Sonntag , 26 Mai 2019
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Arbeite wenig und du hast am Ende mehr von… ja von was?

muellauto_4colorArbeit verschafft Wohlstand. Arbeit macht…ja, eigentlich macht doch Arbeiten immer häufiger arm, abhängig, krank und unzufrieden. Ob das im Sinne des Erfinders liegt? Wenn Sie mich fragen tendiere ich zu einem bestimmten Nein, denn betrachtet man sich einmal die seit Jahren herrschenden Zustände von Angestellten, Arbeitern und kleinen bis mittelgroßen Selbstständigen, dann ist von einer Positivität des Arbeitens wahrlich immer weniger zu sehen. Depressionen, Magengeschwüre, Migräne, Panikattacken, Verschuldungen, geraubte Lebenszeit. Hört sich alles nicht so prickelnd an, erweist sich allerdings als genau das, was immer mehr Frauen und Männer durch ihren Alltag begleitet.

Galt früher noch, dass wer nicht oder nur stundenweise arbeitete eben auch nur wenig in der Lohntüte oder auf dem Konto hatte, zeigt sich heute, dass auch eine 70-80 Stunden Woche mitunter weniger an Plus ermöglicht als es bei einer 20 Stunden Woche noch drin ist. Paradox? Mitnichten, denn einmal davon abgesehen, dass man bei einem vielen, ja gar extremem, Arbeiten wertvolle und unwiederbringliche Lebenszeit verliert, erweist sich der Blick auf die monatliche Finanzlage immer öfter als Dilemma.

Da ist der in Vollzeit tätige Müllmann, der eine teilzeittätige Ehefrau und zwei Kinder im schulpflichtigen Alter hat. Neben seinem schweren Fulltime-Job hat der Mann noch drei Nebenjobs. Durchschnittlich drei bis vier Stunden Schlaf pro Nacht und seit Jahren kein freies Wochenende, außer im dreiwöchigen Urlaub, fordern schon lange ihren Tribut. Den er missachtet. Ist der über 40-jährige geldgierig? Hat er eine fette Hypothek auf dem Haus liegen? Ist er geil auf Luxusgüter? Weder noch. Im Gegenteil, die Familie lebt bescheiden in einer Mietwohnung deren Mietzins beständig ansteigt. Wie auch der Strom, die Lebenserhaltungskosten oder die Vereinsbeiträge seiner Kinder. Um nur einiges zu nennen. Zu allem Überfluss hält jeden Monat der Vater Staat die Hand hin und bereichert sich an dem vielen Arbeiten dieses Mannes. Dass bei solchen Bedingungen die Scheidungsrate ansteigt, sei mal so am Rande erwähnt. Ja, Arbeiten lohnt sich eben doch.

Die alleinerziehende Mutter möchte sich und ihre Kinder ohne Abhängigkeiten alleine durch das Leben bringen. Leider wird ihr aus unterschiedlichen Gründen kaum eine Möglichkeit gewährt sich diese Freiheit erlauben zu können. Somit musste sie bereits mehrmals Unterstützung beim Job-Center beantragen, die Arbeit behielt sie, beziehungsweise sie fand zumeist sehr schnell eine neue, wenn ihr gekündigt wurde, weil die Arbeitgeber neues Humankapital brauchten. Mit Eingliederungshilfe und Co versteht sich. Überstunden der jungen Frau wurden zwar abgegolten, aber der Staat hält am Ende des Monats geflissentlich die Hand auf und das auch noch ohne ein einziges Danke auszusprechen. Dass sie so nebenbei ihren Haushalt und die Kinder versorgt und auch sonst recht allein gelassen ist mit allen Problemen und Anforderungen, können Sie sich sicherlich vorstellen, oder?! Ach ja, und Zeit für das Entdecken eines neuen, potenziellen liebevollen Partners bleibt zudem außen vor, nicht zuletzt, weil Burnout selbst den letzten Krümel an Kraft für eine derartige Suche nimmt. Arbeiten lohnt sich wirklich.

Das geht nur Arbeitnehmern so? Aber nein, auch Ein-Mann oder Ein-Frau Unternehmen sowie kleine Betriebe mit einigen Angestellten tauchen immer häufiger in den Abgrund ab, der zwischen täglichen Überlebenskämpfen, Umsatzsteuer-Vorauszahlungen und anderen Steuern, 80 Stunden-Wochen und Ängsten, jegliche Motivation und Lebensfreude nimmt. Seinen Betrieb erhalten, und damit seine finanzielle bedingt vorhandene Unabhängigkeiten, nicht aufgeben und sei es bis zum Herzinfarkt, machen das tägliche Arbeiten nicht gerade einfacher. Kranke Beziehungen in jeglicher Form inklusive. Aber Arbeiten, und besonders viel Arbeiten, lohnt sich doch, oder wollen Sie immer noch etwas anderes behaupten, wobei diese drei Beispiele nur exemplarisch für Millionen von einzelnen Lebensschicksalen stehen?

Wer angesichts der Zustände freiwillig unter Hartz IV lebenden Menschen einen Vorwurf der Faulheit und Bequemlichkeit zu Lasten anderer macht, der sollte einmal tief in sich gehen und hinterfragen, ob das nicht unter dem Strich eine lohnende Entscheidung ist für derart Handelnde. Übrigens liegt hier die Betonung auf „freiwillig“. Denn das Arbeiten sich kaum mehr lohnt, kann auch dem Blindesten nicht mehr verborgen bleiben und rechtfertigt in meinen Augen tatsächlich nichts mehr zu tun. Nicht zuletzt auch deshalb, weil immer mehr Menschen erkennen müssen, dass weder der Einsatz korrekt entlohnt wird noch das Hingeben von einmaliger Lebenszeit anerkannt wird. Pfui Deibel, sag ich nur, und ich kann nur inständig hoffen, dass für unsere nachfolgenden Generationen durch veränderte politische und wirtschaftliche sowie menschliche Entscheidungen wieder die Freude am Tun sowie ein Mehr an Geld am Ende des Monats übrig bleibt. Von Lebenszeit mit Qualität ganz zu schweigen.

Herzlichst

Ihre Claudia

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