Mittwoch , 20 März 2019
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Profil muss sein. Profiling nicht. Schon gar nicht auf Flughäfen

sicherheitskontrolleDer künftige Chef des deutschen Flughafenverbandes, Christoph Blume, schlägt vor, ein „Profiling“ nach israelischem Vorbild auf deutschen Flughäfen einzuführen. Reisende sollen nach Alter, Ethnie und Geschlecht unterschiedlich kontrolliert werden. Lese ich in der Zeitung. Und frage meine alte Tante Hildegard um Rat. Die sitzt in ihrem Lehnstuhl, hat ihre Brille auf der Nase und eine frische Tasse Kaffee auf dem Tisch mit dem Spitzendeckchen. “Na Jung? Wat jibt et?“ lächelt sie mich schelmisch an.

“Sag mal Tante Hildegard” fange ich an, “hat man bei euch früher auch Reisende sortiert?”

“Wie denn: sortiert?” fragt sie zurück. “Wer will denn Reisende sortieren?”

“Herr Blume” sag ich. “Er sagt es ganz unverblümt. Auf den Flughäfen will er das machen.”

“Was will er denn sortieren? Reicht doch, wenn die Leute dahin kommen, wo sie hin wollen? Koffer kann er ja sortieren, wenn noch Zeit ist. Das andre ist Quatsch” grummelt die Alte.

“Es ist wegen der Sicherheit” wende ich ein.

“Wie jetzt: wenn er die sortiert, dann fliegen die sicherer?” fragt die Alte zurück. “Hat der keine andren Sorgen?”

“Er will die Reisenden sortieren: woher sie kommen, zu welchem Volk sie gehören und nach Männern und Frauen.”

“Na, da braucht er ja ne Menge Kabinen” meint die Alte. “Und wenn er sie sortiert hat, was macht er dann?”

“Das hat er nicht gesagt” murmle ich. “Er will wohl welche aussortieren.”

“Wie jetzt: aussortieren? Meinst Du, er will da wen nicht mitfliegen lassen?”

“Ja, so ungefähr sieht das aus.”

“Also nochmal, damit ich alte Frau das auch kapier: da geh ich also zum Flugplatz und will verreisen. Und dann muss ich mich nicht nur in eine Schlange anstellen, sondern werde auch noch sortiert? Eine deutsche Schlange. Eine arabische. Eine russische. Eine Chinesische. Eine mit Männern, eine mit Frauen, eine für junge Männer, eine für alte Männer, eine für junge Frauen, eine für alte Frauen; eine für junge Frauen aus Arabien, eine für alte Frauen aus Deutschland, eine für junge Männer aus Russland und eine für alte Männer aus Belutschistan? Was soll das denn sein?”

“Naja, es ist wegen der Sicherheit” wiederhole ich mich.

“Hm” denkt die Alte nach. “Das wird mit Sicherheit noch langsamer.” Nimmt einen Schluck aus der Kaffetasse und fährt in ihren Überlegungen fort: “Da ist er aber inkonsequent, dieser Herr Blume.”

“Wie meinst du?” frage ich.

“Na, wenn er schon sortieren will, dann könnte er doch auch anders sortieren: nach der Schuhgröße der Onkel oder der Schnullergröße der Enkel oder nach der Brillenstärke der Tanten. Nur mal so als Beispiel. Da wär noch vieles denkbar. Sag mal, ist der eigentlich noch bei Trost?”

“Ich weiß nicht recht” sage ich “es ist wegen der Sicherheit”.

“Ich merk schon, die haben nichts mehr zu tun heutzutage. Machen sich den Tag verrückt. Fangen an, die Dinge zu sortieren. Ich hatte mal einen Nachbarn, der fing auch damit an, die Dinge zu sortieren. Den ganzen Tag schob er sie von einer Ecke in die andre, steckte sie von einem Regal ins andre. Wurde gar nicht mehr fertig damit. Aber es hat dann nicht mehr lang gedauert. Der arme Kerl….”

“Wieso? Was war denn mit dem?”

“Abgeholt haben sie den. Kam in die Klinik. Da haben sie ihm Bauklötzchen gegeben. Die hat er dann sortiert den Tag lang. Und regelmäßig zu essen hat er auch gekriegt.”

“Findste?” frag ich nach.

“Ja” sagt meine alte freche Tante. “Find ich. Verrückt ist sowas. Gebt ihm Bauklötzchen. Und regelmäßig zu essen. Mehr kann man nicht mehr tun für den…..”

Meine alte Tante ist praktisch veranlagt. Bauklötzchen und regelmäßig zu essen. Das hat was!

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