Sonntag , 26 Mai 2019

Wider dem Widerstand

wellmanns_wilde_wochen„Hört doch, verdammt nochmal endlich auf mich zu nerven!“, schrie der Vater seine Kinder an. „Seid ihr nicht alt genug selbst zu denken?! Habe ich euch nicht alles gegeben, nicht alles gezeigt? Habe ich euch nicht sogar die Wege ganz deutlich eingezeichnet, auf der Karte und hatte ich euch nicht genug zu essen eingepackt? Habt ihr nicht genug Verstand und Weisheit erfahren, so dass es euch möglich sein sollte selbst zu entscheiden?! Zum Wohle der Anderen und euch selbst?! Was ist los mit euch, dass ihr immer wieder jammernd hier an gekrochen kommt und mich anbettelt, euch aus dem Sumpf zu ziehen und den Mist, den ihr fabriziert habt, wieder gerade zu biegen?! Ich glaub es hackt! Hört mal endlich auf irgendwas sein zu wollen und fangt mal an Menschen zu sein, dann klappt´s auch mit dem Nachbarn!“

Da waren die Kinder aber still und wussten nichts zu sagen. Sie haderten und schluchzten, „der Vater habe sie verlassen“ und einer sagte: „Wir haben den Zorn des Vaters auf uns gezogen, denn wir haben nicht laut genug seinen Namen gepriesen und wir haben ihm nicht genug neue Kinder geschenkt, damit sie ihm folgen können.“ Da trat ein ganz kleines Mädchen vor und sprach: „Ach, ihr Großen seid dumm, ihr hört nicht zu und ihr seht nicht hin, weil ihr immer nur auf euch schaut und dann nach Vater schreit, wenn ihr nicht mehr weiter wisst. Aber hat nicht jeder von euch seine Talente und kann nicht jeder von euch etwas, was ein anderer nicht so gut kann? Warum teilt ihr das nicht und organisiert euch?!“

Guten Tag, liebe The Intelligence Leser!

Diese kleine, nach Märchen klingende Geschichte scheint doch erst mal zum Schmunzeln, wenn erst ein kleines Mädchen vortreten muss, um die „Großen“ wachzurütteln. Aber mehr denn je scheint sie auch Wirklichkeit zu sein, in diesen Tagen des 21. Jahrhunderts. Vielleicht liegt ja der Schlüssel zur Zufriedenheit in der, ich sag mal, positiven Regression. Hin zu einer kindlichen Sicht und dem festen Willen endlich selbstständig zu werden und sich von den Eltern zu lösen.

„Wir müssen uns organisieren!“, ist ein häufig zu hörender Satz, bei all denen, die zumindest schon mal soweit sind aufzubegehren. Doch genau hier scheinen, angesichts aller Realitäten, die unüberwindbaren Schwierigkeiten zu liegen, die das organisieren des Aufbegehrens mit sich bringen. Denn erstaunlicher Weise sind selbst die, die sich „neu“ organisieren wollen, nicht in der Lage das zu tun, solange nicht ein „Organisator“ da ist, der alles in die Hand nimmt und dem Rest sagt was zu tun ist. Und die zweite Schwierigkeit beim Aufbegehren ist wohl die, dass jeder erst einmal etwas finden muss, wogegen er/sie sein kann, um dann, höchst paradoxer Weise, das Gefundene neu organisieren will, anstatt bei seinem eigenen Leben anzufangen.

Was also wollen wir organisieren?

Während auf der Welt weiterhin täglich Tausende Kinder verhungern, gibt es seit einigen Tagen eine Lotterie, bei der man künstliche Befruchtungen gewinnen kann, in England …, in Europa!

Was gäbe es hier zu organisieren? Und sollte ihre spontane Antwort jetzt sein: „Wir müssen die Lotterie verbieten!“, dann ist das wohl genau das, was den Vater unserer Geschichte so aufregt und ärgerlich macht. Das ist es, was die Kinder nicht selbstständig und verantwortungsvoll mit sich und anderen umgehen lässt. Sie wollen immer irgendetwas ändern, nur nicht sich selbst. Den Kindern wird in der Schule heute der gleiche, verlogene Mist beigebracht wie mir früher und dann groß herum getönt, es würde sich dabei um Bildung handeln. Wir selbst verbieten unseren Kindern selbstständig zu denken und wundern uns dann, warum sich nichts ändert.

Bevor wir uns selbst ändern, ändern wir erst ein Gesetz, dann begehren wir gegen den auf, dem wir erlauben dieses Gesetz an uns zu vollziehen, bringen ihn aufs Schafott und setzen einen neuen ein, an seiner Stelle. Mit ihm ändern wir das Gesetz wieder und begehren dann auf.

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann begehren sie auch heute noch …

Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber es erscheint doch mehr als logisch, dass ein „Wir müssen uns organisieren“, niemals funktionieren kann, wenn wir nicht aufhören, immer schon schnaufend an der ersten Bergstation sein zu wollen, anstatt den Berg von unten zu besteigen. Wenn wir immer und immer wieder nur die anderen oder die Sache ändern wollen.

Sich zu organisieren kann nur Erfolg haben, wenn jeder bei sich selbst beginnt. Sich um die Kindern zu kümmern, die da sind, anstatt neue, künstliche in die Welt zu setzen. Das was wir haben gerecht zu verteilen und zu respektieren, anstatt immer wieder nur daran zu denken, wie man möglichst viel Geld damit verdienen kann.

Was helfen uns Tausende neue Konzepte und sogenannte erneuerbare Energien, die wieder neu subventioniert werden und an denen wieder nur irgendwer viel Geld verdient, wenn wir die vorhandenen Möglichkeiten nicht nutzen. (Wenn sie dazu ein Beispiel wollen, dann schauen sie doch z.B. mal hier.)

Und auch wenn ich mich wiederhole, nichts wird sich ändern und wir werden morgen immer noch die Gleichen sein, wenn wir weiter, ob in der Medizin, der Politik, oder im kleinsten Alltagsgeschehen immer nur an den Symptomen herumdoktern, anstatt endlich mal die Ursachen wenigstens nur anzuschauen.

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