Mittwoch , 25 November 2020
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Legale Abzocke: Abmahnland Deutschland – mit einem Brief hunderte Euro verdienen

In Deutschland ist es leider zur Normalität geworden, dass selbsternannte “Abmahnanwälte” mehr oder weniger den ganzen Tag durch das Internet stöbern, um irgendwelche Verstöße – ob nun klein oder groß – gegen das Nutzungsrecht zu finden und zu ahnden. Dabei ist es noch nicht einmal nötig, dass Unternehmen diese Anwälte beauftragen. Sie haben ihr eigenes Mandat kreiert und arbeiten auch ohne einen gezielten Auftrag. Schließlich lässt sich mit diesen Abmahnungen viel Geld verdienen. Und warum sollte man das dann nicht machen.

Abmahnungen in Deutschland – ein gutes Geschäft

Foto: Stephan Schindelin / pixelio.de
Foto: Stephan Schindelin / pixelio.de

In Deutschland werden jedes Jahr viele Million Euro mit Abmahnungen umgesetzt. Und jedes Jahr werden es mehr. Es gibt Anwälte und Kanzleien, die sich ganz gezielt auf Abmahnungen spezialisiert haben. Die Gründe hierfür liegen mit Sicherheit in der Tatsache, dass sich damit sehr viel Geld verdienen lässt und das man sich nicht mühsam um Kundschaft bemühen muss. Denn diese findet man in großer Fülle direkt im Internet.

Über 4 Millionen Menschen in Deutschland sind schon abgemahnt wurden. Bis zum Sommer haben die Abmahnanwälte im Schnitt rund 800 Euro pro Abmahnung verdient. Nun ist ein Gesetz in Kraft, was diese extremen Forderungen deckeln soll und die Gebühren für die Anwälte reduziert. Doch viele dieser Anwälte kennen die Schlupflöcher im Gesetz sehr genau und wissen diese zu umgehen. Wenn man nicht auch zu den vielen Abgemahnten gehören möchte, die viele hundert Euro für ein kleines Missgeschick, welches meist aus Unwissenheit geschehen ist, auf den Tisch legen möchte, dann sollte man recht vorsichtig sein mit den Dingen, die man im Internet nutzt und die man von anderen Seiten kopiert.

Die Abmahnanwälte

Es gibt einige Abmahnanwälte in Deutschland, die bereits bundesweit bekannt sind. Zu ihnen gehören unter anderem Daniel Sebastian, APW Rechtsanwälte, Jeff Martin oder auch Bindhardt Lenz. Die Namen sind nur willkürlich zusammengetragen und stellen eine kleine Auswahl dar.

Diese Anwälte haben sich alle auf ganz spezielle Künstler, Labels und Unternehmen spezialisiert und suchen gezielt nach Verstößen im Internet. Haben sie diese gefunden, dann geht sofort der Brief mit der Abmahnung und der Unterlassung heraus. Als Betroffener bekommt man keine Chance den Sachverhalt klarzustellen oder zu berichtigen. Zahlt man nicht, wird mit noch weitaus höheren Summen gedroht. Da solche Anwälte keinen Spaß verstehen, sollte man deshalb keine Fristen verstreichen lassen und sich im Zweifelsfall möglichst schnell rechtlichen Beistand suchen.

Was abgemahnt werden kann

Heutzutage kann sehr viel abgemahnt werden. Das beginnt beim fehlenden oder unvollständigen Impressum und reicht über Fotos, Textpassagen, Logos, Slogans oder andere Schriftzüge bis hin zu heruntergeladenen Videos und Filmen. Wer nicht aufpasst und zum Beispiel bei eBay ein Telefon verkaufen will und dafür das Bild vom Hersteller nutzt, kann schnell mit einer Strafe von 500 bis 1.000 Euro rechnen. Auch fehlende AGB´s, Filesharing oder das Fehlen einer Wiederrufsbelehrung kann abgemahnt werden. Die Möglichkeiten sind so vielfältig, dass man als Verbraucher kaum noch den Überblick behalten kann und eigentlich Angst vor dem Internet und dessen Kosten haben müsste.

