Freitag , 29 Mai 2020
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Knut ist tot, unsere Erde lebt – noch

briefmarke_knutEisbär Knut ist nicht mehr – und die Tränen fließen. Verständlich, wie oft haben wir seinerzeit geweint, wenn Clarence, Fury, Lassie, Charly und Co. in schier ausweglose Situationen gerieten. Wie oft schlossen wir sie denn gedanklich in die Arme, wenn die Folge – wieder einmal – gut ausging. In Wirklichkeit würden wir dies nie tun, dank unserer Eltern wussten wir, dass Film und Realität weit auseinanderklaffen: Wilde Tiere leben nach ihren Gesetzen: Der Starke überlebt, der Schwache, auch der sich nähernde Zweibeiner, wird gerissen und dient so wenigstens noch als Nahrung. So lange man sie noch nach ihren Gesetzen leben lässt: Dank Grzimek und Filmen wie „Serengeti darf nicht sterben“ wussten wir schon früh um die Problematik eines tödlich eingeschränkten Lebensraumes und der steten Bedrohung eines übermächtigen Feindes – den Menschen.

Seither gab und gibt es zahlreiche eindringliche und informative Dokumentationen, wer sie gelesen, gesehen und verstanden hat, wird nicht tagelang vor einen Eisbärengitter verharren und Unsummen in Plüschtiere verschwenden, während der Lebensraum für Eisbären buchstäblich zwischen unseren Fingern wegschmilzt, täglich tausende Quadratmeter Meeresboden mit Öl verseucht, Regenwälder abgeholzt sowie Giftschlamm und anderes illegal entsorgt werden. Wo bleibt hier der stündliche Aufschrei?

Wie weit wir uns schon von unserer Natur und er Realität entfernt haben, zeigen die Reaktionen auf eine irreversible Katastrophe in Fukushima: Während jeder halbwegs interessierte Mensch in Anbetracht der Erdbeben- und Tsunamigewalt sofort Sicherheitsbedenken hinsichtlich der AKWs äußerte, und es angesichts der zerstörten Reaktoren klar sein konnte, dass demnächst Trinkwasser und Lebensmittel kontaminiert sein würden, werden Mitarbeiter bei Rettungsversuchen, die von vorne herein zum Scheitern verurteilt sind, in ebendiesen AKWs verheizt von einem Krisenstab, der mit einem bisher unvorstellbar naiv-tödlichen Dilettantismus agiert. Und die Welt schaut zu, mit der scheinbar einzigen Sorge, ob und wenn ja, denn wann ein bisschen Radioaktivität auf entlegenere Kontinente trifft.

Allein die Formulierung: „Das Leitungswasser in Tokio solle bis auf Weiteres nicht zur Zubereitung von Babynahrung verwendet werden“, lässt an der Existenz des „homo sapiens“ (ver)zweifeln. Knut ist tot – in Japan sind Abertausende, nicht zuletzt auf Grund eines gänzlich fehlenden Krisenmanagements, dem Tode geweiht. Ihnen sollten aktuell ein Aufschrei und die Gelder zugutekommen, die für Souvenirs verplempert werden.

Es sind nicht nur die Politiker, die, gewissenlos und wahlkampftaktisch handelnd, an den Pranger gestellt gehören; Es ist die Menschheit an sich, die sich weiterhin ohne Not, immer offensichtlicher von rationalem vernünftigen Denken und Handeln entfernt. Mensch und Natur sollten aufeinander zugehen, solange es noch Zeit dafür ist. So geduldig die Natur auch sein mag, es ist an uns Menschen, mehr als den ersten Schritt zu tun – die Natur hat uns nicht nötig!

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