Sonntag , 26 Mai 2019
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Geheimgesellschaften! Oder doch nicht so geheim?

eule_250Ist es nicht spannend, die dunklen Mächte der Welt zu erforschen? Ein kürzlich erschienener Artikel, der die Harmlosigkeit der Freimaurer zu erklären versuchte, wurde durch einige reißerische Postings „ergänzt“. Dann gibt es ja noch die Bilderberger, die Trilaterale Kommission, den CFR, ja sogar einen Deutschen Council on Foreign Relations, von dem wir selten oder nie hören. Und was ist mit Adam Weishaupts Illuminaten? Ein gewisser John Coleman, ehemaliger MI6-Mitarbeiter, berichtet von einem „Komitee der 300“, eine Gruppe Superreicher, die über allen anderen Organisationen stehen soll. Auf Englisch gibt es den Slogan: „Follow the Money“. Und darin liegt wohl auch der Schlüssel, um zu verstehen, wer auf unserer Welt wirklich das Sagen hat.

Mysteriöse Romane, zumindest wenn ein von den Medien bestens unterstützter Name wie Dan Brown dahinter steckt, schaffen es locker in die obersten Ränge der Bestseller-Listen. Betrachten wir dann noch die Entwicklung der Weltgeschichte, insbesondere während der vergangenen hundert Jahre, so taucht leicht ein Gefühl auf, dass da doch irgend etwas nicht stimmen kann. Während alle Welt nach Frieden strebt, nehmen blutige Kriege kein Ende. Während technische Entwicklungen den Produktionsprozess vereinfachen, wird von den Menschen immer mehr Arbeitsleistung gefordert. Durchaus anzweifelbare Erklärungen zu Terroranschlägen oder geheimnisvollen Morden werden von den Medien einheitlich akzeptiert. Demokratie, sogenannte Volksherrschaft, erweist sich immer mehr als Illusion. Leben wir wirklich in einem Zeitalter von Transparenz und Fairness?

Es gibt berechtigte Gründe für Zweifel. Wenn also das, was uns im allgemeinen erzählt wird, nicht wirklich den Tatsachen entspricht, dann muss es doch dunkle Machenschaften geben. Kratzen wir etwas an der Oberfläche, dann stoßen wir auch rasch auf geheime Bünde. Etwa die Freimaurer. Dass es mittlerweile eine ganze Menge von Logen gibt, die sogar im Internet die Möglichkeit für eine Aufnahme anbieten, also keineswegs so verschlossen sind wie oft geglaubt wird, reicht natürlich noch lange nicht, um davon zu überzeugen, dass es keine maurerische Verschwörung gibt. Auf diesem Wege, so finden sich Erklärungen auf zweifelhaften Webseiten, werden Leute aus allen Schichten in den Netzen gefangen. Und nur wer sich qualifiziert, was immer damit auch gemeint sein könnte, schafft den Weg in die oberen Grade. Wer diesem elitären Kreis nicht angehört, der hat ja keine Ahnung. Und wer ihm angehört, dem dürfen wir erst recht nicht glauben. Denn er gehört ja dazu. Wer immer Lust dazu verspürt, darf sich natürlich weiterhin dem Glauben hingeben, dass die wahren Machthaber dieser Welt ein derartiges Netzwerk benötigen.

Und wie sieht es mit den geheimen Treffen der Bilderberger aus und der Trilateralen Kommission? Finden sich dort nicht wirklich einflussreiche Männer und wenige Frauen ein? Spitzenpolitiker, Milliardäre, CEOs, Medienzaren. Handelt es sich bei diesen um die wahren Weltenlenker?

Diese Treffen finden hinter verschlossenen Türen statt. Das ist richtig. Auch hat es tatsächlich viele Jahre gedauert, bis die Weltöffentlichkeit auch nur eine Chance hatte, von diesen Konferenzen zu erfahren. Doch seit mittlerweile geraumer Zeit sind nicht nur die Veranstaltungsorte bekannt, sondern auch die Namen der meisten Teilnehmer. Zweifellos handelt es sich um Menschen, deren Einfluss auf das Weltgeschehen nicht zu unterschätzen ist. Es spricht aber vieles dafür, dass es sich nicht um jene Personen handelt, die das letzte Wort haben. Viele von ihnen sind reich. Doch irgend welche Wesen, „hinter den sieben Bergen“, sind noch tausend Mal reicher als sie.

