Samstag , 26 September 2020
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Unfassbar – „Wir“ sind draußen, oder sind „die“ ausgeschieden?

smileyfussballDeutschland ist raus aus dem Rennen um den Titel der Fußball-WM 2010. Das ist ein Fakt. Nach zwei Spielen „Hurra-Fußball“, die man sonst nicht einmal von den Brasilianern gewohnt war, ist bittere Ernüchterung eingetreten. Nichts hat mehr an das Auftreten gegen Argentinien und England erinnert. Vorbei war’s mit der Attacke und dem Hunger nach Toren im mittleren einstelligen Bereich. Dabei hätten nur 50% der vorher eindrucksvoll gezeigten Leistung ausgereicht, um den Spaniern das Fürchten zu lehren. Es sollte wohl nicht sein und nun fragt man sich, was aus der Euphorie im Lande wird. 

Ob es nun an der Nicht-Anwesenheit der Bundesglücksbringerin lag, am Orakel-Kraken Paul, am Lärm der Vuvuzelas, Lahms Diskussionsanregung zum Thema Kapitänsbinde oder schlicht daran, dass man einer möglichen Finalniederlage gegen Holland aus dem Weg gehen wollte, wird sich nicht endgültig klären lassen. Einige andere und sogar sinnvolle Optionen gibt es ja auch noch. Gestern war einfach die Luft komplett raus, mit diesem Spielstil wäre wahrscheinlich sogar die Vorrunde eine unüberwindbare Hürde gewesen. Und ob die beiden vorangegangenen Sensationsspiele ein „2-Hit-Wonder“ waren, wird sich auch erst dann herausstellen, wenn es wieder um eine echte Wurst geht. Das kleine Finale um Platz 3 wird hier keinen Aufschluss geben. Der Pokal der Frustrierten ist so unnütz wie die nächste Staffel DSDS. Beides gehört abgeschafft.

Wie geht man aber jetzt mit dieser Niederlage um? Noch kurz vor Anpfiff des Halbfinales waren nicht nur Hardcore-Fußball-Fans stolz auf das Team und hatten Spaß am zuschauen. Diese Freude ist einem beim Betrachten der 90 Minuten Dauerabwehr gegen Spanien allerdings abhanden gekommen. Wäre es wenigstens ein begeisterndes und dramatisches Spiel gewesen, dass nach Verlängerung mit 4:5 verlüstig gegangen ist, könnte man sich ärgern und noch tagelang darüber diskutieren an welcher Stelle das Momentum, oder das Glück gefehlt haben. Aber was hier zu sehen war, kann nur emotionslos hingenommen werden und wer es ganz genau nimmt, muss zugeben, dass das 0:1 eher einem Schmeichelergebnis gleichkommt.

Etwas übertrieben formuliert hat es der FDP-Bundestagsabgeordnete Johannes Vogel in seiner Twitter-Nachricht kurz nach dem Spiel: „Was für eine Scheiße! L“. Ob er nur extremer Fußball-Fan ist, oder das Ausscheiden der deutschen Mannschaft auch als Ende der Schonzeit für die desolate Regierungskoalition sieht, konnte nicht in Erfahrung gebracht werden. Tatsache wird aber sein, dass mit dem heutigen Tag die Autofähnchen und Rückspiegel-Überzieher vermehrt in den Kellern oder Kofferräumen verschwinden, wo sie eigentlich auch hingehören, es sei denn man ist auch in der Zeit zwischen Welt- und Europameisterschaften Patriot.

Und waren es gestern noch „unsere Jungs“ und „wir“, die da in Südafrika vortreffliches geleistet haben, so ist seit heute wieder häufiger von „die“ und „denen“ die Rede, aber so ist das nun mal wenn eine Weltmeisterschaft nicht mit dem Titel endet.

Spaß gemacht hat es über weite Strecken trotzdem und das sollte nicht in Vergessenheit geraten, wenn man sich ab sofort wieder um die wirklich wichtigen Dinge im Lande kümmert. Und das werden ja hoffentlich alle tun. Und bereits im nächsten Jahr dürfen dann auch wieder die Fahnen geschwenkt werden, denn dann ist wieder WM, sogar in Deutschland und eventuell bescheren uns ja dann die Fußball-Frauen endlich einmal ein Sommermärchen mit Happy End.

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Nachtrag: Wie uns eben ein Leser zugetragen hat, gibt es sogar noch in diesem Jahr eine Fußball WM auf deutschem Boden: Vom 13. Juli bis 1. August kämpfen die Juniorinnen (U20) um den Titel. Das Finale findet in Bielefeld statt.

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