Mittwoch , 26 Juni 2019
Startseite » Gesellschaft » Gesellschaftliche Kommentare » Wie erobert man ein Land?

Wie erobert man ein Land?

hand_shakeDie erste Frage, die sich dabei stellt, ist das Warum? Aus welchem Grund ist jemandem daran gelegen, fremdes Territorium einzunehmen? Eine Möglichkeit wäre der eigene Schutz, Vorbeugung, um nicht selbst zum Opfer eines Angriffs zu werden. Der häufigere Anlass von Eroberungszügen ist jedoch das Verlangen, die Werte des anderen Landes für sich in Anspruch zu nehmen. Welche Werte? Rohstoffe und die Arbeitskraft der dort lebenden Menschen. Und dafür bieten sich zwei Möglichkeiten: Man lässt Armeen einmarschieren, beschlagnahmt jeglichen Besitz und degradiert die Bevölkerung zu Sklaven. Oder: Man manipuliert das Geldsystem, erwirbt die Land- und Rohstoffrechte und lässt die Menschen für dieses System arbeiten.

Das Reich der Ägypter überdauerte Jahrtausende. Das Land war fruchtbar und selbstversorgend. Natürlich gab es während dieser enormen Zeitspanne auch Konflikte, doch einer Expansionspolitik wegen ging Ägypten mit Sicherheit nicht in die Geschichte ein.

Das einst mächtige Perserreich lebte in friedlicher Nachbarschaft mit den griechischen Stadtstaaten. Erst als sich diese zusammenschlossen, brach Krieg aus.

Das Römische Reich jedoch machte es sich zur Aufgabe, die benachbarten Völker zu unterwerfen. Und natürlich ging es nicht in erster Linie darum, als mächtige Nation in die Geschichte einzugehen. Es ging um die Ressourcen. Um Rohstoffe und um Arbeitskraft, für die in jüngster Zeit auch unverblümt der Begriff „Human Resources“ Verwendung findet.

Um andere Länder einzunehmen und langfristig zu besetzen, bedarf es kostspieliger Armeen. Allerdings, in der andauernden Unzufriedenheit der unterdrückten, versklavten Völker schlummert ständig die Gefahr von Revolten, was dazu führen kann, dass der Aufwand der Besetzung den dadurch erzielten Profit übersteigt.

Und nun kommen wir zur wesentlich effizienteren Methode. Wir nähern uns dem Land, das wir einzunehmen planen, nicht als Feind, sondern als Freund. Wir versprechen Fortschritt und Wohlstand für alle. Der noch herrschenden Klasse bieten wir Zusammenarbeit an. Lehnt diese ab, sähen wir Unzufriedenheit unter der Bevölkerung. Wir suchen nach „Idealisten“ in deren eigenen Reihen und stellen ihnen die Mittel zur Verfügung, um sich endlich gegen die „Ausbeutung durch die Herrscherklasse“ aufzulehnen. Gründe, um Revolutionen auszulösen, finden sich in jedem Land. Man muss die Menschen bloß darauf hinweisen.

Ungeachtet, ob die Herrscher mit uns kollaborieren oder durch einen Aufstand gestürzt werden, jetzt beginnt unsere richtige Arbeit. Wir geben unser Bestes, um den Menschen zu Wohlstand zu verhelfen. Dafür brauchen sie erst einmal Geld, das wir ihnen in Form von Krediten anbieten. Nachdem wir in diesem Land gleichzeitig unsere eigenen Banken errichten, stehen uns auch nahezu unbegrenzte Mittel zur Verfügung. Bei den Bauern handelt es sich natürlich um die verlässlichsten Kreditnehmer, denn sie besitzen Land, das als Sicherheit zur Verfügung gestellt wird. Dank plötzlich verwendeter modernder Maschinen, unterliegen kleine Grundbesitzer rasch dem einsetzenden Konkurrenzkampf. Sie werden ihres Landes, und somit ihrer Lebensgrundlage, verlustig. Wirtschaftliche Not treibt sie in die Städte, wo sich plötzlich ein Überangebot an billiger Arbeitskraft findet. Dort entstehen gleichzeitig Fabriken, zum Wohle des Volkes versteht sich, denn es müssen Arbeitsplätze geschaffen werden.

Selbständige Händler werden von den Straßen verbannt. Dafür werden Einkaufszentren errichtet. Wie schon erwähnt, Geld für große Investitionen steht ausreichend zur Verfügung. Unsere eigenen Banken gewähren schließlich jedem, der über die notwendigen Sicherheiten verfügt, Kredit.

Im Land vorhandene Rohstoffe werden privatisiert. Staatsbetriebe haben sich noch selten durch wirtschaftliche Effizienz ausgezeichnet. Schritt um Schritt wird alles, was sich in Geld umsetzen lässt, von erfahrenen und verlässlichen Konzernen verwaltet. Öffentlicher Transport, Trinkwasser, Telekommunikation und – selbstverständlich – die Medien, von denen jede neue Entwicklung über alle Maßen gelobt wird.

Um all diese Veränderungen durchzuführen, bedarf es natürlich mehrerer Jahrzehnte. Dafür zeichnet sich die Eroberung allerdings auch durch Dauerhaftigkeit aus. Die jüngere Generation, die in Kindergärten erzogen wurde, weil ihre Mütter, dank ihrer Befreiung, endlich in Fabriken arbeiten dürfen, kann sich schließlich kein anderes Leben vorstellen, widmet sich begeistert Monsterveranstaltungen und begrüßt die Früchte der modernen Zeiten. Gibt ihr Bestes, um einen Arbeitsplatz zu finden, und freut sich darüber, die eigene Zeit und Arbeitskraft verkaufen zu dürfen, um Steuern und Miete bezahlen zu können. Einige technische Spielereien gibt es als Zubrot. Es lebe der Fortschritt.

Ist dieses System endlich unveränderlich etabliert, lebt die gesamte Bevölkerung in Abhängigkeit von der Infrastruktur, die dank unserer selbstlosen Hilfe errichtet wurde, dann kann der vorübergehend tatsächlich überzeugende Komfort wieder reduziert werden. Märkte unterliegen schließlich ihrer eigenen Entwicklung, und diese muss ja nicht immer günstig sein. Wichtig ist bloß, dass die eigenen Wurzeln weitgehend vergessen sind, dass ein Weg zurück zur traditionellen Lebensweise verschlossen bleibt. Und auch, dass jeder, der hinter all diesen Entwicklungen böse Absicht vermutet, in eine unliebsame Ecke gedrängt wird. Wie immer diese auch bezeichnet wird.

Ich möchte abschließend aber auch feststellen, dass es sich bei dieser kurzen Zusammenfassung von Überlegungen um ein rein theoretisches Konzept handelt. Alle Zusammenhänge mit lebenden Personen oder tatsächlich existierenden Ländern sind rein zufällig.

Check Also

Rollentausch – Altersheim statt Gefängnis und Gefängnis statt Altersheim

            Wenn Straftäter statt ins Gefängnis ein Altersheim eingewiesen würden… …

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.