Was tun bei Abmahnungen?

Eine Abmahnung sollte niemals ignoriert werden. Egal wie lästig und nervig diese auch ist. Denn die Anwälte, die dahinterstecken, vergessen die Abmahnungen nicht. Sie werden dranbleiben. Und zwar so lange, bis sie ihr Geld haben. Alles – bis auf den letzten Cent. Und wenn sie dafür bis vor den Bundesgerichtshof ziehen müssen.

Wichtig ist deshalb, dass man die Fristen einhält und sich schnell Unterstützung sucht. Wer sich keinen Anwalt leisten kann, der kann auch zur Verbraucherzentrale gehen. Dort kann man in den meisten Fällen auch eine Beratung anbieten und die weitere Vorgehensweise erläutern.

Zudem ist es wichtig, dass man das Abgemahnte sofort entfernt oder auch ergänzt. Je nachdem, warum eine Abmahnung ausgesprochen wurde. Wer unschlüssig ist, sollte die Internetseite oder ähnliches erst einmal vom Netz nehmen, bis alles geklärt ist. Alles andere sollte man dann den Profis überlassen und in einer Rechtsberatung klären.

Wird das weniger?

Die Abmahnungen werden mit Sicherheit nicht weniger werden. Ganz im Gegenteil. Da die Gebühren für die Anwälte gedeckelt wurden und deren Einkommen somit sinkt, kann man davon ausgehen, dass diese nun nach akribischer nach “Sündern” im Internet suchen werden, um ihr Einkommen und Auskommen zu sichern. Man muss also selbst schauen, dass man diesen Geldhaien entkommt und versuchen, so wenige wie nur möglich im Internet aufzufallen.

Wie man sich dagegen schützen kann

Einen richtigen Schutz gegen Abmahnungen kann man eigentlich nur erwirken, wenn man sich nicht bei fremden Anbietern bedient. Schriftzüge, Fotos oder auch Warenlogos sollten nur dann verwendet werden, wenn man sich das OK des dazugehörigen Unternehmen oder des Urhebers geholt hat. Da dies oftmals nicht so einfach ist, sollte man einfach die Finger davon lassen. Oder haben Sie schon einmal versucht, Bill Gates bezüglich seines Logos für Microsoft um Genehmigung zu bitten?
Gut, der Herr ist nun eine ganz große Nummer und wirklich schwer zu erreichen. Aber bei den Abmahnungen reicht es schließlich schon aus, wenn man sich bei einer anderen Privatperson oder einem kleinen Unternehmen bedient. Und auch die müssen erst einmal erreicht und mit ihnen ein schriftlicher Vertrag über die Nutzungsrechte fixiert werden. Keine leichte Aufgabe, die man sich sparen kann, wenn man selbst kreativ wird.

Wer bei eBay private Dinge verkaufen will, der sollte sie einfach selbst fotografieren. Auch wenn die Bilder der Anbieter immer professioneller aussehen, so spart man sich mit den eigenen Fotos viel Ärger und auch die entsprechenden Abmahnungen. Und auch die Produktbeschreibung sollte niemals 1:1 übernommen werden. Ein paar eigene Sätze sind schnell formuliert. Und wer es ganz genau machen möchte, der kann auf die Produktbeschreibung vom Hersteller verweisen und eine entsprechende Internetseite angeben. Das ist erlaubt und wird auch nicht geahndet.

Ansonsten kann man viel Hilfe und Unterstützung beim Abmahnungsberater.de erhalten. Hier kennt man sich aus mit dem leidigen Thema und gibt wichtige Hinweise und Tipps. Zudem kann man sich bei Rechtsstreitigkeiten vertreten lassen.

Tipp: Der Abmahnungsberater ist auch telefonisch oder per e-Mail erreichbar.

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