunterhalt mit wenig Aufwand gut bestreiten kann. Zahlt man ihm wenig, so ist er genötigt, viel zu arbeiten, um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Letzteres hat sich bewährt, um die Menschen dazu zu bringen, viel zu leisten. Auch wenn viele Waren im Regal liegenbleiben, weil die Löhne nicht ausreichen, um alles zu kaufen. Das hat zwar zur Folge, dass weniger Geld fließt, weil weniger als möglich verkauft wird, welches dann als Lohn zur Verfügung stünde, ist aber gewollt, als Mittel zur Motivation, damit Arbeit geleistet wird, um das kaufen zu können, was noch im Regal liegt. Zufriedenheit darf nie entstehen, dies brächte die Wirtschaft zur Stagnation. Die Wirtschaft braucht aber Wachstum. Das kriegen wir doch ständig zu hören.

Es gibt Ansätze, dies anders zu gestalten. Eine Idee ist der Tauschhandel. Eine Gesellschaft, in der es kein Geld gibt, sondern Waren gegen Waren getauscht werden. Hier entsteht allerdings das gleiche Versorgungsproblem wie in einer Welt mit Geld, da derjenige, der keine Ware hat, auch an keine kommt. Erschwerend kommt hinzu, den Wert der Ware gegeneinander zu verrechnen. Da ein Wert gegen einen Gegenwert getauscht wird.

Ein weiterer Ansatz ist das BGE (Bedingungsloses Grundeinkommen). Jeder Bürger bekommt ein Grundeinkommen, unabhängig von dem, was er leistet. Dies sicherte das soziale Niveau der Gesellschaft. Ich sehe aber an diesem Modell Schwierigkeiten. Ein Problem ist, dass es an Geld gebunden ist. Und damit an ein sehr wackeliges Ding. Es kann passieren, dass die Summe, die heute ausreicht, um Miete, Strom und Brot zu bezahlen, über Nacht gerade noch für ein halbes Brot reicht. Und letzten Endes ist es kein großer Unterschied zwischen einem Grundeinkommen und einer Grundsicherung (Alg2). Die Unterschiede sind die ausgezahlte Summe und der beim BGE fehlende Zwang zur Beschäftigung. Geld wird ausgezahlt, ohne einen Gegenwert einfordern.

Wenn man also die Grundbedürfnisse des Menschen (Essen, Wohnen, Energie usw.) sichern will, warum geht man dann erst den Umweg über ausgezahlte Geldscheine? Man könnte sagen: Jeder Mensch hat ein Anrecht auf eine Wohnung. Die Gesellschaft hätte dann dafür Sorge zu tragen, dass ausreichend Wohnungen vorhanden sind. Aktuell erleben wir, dass neue Wohnungen gebaut werden, die alten dafür abgerissen. Obwohl es viele Leute gibt, die dagegen sind, die alten Häuser abzureißen. Weil die neu gebauten Wohnungen mehr Geld kosten und es wieder mal nur um das Geld geht, nicht um Bedarfsdeckung. Bedarfsdeckung ist ein schönes Wort. Eine utopische Gesellschaft, die festschreibt, dass die Grundbedürfnisse des Menschen sicherzustellen sind, muss logischerweise auch dafür sorgen, dass die materielle Basis vorhanden ist. Um Brot für alle zu haben, muss es produziert worden sein. Der Bedarf muss gedeckt sein.

In meiner gedachten idealen Gesellschaft gäbe es kein Geld. Dafür aber Privilegien. Und zwar wäre das Anrecht Essen, Wohnen, Energie und Kommunikation bereits ein Privileg. Und zwar das eines jeden Bürgers. Was es wiederum zu erarbeiten gilt und worin die Herausforderung der gedachten Gesellschaft bestünde. Die Aufgabenstellung besteht in den zu lösenden Problemen. In den Hirnen der Zeitgenossen geht schwer die Vorstellung zu assoziieren, dass man Probleme löst, ohne für den Aufwand entschädigt zu werden. Dem kann man aber leicht dagegen halten, dass heutzutage viele Probleme ungelöst bleiben, weil es an der Aufwandsentschädigung mangelt. Wenn niemand den Karren aus dem Dreck zieht, weil er nicht dafür bezahlt wird, dann hat die Gesellschaft, in der das passiert, keine Zukunft. Die etwas idealere Gesellschaft passiert wahrscheinlich erst in etwas fernerer Zukunft. Zumindest so weit in der Zukunft, wie es allgemein begriffen wird, dass der Gewinn dessen, der die Karre aus dem Dreck zieht, darin besteht, eine Verbesserung der Gesellschaft erzielt zu haben, in der er lebt und wovon er und alle anderen einen Nutzen ziehen. Solange sich nur ein Einzelner für die Verbesserung der Gesellschaft aufopfert, während alle anderen passive Nutznießer sind, ist diese Gesellschaft noch nicht viel wert. Der Vorteil entsteht, wenn alle ihren Teil einbringen und damit die Gesellschaft damit wächst.

