Montag , 25 Januar 2021
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Man(n) muss auch mal Zugeständnisse machen, sogar beim Fußball

deutschland_fans_fussballDie Fußball-Weltmeisterschaft. DAS Ablenkungsmanöver des Jahres. Der Teil von „Brot & Spiele“, der einfacher zu bewerkstelligen ist und letztlich kaum Steuergelder* kostet. Ein Entlastungsangriff für die angeschlagene Koalition, um zumindest für ein paar Tage oder Wochen aus der direkten Abschusslinie der Presse und des Volkes zu kommen. Schließlich gibt es über 80 Millionen Bundestrainer und während einer WM wird das ganze Land so patriotisch, wie man es sich eigentlich für die WM-freie Zeit wünschen würde. 

Hätte man vor guten drei Wochen den bundesdeutschen Durchschnitts-Jogi befragt, der zudem noch ein gewisses Interesse für Politik und Restwelt-Geschehen in sich hegt, wie es denn kommen wird, wäre die Aussage wohl in dieser oder ähnlicher Form ausgefallen: „Wir werden uns beim Fußball, wie gewohnt, irgendwie durchkämpfen, die Presse wird es hochjubeln und die Damen und Herren in Berlin werden uns künstlich euphorisierten Bürgern ganz nebenbei den einen oder anderen politischen Hackentrick unterjubeln.“

Nun kann man zwar nicht behaupten, dass die Politik hier auf ganzer Linie versagt hätte. Die Idee mit der Erhöhung der Krankenkassenbeiträge ist schon ein starkes Stück, was im kollektiven Jubel unterzugehen droht, aber das, was Jogis Jungs da leisten, ist nicht mit den Worten „durchkämpfen“ und schon gar nicht mit „wie gewohnt“ zu beschreiben.

Selbst die allerletzten Fußball-Hasser, und wir haben einige dazu befragt, mussten zähneknirschend eingestehen, dass ihnen kalte Schauer über den Rücken laufen, wenn sie die Bilder aus Südafrika sehen. Manch einer hat die Vorrunde noch strikt ignoriert, konnte aber spätestens beim Spiel gegen Argentinien nicht mehr anders, als begeistert mitzujubeln.

Auch der Schreiber dieser Zeilen zählt sich zu den Menschen, denen handelsüblicher Fußball nicht die geringste Freude bereitet. Außer der FC Bayern würde einmal nicht deutscher Meister. Aber selbst da wird man ja meistens enttäuscht. 90 Minuten jagen 22 Spieler einem einzigen Ball hinterher und benutzen die, zum auffangen des Spielgeräts installierten, zwei Tore nur höchst selten, selbst Versuche dies zu bewerkstelligen bleiben oftmals kategorisch aus. Kein Wunder, dass die Amerikaner sich nicht so recht für „Soccer“ begeistern können.

Doch dann taucht da plötzlich eine Truppe auf, die einem die Freudentränen in die Augen treibt. Allesamt wohlbekannt, aber eben keine Megastars wie Messi & Co., sondern in allererster Linie eine Mannschaft, ein Team, ja man möchte schon fast sagen: eine funktionierende Koalition mit einem offenbar perfekten „Regierungschef“! Und es macht einen Riesenspaß, dieser National-Elf bei der Arbeit zuzusehen. Auch ohne jeglichen Patriotismus. Man muss nichts schönreden, es ist einfach schön.

Und weil gerade das Wort Koalition gefallen ist, vielleicht nutzt ja auch die schwarz-gelbe Abteilung die Gelegenheit, lässt sich positiv beeinflussen und krempelt ihren Spielstil einfach rigoros um, so wie die Herren in den kurzen Hosen es in jüngster Vergangenheit getan haben. Der Erfolg gibt ihnen Recht und was aus Streitereien wird, hat man am Beispiel Frankreichs eindrucksvoll erleben dürfen, oder besser gesagt müssen.

Um die ersten Sympathiepunkte zu sammeln, könnte Frau Merkel ja, im Falle eines Endspiels mit deutscher Beteiligung, einfach im Deutschland-Trikot auflaufen, oder sich zumindest eine deutsche Flagge in Form eines kleinen Ansteckers ans Hosenanzug-Oberteil heften. Peinlich muss ihr das, ob der tollen Leistungen von Schweini, Poldi und Kollegen, nun wirklich nicht sein. Hier wäre Patriotismus durchaus erlaubt. Dann klappt’s auch besser mit dem Wahlvolk!

Patriot oder nicht, wenn man den Blick nicht ausschließlich auf das Geschehen um die runde Kugel richtet, darf man ohne schlechtes Gewissen am Mittwoch alle zur Verfügung stehenden Daumen drücken, damit dieses Sommermärchen mit einem krönenden Abschluss endet. Verdient wäre es und nach dem Erhalt eines „Bundespräsidenten der Herzen“, könnte es gut tun, auch einmal einen, nicht nur gefühlten, Weltmeister aus den eigenen Reihen beglückwünschen zu können.

 

* wenn man vom „Dienstflug“ der Kanzlerin zum Viertelfinal-Spiel einmal absieht. Das Finale ist noch nicht erreicht, aber ein Zweitflug ist nicht auszuschließen.

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