Als Gründer des Council on Foreign Relations gilt der Rockefeller-Clan. Einige der Mitglieder gehören gleichzeitig auch den Bilderbergern und der Trilateralen Kommission an. Zweifellos werden hier in elitärem Rahmen Informationen ausgetauscht, Entwicklungen besprochen, Pläne geschmiedet. Die Vereinheitlichung der Welt, das Abschaffen von Handelsschranken, alle durchaus offenen Ziele der Globalisierung, werden durch diese Organisationen gewiss vorangetrieben. Doch zu wessen Nutzen? Wir können annehmen, dass jene Menschen, die sich einer dortigen Mitgliedschaft erfreuen oder gelegentlich eingeladen werden, gewisse Privilegien genießen. Jetzt aber zu glauben, dass Peer Steinbrück oder Matthias Nass von Die Zeit jener Elite angehören, die Einfluss auf die Entwicklung des Weltgeschehens ausübt, würde ihre Positionen mehr als nur überschätzen. Beide zählten zu den geladenen Gästen der diesjährigen Bilderberger-Konferenz in Sankt Moritz.

International betrachtet, ist der Deutsche Council on Foreign Relations, genauer Deutsche Gesellschaft für auswärtige Politik, noch mit deutlich weniger Skepsis zu beurteilen. Auch wenn Hans-Dietrich Genscher und Richard von Weizsäcker als prominente Namen aufscheinen, es handelt sich um nichts anderes als eine Forschungseinrichtung, die sich mit der Weltpolitik befasst. Die regelmäßig veröffentlichten Artikel sind sowohl seriös als auch interessant zu lesen.

Um auf den anfangs erwähnten Begriff der Illuminati zu sprechen zu kommen, müssen wir die Zeit um mehr als zwei Jahrhunderte zurückdrehen. Dieser Orden existierte tatsächlich von 1776 bis zu seinem Verbot in Bayern im Jahr 1785. Über die Motive und Ziele der, durch Adam Weishaupt gegründeten Vereinigung, einem Rechtsgelehrten und Jesuiten-Gegner, dem alle möglichen okkulten Machenschaften zugeschrieben werden, lässt sich heutzutage nur mehr spekulieren. Dass eine Eule als Symbol des Ordens galt, die auch im Zentrum des sonderbaren Sommercamps in Kalifornien, Bohemian Grove, zu finden ist, lädt natürlich zu weiteren Spekulationen ein. Die folgenden drei Abbildungen zeigen, von links nach rechts: Die Eule des Illumiati-Ordens – die Eule als Symbol des Bohemian Club in Kalifornien – ein winziges Symbol auf jeder Eindollarnote, das mit freiem Auge kaum erkennbar ist und einer Eule ähnlich sieht.

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Die Eule als Symbol hat ihren Ursprung in der Antike. Ob hier tatsächlich ein Zusammenhang besteht, ist schwer zu beurteilen. Doch auch wenn dies der Fall sein sollte, sagt es noch immer ziemlich wenig aus.

John Colemans Buch „Das Komitee der 300“ versucht zu erklären, dass es 300 Menschen sind, die ihren unermesslichen Reichtum unter anderem der East Indian Company und dem einst regen – und legalen – Opiumhandel verdanken, und die über das Weltgeschehen entscheiden. Coleman soll Mitarbeiter des MI6, des britischen Geheimdienstes, gewesen sein. Viele seiner Behauptungen sind absolut unverifizierbar. Doch ein Punkt rückt in seinem Konzept in den Vordergrund: Wer über die meisten Besitzungen, über die größten Vermögen verfügt, der ist auch in der Situation, Macht auszuüben.

