Samstag , 18 Januar 2020
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Nein, mein Asyl, das geb ich nicht…

kindersoldatEs gibt Themen, über die kann man nie genug schreiben, nie genug darüber reden, nie genug dafür oder dagegen unternehmen. Es gibt aber auch Themen, da kann ich nicht als Satiriker dran, es geht einfach nicht. Eines der Themen, welches ich meine, das sind die Kindersoldaten. Versuche ich es also diese eine Mal  mit einer Zustandsbeschreibung und mit meiner Zustandsbeschreibung. Gott sei Dank, wir haben in dieser Republik keine Kindersoldaten. Das Mindestalter für die Einstellung bei Polizei und Bundeswehr beträgt 17 Jahre, ein Einsatz, gleich welcher Art, vor Erreichung der Volljährigkeit ist faktisch ausgeschlossen. 

Nicht nur gut, sehr gut ist das – mehr fällt mir dazu nicht ein. Es ist also alles in Ordnung, so sollte man denken. Wenn da nicht die bösen Länder und Gebiete wären, in denen es doch Kindersoldaten gibt. Kleine Menschinnen und Menschen werden ganz einfach entführt, gefoltert, vergewaltigt, geschlagen, an der Seele verletzt, man lässt sie hungern und dursten. Und dies tut man nur, damit sie für die Erwachsenen, also für die Großen oder für jene, die sich dafür halten, andere Erwachsene und Kinder foltern, vergewaltigen, schlagen oder töten. Es ist, Gott sei Dank, nur ein temporäres Problem, weltweit sind das gerade einmal 250.000 Kinder und Jugendliche. Eigentlich also nichts, worüber es sich aufzuregen lohnt. Die paar kritischen Berichte und Pressekonferenzen im Jahr sind leicht auszuhalten, es gibt schlimmeres.

Wenn da nicht, ja wenn da nicht ein paar verwegene ehemalige Kindersoldatinnen und Kindersoldaten wären, welche es tatsächlich schaffen, über unsere Außengrenzen einzusickern. Also gibt es doch Kindersoldaten bei uns? Weit gefehlt, jetzt greift das deutsche Recht. Darauf kann man sich auch in diesem besonderen Fall verlassen. Auch in unserer Vergangenheit konnten wir uns stets darauf berufen, im Recht zu sein. Für die Richtigkeit war, wird und ist in Deutschland immer gesorgt.

Alles, was jetzt kommt – bitte glauben Sie mir, entspricht der aktuellen deutschen Gesetzeslage, der Rechtsprechung bei uns. Ich habe nichts erfunden oder hinzugefügt, was die Fakten angeht. Weiter befürchte ich, dass der eine oder andere Kommentar oder eine Randnotiz, eine Bemerkung nicht zu unterdrücken sind.

Zunächst sorgen wir dafür, dass die Bude zum großen Teil sauber bleibt. Für die meisten Länder mit dem Problemfeld gilt, selbst Minderjährige unter 16 Jahren benötigen eine Aufenthaltsgenehmigung nach dem uns rettenden § wasweißichwas. Bundesamt für die Anerkennung Ausländischer Flüchtlinge, so heißt ein Laden, der für diese Kinder feststellt, dass es sich bei Ihnen in der Regel um Deserteure handelt. Ferner teilt man mit, die Fahnenflucht  allein ist als Anerkennungsgrund für politische Flüchtlinge nicht ausreichend. Im Umkehrschluss heißt das für mich, die Rekrutierung von 10-Jahre alten Kindern entspricht den „normalen“ Gepflogenheiten und ist nicht zu kritisieren.

Trotzdem, wir sind besser als unser Ruf. International hat die unsrige Bundesrepublik im Völkerrecht eine deutliche Verbesserung der Rechte von Kindern im Völkerrecht erreicht, bravo. Umgesetzt in die eigene Rechtssprechung hat man das aber nicht, dem Innenministerium sei Dank. Da drängen sich ein paar Fragen auf, zum Thema und zu unserem Vorgehen.

Warum kann in Deutschland die Teilnahme an einem Krieg als eigentlich unpolitisch eingeordnet werden? Wieso reicht für das Asyl bei uns die internationale Ächtung der Rekrutierung von Kindern und deren Einsatz in Kampfhandlungen nicht aus und warum brauchen diese Kinder noch einen Politmalus, was immer das ist? Warum ist Fahnenflucht keine hochpolitische Tat, um sich Unterdrückung, Missbrauch usw. zu entziehen? Wieso wird es nicht als politische Verfolgung eingestuft, wenn Rebellengruppen sowie die Regierungstruppen der jeweils anderen Seite Kinder als so genannte „Deserteure“ oder Gefangene meist foltern oder töten? Wie lässt es sich rechtfertigen, diese Kinder und Jugendlichen zurückzuschicken, damit diese zunächst „interne Fluchtalternativen“ nutzen? Wie will man erreichen, dass sie diese Alternativregionen überhaupt lebend erreichen? Meine letzte Frage: Woher weiß das Bundesamt für die Abschiebung von Kindersoldaten überhaupt, ob es diese Regionen gibt, diese sicher sind und die Kinder dort willkommen? Tja, was für bösartige Fragen.

Bringen wir es auf den Punkt: Unsere Regierung, insbesondere unser Innenminister und seine Beamtenschaft aus dieser unsägliche Stelle zur Kinderverschickung tun alles in ihrer Kraft stehende, das Problem mit den Kindersoldaten aus unserem Land herauszuhalten. Bravo und Danke dafür, weiter so.

Ich mag jetzt nicht mehr schreiben, mir reicht es wirklich. Wenn sie wollen, dass es Ihnen auch so geht, lesen Sie die Berichte von „terre des hommes“. Viel Spaß dabei.

 

© Peter Reuter

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