Freitag , 29 Mai 2020
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Dürfen wir nicht einmal mehr wissen, was wir essen?

kuhDie Verhandlungen sind also gescheitert. Das Fleisch und die Milch geklonter Tiere bzw. deren Nachkommen werden weiterhin im Handel bleiben – und zwar ohne Kennzeichnungspflicht. So lautet das Diktat aus Brüssel. Vor etwa einer Woche tauchten spärliche Meldungen über ein, dem Europäischen Gerichtshof in Luxemburg vorgelegtes, Rechtsgutachten auf, demzufolge es Frankreich nicht zustünde, den Anbau von gentechnisch verändertem Mais zu untersagen. Auch in Deutschland gibt es (noch) ein Anbauverbot für Monsanto-Mais. All diese Entscheidungen berufen sich auf die Erkenntnisse der Wissenschaft. Und der Mensch hat sich gefälligst zu unterwerfen.

Unumstritten gibt es keinen besseren Weg der Erkenntnisfindung als den der Wissenschaft. Doch beim Glauben an deren Unfehlbarkeit handelt es sich um einen Mythos. In manchen Bereichen, allen voran in der Physik, lassen sich zweifellos völlig exakte Angaben ausarbeiten. Doch, nach wenigen Jahren der Forschung, bestimmte Nahrungsmittel, die auf nicht-natürlichem Wege hergestellt werden, als unbedenklich einzustufen, mag zwar zu hoher Wahrscheinlichkeit zutreffen, aber keineswegs mit absoluter Gewissheit. Möglichen Einfluss wirtschaftlicher Interessen auf die Forschungsergebnisse lassen wir dabei völlig beiseite.

Davon abgesehen, sollte dem Bürger letztendlich auch das Recht zustehen, das Fleisch geklonter Tiere und gentechnisch veränderte Getreidesorten aus moralischen Gründen abzulehnen. Der Stern erinnert jedenfalls an eine Umfrage aus dem Jahr 2008, in der sich drei Viertel der Befragten gegen den Konsum von Klonfleisch ausgesprochen hatten.

Seit mehreren Jahren liegt in den Regalen der Supermärkte Fleisch von Tieren, bei denen es sich um Nachkommen geklonter Exemplare handelt. Seit Jahren wird Milch geklonter Kühe verkauft. Ein Antrag in Brüssel, dies entweder zu unterbinden oder eine Kennzeichnungspflicht einzuführen, ist gescheitert.

Der Anbau gentechnisch manipulierter Getreidesorten ist in Deutschland wie in den meisten EU-Ländern untersagt. Wie durch eines der Wikileaks-Cables bekannt wurde, steht dem Saatgut-Giganten Monsanto die amerikanische Politik unterstützend zur Seite. Gegen den Willen der Bevölkerung, wird die Maissorte MON-810, bei der es sich um ein gentechnisches Experiment handelt, in Spanien angebaut. Frankreich spricht sich dagegen aus. Vor einer Woche tauchten spärliche Meldungen über ein, beim Europäischen Gerichtshof vorgelegtes, Gutachten auf, dass dieses Verbot als rechtswidrig einstuft. Das Urteil wird zwar erst im Sommer gefällt werden, doch lässt sich bereits vermuten, wie es lauten wird. Hinter dem Verfahren steckt natürlich Monsanto. Sollte entschieden werden, dass es dem EU-Mitgliedsstaat Frankreich rechtlich nicht zusteht, den Saatgut-Monopolisten aus dem eigenen Land zu verbannen, wie wird sich ein derartiges Urteil auf den EU-Mitgliedsstaat Deutschland auswirken? Es war einmal ein souveräner Staat …

Allerdings, eine Möglichkeit steht dem Konsumenten noch offen, und zwar – entsprechend teure – Bioprodukte zu kaufen. Der Stern versichert im bereits zitierten Artikel, dass in den Vorschriften für Biolebensmittel ein Verbot von Gentechnik enthalten ist. Wo sich Monsanto-Mais in Form von Stärkemehl überall einschleichen wird, sobald der Anbau einmal erlaubt sein wird, wäre dann wieder eine andere Frage. Dass dieses Anbauverbot früher oder später fallen wird, darauf dürfen Sie Gift nehmen.

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