Montag , 25 Januar 2021
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Tatort Internet – Sexuelle Belästigung für die Einschaltquote

verbotene_liebeWer glaubt Menschen, deren Beruf viel Humor beinhaltet, sind auch sonst grundsätzlich zu Scherzen aufgelegt, der irrt da gewaltig. Manchmal ist Humor aber das einzig wahre Mittel, um das unerträgliche Sein der Leichtigkeit zu verarbeiten. Doch auch, oder gerade im Leben eines Humoristen gibt es Momente, da schafft es das Lachen nicht mal mehr bis in den Hals, um dort stecken zu bleiben, sondern breitet sich wutentbrannt in der Faust aus, mit der man dann gerne mal rein schlagen möchte. Zum Beispiel in den Gebühreneinzugszentralengeldautomaten. Selbst wenn es sich gerade um einen Privatsender handelt, den man darin verfolgt. Nach Mitternacht einen Film bei RTL II zu schauen, befreit einen dann auch nicht von der gebührenden Portion Werbung, nur das die sich ein wenig anders gestaltet, als zum nachmittäglichen Doku-Soap Desaster.

Da beginnt die Werbesequenz mit Abenteuer 18, geht über zu heißen Filmchen von Pornostars im schon leicht pensionsberechtigten Alter, switcht mal eben zu „Tatort Internet – Schützt endlich unsere Kinder“, um dann mit dem Jamba Abo, „Willst du endlich mal Frauen auf der Straße nackt sehen, dann wähle XXXX für den Nacktscanner fürs Handy“, zum Finale zu kommen. Erst mal nichts Neues. Aber halt! „Tatort Internet“? Das ist doch diese gnadenlose Verbrechenbekämpfungsserie bei RTL II (it´s fun), wo eine Burnoutsyndrom-Geschädigte Pseudo-Aufklärerin den, für ein paar Euro engagierten, „Schauspieler“, der als Kinderschänder getarnt und vor laufender Kamera verpixelt ist, zum Guten bekehren will? Ist das nicht diese Sendung, für die Deutschlands begattetstes Liebchen, Verzeihung,  beliebtestes Gattinchen, Frau Steffi zu Kriegsminister Guttenberg, ihr Blondköpfchen hin hält und für die totale Internetzensur wirbt? Was, wenn es dabei wirklich um authentische Fälle und Täter gehen würde ja vielleicht sogar noch nachvollziehbar wäre. Aber ein Sexualstraftäter, der in aller Seelenruhe sitzen bleibt, während ein, schon aus einem Kilometer Entfernung erkennbares, Kamera Team auf ihn zu rollt und sich das Gesabber dieser Möchtegern Kinderschützerin anhört und einen auf begossenen Pudel macht?!

Man sollte doch meinen, dass es bei einem solchen Thema selbst den Leichenfledderern von RTL II an die moralische Grenze gereicht. Doch anscheinend ist zur Aufbesserung der, durch gefloppte Schwachkopf-Dokus nieder getrampelten, Einschaltquote alles recht. „It´s Fun“ ist und bleibt doch das Motto bei RTL II, selbst wenn es dabei um sexuelle Gewalt an Kindern und Jugendlichen geht. Und natürlich Kohle machen, was dann über eine kostenpflichtige „Nothotline“ noch zusätzlich abgedeckt wird.

Dabei ist das, was mich eigentlich an der ganzen Sache am meisten anekelt, nicht der Fake an sich, denn so was ist man von der Volksverblödungsmaschine Fernsehen ja gewohnt und ruft immerhin das Thema wieder in die Köpfe des sensationsgeilen Privat TV Junkies. Sondern erstens die Tatsache, dass Aufsichtspflicht verletzende Eltern, denen es anscheinend scheiß egal ist was ihre 13 jährigen Kinder im Internet machen, oder die einfach zu doof sind mit ihren Kindern ein vernünftiges Wort zu wechseln, mal eben fein raus gehalten werden und zweitens, was noch viel perverser als alles andere ist, die organisierte Kinderschändungs-, und Tötungskriminalität mit nicht einem Wort erwähnt wird.

Warum, fragt man sich da. Ist es vielleicht deshalb, weil es lebensgefährlich ist darüber zu reden, dass Kinder zu Tausenden entführt werden um sie dann an die Leute, die es sich leisten können, zu verkaufen, oder zu „vermieten“, damit die sie dann mit unvorstellbarer Brutalität, möglichst vor laufender Videokamera, quälen können? Ist es deshalb, weil Politiker, Richter, Industrielle und viele andere Geldsäcke zu genau denen zählen, die sich so etwas leisten können?

Nicht zuletzt lässt mich dann auch noch die Tatsache, dass sich ein doch so friedfertiger Krieger wie Xavier Naidoo für diesen Mist hergibt, nur zu dem Schluss kommen, dass er sein Gehirn inzwischen komplett verkifft haben muss.

Einmal mehr möchte ich hier auf meinen Leitsatz hinweisen:

Bitte glauben Sie uns kein Wort, sondern schauen sie lieber selber nach und machen sich ein Bild, dann brauchen sie auch keine Meinung!

Und ich möchte klar stellen, dass es sich bei dem Geschriebenen um meine ganz persönliche, subjektive Empfindung, aufgrund meiner Beobachtung handelt, die ich gerne zur Diskussion stelle.

Oliver Wellmann – www.oliver-wellmann.de

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