 

Die jährlich von Forbes veröffentlichte Liste der angeblich reichsten Menschen der Welt mag in Teilbereichen einen gewissen Überblick vermitteln. Wie Spitzenreiter Carlos Slim Helú – er wird auf 74 Milliarden Dollar geschätzt – in einem Gespräch mit einer libanesischen Zeitung erklärte, hätten die Journalisten Zugang zu Informationen einiger großer Börsen, wie London und New York. Ob beabsichtigt oder nicht, vieles bleibt bei diesen Recherchen mit Sicherheit verborgen.

Werfen wir also kurz einen Blick auf die profitträchtigsten Mechanismen unseres modernen Wirtschaftssystems. Das beste Geschäft überhaupt, ist die Ausgabe von Geld.

Auch wenn es der Großteil der Menschen noch immer nicht weiß, Geld wird von privaten Instituten in Form von Krediten in Umlauf gesetzt. Die folgende Graphik zeigt den Anstieg der Eurogeldmenge zwischen 1998 und 2007. Nur der unterste Bereich in violett entspricht der Menge von Banknoten und Münzen, die von Zentralbanken in Umlauf gesetzt werden. Was darüber hinausgeht, ist sogenanntes Buchgeld. Und dieses wird – wie eine geläufige Redewendung treffend besagt – aus „dünner Luft“ erschaffen und gegen Zinsen verliehen.

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Die Eurogeldmenge M3 wird für März 2011 mit 9.580 Milliarden beziffert. Das bringt dem Bankensystem beachtliche Zinsen. Jahr für Jahr.

Durch Bonds, Staatsschuldverschreibungen und andere Schuldpapiere, ist die Gesamtsumme der Verbindlichkeiten aber bei weitem höher. Das McKinsey Global Institute veröffentlichte im Januar 2010 eine ausführliche Studie (pdf), in der die Schulden der wichtigsten Länder aufgelistet sind. Eine übersichtliche Zusammenfassung findet sich bei Global Finance.

Werfen wir zuerst einen Blick auf die Situation in Deutschland. Im Jahr 2009 betrug die Gesamtverschuldung insgesamt 285% des Bruttoinlandsproduktes von 2,9 Billionen Dollar bzw. rund 2 Billionen Euro. Das entspricht einer Schuldenlast von etwa 5,7 Billionen Euro. Mittlerweile sind sie zwar deutlich höher, doch 2009 wurden die Staatschulden noch mit 73% des BIP angegeben. 69% betrugen Verbindlichkeiten von Unternehmen (ohne Finanzsektor), 64% Privatschulden – das wären ebenfalls rund 1,3 Billionen Euro – und weitere 80% entfallen auf den Finanzsektor.

Die anfallenden Zinsen für die Staats-, Unternehmens- und Privatschulden werden von den Bürgern entweder direkt, durch Steuern oder Konsum (sie sind in den Preisen schließlich einkalkuliert) getragen. Lassen wir den Finanzsektor beiseite, so wären das Zinsen für eine Schuld von über 4 Billionen Euro. Jahr für Jahr.

Die Gesamtverschuldung Großbritanniens korrespondierte 2009 mit 466% eines BIP von 2,1 Billionen Dollar.

Die Gesamtverschuldung Spaniens mit 366 % von 1,3 Billionen Dollar.

Italen: 315% von 1,7 Billionen Dollar.

Vereinigte Staaten: 296% von 14 Billionen Dollar.

Können Sie sich ein Bild davon machen, wie hoch die Gesamtsumme der Zinsen jedes Jahr ist, die aus so einem gigantischen Schuldenberg entsteht? Welche Leistungen erbringen Geldinstitute im Gegenzug? Mit Sicherheit geht nur der geringere Teil für Löhne, Gehälter, Erhaltung von Bürohäusern und ähnlichem auf. Ich wüsste nicht, auf welchem Weg der Großteil der Zinseinnahmen wieder in den Kreislauf zurückfließen sollte, außer durch den Ankauf von Realwerten. Doch diese gehen schließlich irgendwann einmal zu Ende.

Doch das ist noch nicht alles. Werfen wir einen Blick auf die Entwicklung des Rohölpreises von 1980 bis jetzt.

