Dienstag , 19 Januar 2021
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Gegen das Mordgesindel

cz83_waffeIch habe mich die letzten Tage sehr bemüht, meine Gedanken zu dieser unsäglichen Angelegenheit mit der Zwickauer Gruppe zu Papier zu bringen. Es wollte mir nicht recht gelingen. Es sind nicht die unglaublich brutalen Morde, es ist nicht diese hirnlose und menschenverachtende Ideologie – es ist die Unglaublichkeit des Geschehens, welche mich sprach- und fassungslos machte und macht.

Es sind viele Fragen offen, es sind neue und weitere Fragen zu stellen. Neben der Trauer und dem Entsetzen über den Verlust an Wärme und Menschenleben, der Unglaublichkeit über diese Art dümmster Primitivität, welcher sich die Gruppe und ihre Sympathisanten verschrieben hatten, das große Fragezeichen, warum es den Sicherheitsorganen nicht möglich war, in zehn langen Jahren festzustellen, wer, warum, was getan hatte und hat, und nicht zu verhindern, dass weitere Entsetzlichkeiten geschehen konnten. Über die Rolle der Geheimdienste, insbesondere unseres obskuren Verfassungsschutzes, darüber wird noch zu reden sein.

Welche Rolle aber haben wir einzunehmen, was ist durch uns zu tun, was ist sicherzustellen? Es ist mir mehr als bewusst, dass der Versuch einer Beantwortung dieser Fragen als Besserwisserei ausgelegt werden kann und wird. Ich werde wieder Reaktionen dieser Art erhalten, in welchen man mir dieses vorwerfen wird. Ich weiß aber auch, wir sind nicht so hilflos, wie es den Anschein hat. Wir können, werden und müssen gegen diese Art und Weise des braunen Terrors, gegen Terror gleich welcher Farbe, bestehen. Es ist die Stärke unserer Überzeugung, unseres Handelns, welche die Mordbuben ad absurdum führen wird. Menschenliebe und Mitmenschlichkeit, damit gilt es, Dummheit und Barbarei zu überwinden. Wir sind in erster Linie dafür verantwortlich.

Am 19. März 2011 habe ich hier bei The Intelligence unter der folgenden Überschrift geschrieben: „Es könnte so einfach sein, der Menschen wegen“. Einen der Texte möchte ich nochmals aufzeigen und an uns alle appellieren, an das zu erinnern, was wir für uns persönlich so gerne in Anspruch nehmen, an die Menschlichkeit:

Gebet der Vereinten Nationen

Herr, unsere Erde ist nur ein kleines Gestirn im großen Weltall.
An uns liegt es, daraus einen Planeten zu machen, dessen Geschöpfe nicht von Kriegen gepeinigt werden, nicht von Hunger und Furcht gequält, nicht zerrissen in sinnlose Trennung nach Rasse, Hautfarbe oder Weltanschauung. Gib uns den Mut und die Voraussicht, schon heute mit diesem Werk zu beginnen, damit unsere Kinder und Kindeskinder einst mit Stolz den Namen Mensch tragen.

Liebe Leute, die Religion, ob Moslem, ob Jude, ob Hindu, ob Christ, ob Glaube oder Nichtglaube – sie, die Religion und auch die Nichtreligion, sie ist nicht wichtig. Die Sprache und die Hautfarbe, sie sind nicht wichtig. Wichtig sind gegenseitiger Respekt, Akzeptanz und Menschenliebe. Eine andere Möglichkeit, dem braunen Terror und dem Terror gleich welcher Farbe zu widerstehen, sie fällt mir nicht ein. Wenn wir alle dabei helfen und es leben, dann schaffen wir es. Deshalb schreibe ich – für uns.

In diesem Sinn …

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