Das könne nicht funktionieren, höre ich die Skeptiker sagen. Denen entgegne ich, dass dies eigentlich schon lange funktioniert. Und zwar in der freien Softwareentwicklung. Ja, aber die Entwickler leben doch nicht davon, höre ich als Gegenargument. Darum geht es mir aber in dem Beispiel gar nicht, sondern darum aufzuzeigen, dass es Leute gibt, die etwas zum Nutzen aller tun, ohne dafür eine Entlohnung einzufordern, sondern, um an etwas mitzubauen, was zunehmend wächst und perfekter wird. Das wäre nicht auf die reale Welt übertragbar, erwidern dann meist die Skeptiker und geben sich damit als Zeitgenossen zu erkennen, die keinen Finger rühren würden, wenn sie niemand dafür bezahlt. Denn es gibt schließlich schon viele Mitmenschen, die uneigennützig und ehrenamtlich an Projekten arbeiten, die der Gesellschaft zugutekommen.

Aber zurück zum Himmelreich auf Erden. Wenn alle das Privileg haben, ihre Grundbedürfnisse gesichert zu haben, dann eröffnet sich das Problem, wie man denn die Motivation schafft, notwendige Arbeit zu leisten. Wie bei dem Modell des BGE könnte es zu der Konsequenz führen, dass es zahllose Künstler aber keine Kanalarbeiter gibt. Wie belohnt man Leute, die mehr leisten als andere oder die Arbeiten erledigen, die keiner machen möchte? Nun genau deswegen gäbe es die Privilegien. Wenn jemand in den Kanal hinabsteigt und den Dreck anderer Leute entsorgt, dann sollte er nicht wie der letzte Dreck behandelt werden, sondern wie ein Fürst. Ich gönne ihm ein Leben in einer Villa. Und wenn Leute wie Mark Zuckerberg etwas schaffen, wovon die ganze Welt einen Nutzen hat (Facebookkritik lass ich jetzt dahin gestellt), dann darf er auch ein paar Sonderprivilegien nutzen, die ihm die Nutzer seines Produktes zugestehen. Im Gegensatz zur jetzigen Handhabung würde es auch einen deutlichen gesellschaftlichen Nutzen bringen, wenn Zuckerberg auf einem Schloss wohnte, ein eigenes Flugzeug hätte usw., weil er wahrscheinlich, wenn jeden erdenklichen Luxus nutzen würde, niemals soviel Werte benötigte, wie er jetzt ungenutzt an Geld deponiert hat. Zuckerberg mag ein hinkendes Beispiel sein, aber wer mag z.B. den Rolling Stones irgendetwas neiden?

In der von mir gedachten Gesellschaft verkauft nicht der eine an den anderen etwas, sondern die geschaffenen Werte fließen in die Gesellschaft und stehen damit allen zur Verfügung. Jedem Einzelnen also. Was natürlich davon abhängig ist, ob genügend hergestellt wurde, um den Bedarf zu decken. Der Bedarf bestimmt das Handeln, ungedeckter Bedarf ist das zu lösende Problem. Die qualitative Verbesserung der Produkte der Anspruch.

Der Unterschied zum jetzigen kapitalistischen System wäre, dass die Werte im Topf der Gesellschaft bleiben. Wenn das Haus, das einer bewohnt, ihm und der ganzen Gesellschaft gehört, so kann er es nutzen, aber nicht aus dem Topf gemeinsamer Werte entziehen. Er kann anderen keine Güter entziehen, indem er sie sich aneignet, denn er hat nur ein Nutzungsrecht. Im schlimmsten Fall verdrängt er andere aus der Nutzung der Güter. Ein Problem, auf das sich sicherlich eine Lösung findet. Die Mangelerscheinungen, die entstehen, weil jemand etwas anhäuft, was anderen dann nicht zur Verfügung steht, wären dann endlich aus der Liste der zu lösenden Probleme gestrichen.

Unausgereift, unausgegoren meint Ihr? Mag sein. Nun, es sind meine Überlegungen, weil mir dieses Geschacher mit den Scheinchen so stinkt. Wem etwas Besseres einfällt, bitte gerne. Aber bitte nicht noch einmal dasselbe von vorn, was schon seit Jahrtausenden nicht funktioniert.

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