Mittwoch , 22 Mai 2019
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Die gar nicht mehr so neue Armut

wellmanns_wilde_wochenEs gibt genug Länder auf der Welt, da wären die Menschen froh, wenn es so etwas wie eine Krankenversicherung geben würde. Hier bei uns hat „Die Krankenversicherung“ inzwischen die Stufe der GEZ erreicht. Denn wer hier keine Gebühren zahlt, hat Schulden, wird verfolgt und wenn´s sein muss auch strafrechtlich belangt. Da unterscheidet sich eine Krankenkasse in keinster Weise mehr von der GEZ. Die Tatsache aber, dazu gezwungen zu sein, sich zu versichern, bereitet Vielen, die den vielleicht einzig noch rettenden Weg in die Selbstständigkeit gegangen sind, große Schwierigkeiten.

In der Regel ist der Weg in die Selbstständigkeit sowieso mit weiteren Schulden verbunden und nicht selten endet der Schritt, der einen doch eigentlich endlich unabhängig, vor allem von Hartz IV machen sollte, in einer Katastrophe. Und man muss kein Wirtschafts-Experte sein, um zu beobachten, wie viele Menschen ihre Tage inzwischen nur noch mit überleben verbringen. Wer noch das „Glück“ hat drei Jobs auf einmal machen zu können, ist aber vor allem eines, nämlich zu erschöpft, um noch über etwas anderes nachzudenken.

Schon gar nicht muss man ein Experte sein, um zu sehen, wie scheinbar gut situierte, ältere Herren, in Anzughose und Windjacke, mit einer Taschenlampe die Mülleimer am Bahnhof durchsuchen. Es hat immer ein bisschen was von Kindern, die in Trümmern nach Metallresten suchen, die sie auf dem Schrottplatz verkaufen können, damit die zehnköpfige Familie zu Hause etwas zu essen hat. Existenzangst hat eine neue „Qualität“ erreicht und kaum einer, der noch Arbeit hat, kann sich dessen erwehren, denn selbst wenn der Arbeitsplatz sicher ist, traut man dem Geld das man verdient nichts mehr zu und fühlt sich, auch wenn man jahrzehntelang dahinter stand, dem System treu gedient und vertraut hat, verlassen, belogen und hintergangen.

Wie paradox erscheint es da, wenn in den Nachrichten von Aufschwung und sinkenden Arbeitslosenzahlen berichtet wird. Die politische Bühne ist schon lange zu einem Schmierentheater geworden oder war es wohl schon immer, nur früher haben es nicht so viele gemerkt. In einschlägigen Fernsehsendungen sieht man die „Reichen und Schönen“, die bei einem Einkaufsbummel, für völlig unnützes – außer dem Status dienenden – Zeug, so viel Geld ausgeben, dass man damit 10 Hartz IV empfangenden Familien, für mindestens zwei Jahre ein gutes Mindesteinkommen garantieren könnte. Und der Hammer ist: Die empfinden das auch noch als ihr gutes Recht.

Da erscheint es doch noch viel paradoxer, als es Politik jemals sein kann, dass wir Menschen jetzt nicht damit reagieren uns gegenseitig beizustehen, sondern uns in einer Weise in Habgier, Neid, Eifersucht und Missgunst hineinsteigern und es auch noch fertig bringen uns hinzustellen und herum zu keifen, dass doch NUR UNSER GOTT der einzig wahre ist und die Erlösung bringen wird.

Vielleicht wiederhole ich mich in meinen Artikeln, was das betrifft, doch solange niemand auch nur mal die Anstrengung aufbringt, diesen ganzen Blödsinn an der Ursache anzupacken, oder erst mal überhaupt zu sehen, erübrigt sich jede Diskussion um eine Million Auswirkungen und vier Milliarden Meinungen darüber. Also jedenfalls mit mir. Was sie machen, müssen sie natürlich wie immer selbst entscheiden.

Es ist einfach mal genug für alle da. Nur mit der Verteilung wird irgendwie sehr, sehr dumm umgegangen. Ich frage mich, oft mehrmals am Tag, warum das eigentlich so schwierig ist.

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