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Während der 1990er-Jahre kostete das Fass Rohöl um die 20 Dollar. Der derzeitige Preis liegt etwa sechsmal höher. Weltweit werden täglich etwa 100 Millionen Fass verbraucht. Es gibt keine Ölknappheit. Die Förderkosten liegen bestenfalls unwesentlich höher als vor 10 oder 15 Jahren. Der Preis wird durch Spekulation hochgetrieben. Gehen wir davon aus, und das ist sicher nicht übertrieben, dass die Hälfte des derzeitigen Rohölpreises von rund 120 Dollar auf Spekulation beruht, so entspricht dies 6 Milliarden Dollar pro Tag beziehungsweise mehr als 2 Billionen pro Jahr. Ich hoffe, es ist Ihnen bewusst, wer dafür bezahlt? An der Tankstelle und auf dem Umweg von Preiserhöhungen für praktisch alles, was Treibstoff für die Produktion und den Transport erfordert.

Spekulationsgewinne enden natürlich nicht beim Erdöl. Seit den 1990er-Jahren blüht der Handel mit Futures, die auf Nahrungsmittel lauten. Vor allem in Afrika und Asien gibt es Millionen von Menschen, die unter Hunger leiden, oft sogar dem Hungertod erliegen, weil ein Haufen skrupelloser Spekulanten die Preise für Reis, Bohnen und Getreide um ein Mehrfaches in die Höhe treibt.

Nicht zuletzt sei hier der Derivathandel zu erwähnen. Dabei handelt es sich praktisch um ein reines Instrument der Spekulation. Natürlich dienen Derivate in Einzelfällen der Absicherung von Geschäften und Investitionen. Doch nur zum Vergleich: Die weltweite Börsenkapitalisation, also der Wert aller existierenden Aktien zusammen, wird auf rund 50 Billionen Dollar geschätzt. Die Summe aller Derivate, die außerbörslich (OTC), also ausschließlich zwischen einzelnen Instituten, gehandelt werden, soll bei 600 Billionen liegen.

„Follow the Money!“ Diese gigantischen Vermögen, die Jahr für Jahr durch Zinsen und Spekulationsgewinne “erwirtschaftet” werden, lassen Carlos Slim Helú, Bill Gates und Warren Buffet zu Mitläufern werden. Sofern ihre Vermögen sich tatsächlich in dem Rahmen bewegen, wie es von Forbes regelmäßig berichtet wird, was aber vermutlich der Wahrheit doch recht nahe kommt. Die wirklich „großen Spieler“ auf dieser Welt, halten sich im Hintergrund.

Dabei führt es sogar in die Irre, hier von einer Verschwörung zu sprechen. Im Laufe von Generationen ist es einigen Familien gelungen, Reichtümer zu sammeln, die ihnen erlauben, sowohl auf die Politik als auch auf die Wirtschaft entscheidende Einflüsse auszuüben. Diese Leute brauchen keine Geheimgesellschaften. Sie sind durch keine Religion oder andere nachvollziehbare Gemeinsamkeit verbunden. Ihr einziges Ziel ist, ihre Vormachtstellung für alle Zukunft zu sichern. Nur wer sich diesem Kern des Geschehens widmet, versteht, was auf unserer Welt schief läuft. Warum wir in eine Krise schlittern, aus der wir mit Sicherheit nicht mehr herauskommen. Nicht mehr herauskommen können.

Und auf eines können Sie ebenfalls Gift nehmen: Diese Menschen, die unser Geld- und derzeitiges Wirtschaftssystem erfunden haben, werden beim kommenden Zusammenbruch nicht zu Schaden kommen. Verlierer sind immer nur die Massen. So war es während der Napoleonischen Kriege, während des amerikanischen Bürgerkriegs, dem Ersten Weltkrieg, der damaligen Wirtschaftskrise usw. Als einzige Beruhigung möchte ich abschließend aber doch noch feststellen, dass die meisten von uns ohnehin nicht mehr viel zu verlieren haben – außer vielleicht den Glauben an Freiheit und Demokratie!

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