Dienstag , 19 Januar 2021
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Schwere Zeiten für Tabakgenießer

rauchen_verbotenNun, statt Tabakgenießer ließe sich natürlich auch das Wort Nikotinsüchtige verwenden. Wie auch immer, Millionen von Menschen sind, meist im jungen Alter, in diese Sucht geglitten. Der Genuss der Zigarette wurde zum wesentlichen Bestandteil ihres Lebens. Während es den Herstellern von Rauchwaren weiterhin erlaubt ist, ihre Produkte mit einer Unzahl chemischer Zusatzstoffe zu versetzen, finden sich deren Konsumenten mit immer mehr Schikanen konfrontiert, die weit über den Schutz von Nichtrauchern hinausreichen. Wie so vieles, begann die Kampagne gegen Raucher in Amerika und wurde erst später von Europa übernommen. Der nächste Schritt im „Land der unbegrenzten Möglichkeiten“ ist ein Rauchverbot im Freien.

Wie sonderbar wirken Filme aus den 1960er und 1970er Jahren auf uns, in denen regelmäßig Rauchschwaden in der Luft zu sehen waren. Wissenschaftler hielten ihren Glimmstängel während Besprechungen ebenso in der Hand wie Ärzte in ihrer Praxis. Kein Raucher kann stolz darauf sein, sich damals von diesem, von allen Medien gleichermaßen promovierten, Unsinn mitreißen haben zu lassen. Hoch sei sowohl das Werbeverbot für Zigaretten (und warum eigentlich nicht für andere sinnlose, gesundheitsgefährdende Produkte) gelobt als auch das weitgehende Verschwinden von Rauchszenen aus Spielfilmen.

Doch, ungeachtet dessen, dass wohl jeder damit übereinstimmt, jungen Menschen die Lust auf die Einnahme suchtfördernder Stoffe zu verleiden, viele Millionen sind an den Genuss von Tabakwaren gewöhnt – oder, besser gesagt: Sie sind schlichtweg abhängig. Dabei handelt es sich um einen wesentlichen Anteil der gesamten Bevölkerung. Auch wenn Raucher mittlerweile als Minderheit zählen, ihr Anteil ist bei weitem größer als jener anderer Minderheiten, die, sich auf „politische Korrektheit“ berufend, Rücksicht, Verständnis, Akzeptanz und oft sogar Sonderrechte fordern.

Verfechter von Rauchverboten verweisen üblicherweise auf den Schutz der Gesundheit von Nichtrauchern. Das tragische Passivrauchen. Amerikanische Werbespots gehen diesbezüglich sogar so weit, Rauch zu filmen, der durchs Schlüsselloch ins Kinderzimmer eintritt. Oder Rauchschwaden, die, in Abwesenheit des Kindes, einen Teddy umgeben, der plötzlich vom glückstrahlenden Sprössling umarmt wird. Was für ein erschreckender Anblick.

Nebenbei sei vielleicht erwähnt, dass ein durchschnittlicher Raucher etwa 200 g Tabak pro Woche verbrennt. Ein durchschnittlicher Autofahrer füllt im gleichen Zeitraum rund 40 Liter Benzin in seinen Tank, die, nach dem Verbrennen, als Abgase durch den Auspuff in die Luft geraten. Sollte jetzt jemand glauben, dass Katalysatoren den Giftgehalt wesentlich reduzieren, so sei er daran erinnert, dass es auch heute noch Menschen gibt, die sich durch das Inhalieren von Abgasen das Leben nehmen. Mit Tabakrauch würde das wohl kaum gelingen.

Ungeachtet, ob es für die Gesundheit nun wirklich so gefährlich oder ob es bloß lästig ist (wie vieles andere auch), sich in der Nähe eines Rauchers aufzuhalten, nachdem es in vielen Fällen tatsächlich an Respekt und Rücksichtnahme fehlte, werden Einschränkungen weitgehend akzeptiert. Allerdings, wiederum von manchen Regionen in Amerika ausgehend, die Maßnahmen nehmen mehr als übertriebene Formen an. In einigen Fällen lässt sich der Vorwand, Nichtraucher schützen zu wollen, keinesfalls mehr erkennen.

In Flugzeugen wurde das Rauchen verboten, um die Kosten für den Luftaustausch zu sparen. Wenn die Temperatur der Außenluft bei minus 60 Grad liegt, bedarf das Erwärmen relativ großer Mengen an Energie. Doch warum gibt es keine Raucherabteile in Eisenbahnen mehr?

Die neueste Gesetzesänderung in Bayern, die nach einer Volksabstimmung ein allgemeines Rauchverbot über alle Gaststätten verhängte, schloss gleichzeitig auch die Möglichkeit von Raucherklubs aus. Natürlich handelt es sich bei der Gründung eines derartigen Klubs um ein Umgehen des Gesetzes. Allerdings, wenn alle Anwesenden damit einverstanden sind, wer soll in solchen Fällen vor den Rauchern geschützt werden? Das Personal? Genauso wenig wie jemand gezwungen wird, in einer chemischen Fabrik zu arbeiten, darf sich auch der Kellner seinen Arbeitsplatz selbst aussuchen.

In vielen amerikanischen Bundesstaaten, ebenso wie in Kanada, wird die Zahl jener Hotels immer größer, die ihren Gästen das Rauchen im gemieteten Zimmer verbieten. Beim Einchecken wird informiert, dass, im Falle des Zuwiderhandelns, zwischen $100 und $250 Gebühr für die Reinigung von der Kreditkarte abgebucht werden. Zum Schutz der Nichtraucher?

Seit gestern ist in der kanadischen Stadt Vancouver das Rauchen in öffentlichen Parkanlagen und am Meeresstrand verboten. In Gastgärten war dies ohnehin schon seit längerem der Fall, auch wenn diese an befahrenen Straßen liegen. Kalifornien, und es ist nicht der einzige Bundesstaat, bastelt an ähnlichen Gesetzen.

Auch in Deutschland ist die Lobby der Tabakverächter äußerst aktiv. Kommentare zu diesem Thema sind meist polemisch und uneinsichtig. Raucher zur Rücksichtnahme anzuhalten ist absolut berechtigt. Doch wo liegt der Sinn, Rauchern ihr Leben auf allen Ebenen zu verleiden? Sie könnten es sich ja abgewöhnen? Warum? Weil irgend eine internationale Lobby es so beschlossen hat? Wäre alles in unserer Umwelt so sehr auf Gesundheit ausgerichtet, könnte man dieses Argument gelten lassen. Doch davon sind wir weiter entfernt denn je.

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