Donnerstag , 22 August 2019
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Oh, du scheinheilige Weihnachtszeit

Wer es vergessen hat: Heute ist der zweite Advent. Vorweihnachtszeit, Friede, Freude und statt Eierkuchen nun wahlweise Weihnachtskekse oder Christstollen. Nur noch wenige Wochen und Weihnachten steht wieder vor der Tür und damit auch vielfach die Zeit der oberflächlichen Liebe, Freude und Streitvermeidung. Kennen Sie diesen Zustand des Verbiegens, der Magenschmerzen, Migräneanfälle und zum Schneiden dicke Luft vor dem Tannenbaum? Weihnachten. Ich kann mich noch sehr gut an diese Zeit erinnern als ich selbst noch klein war.

weihnachtsgeschenkSpannend war es und mit viel Gefühl besetzt, wenn langsam, aber sicher der Heilige Abend näher rückte. In unserer Familie ging es weniger um Geschenke oder scheinheiliges Verhalten, denn mehr um ein ehrliches Miteinander und die Freude darüber gesund wieder ein Weihnachtsfest miteinander verbringen zu können. Gab es Ärger, weil die Gans eben nicht butterzart war oder sich jemand vollkommen daneben benommen hat, dann wurde das auch an Heiligabend angesprochen und geklärt. Flüchtig war damals die bekannte schwere Luft im Raum, aber nach wenigen Minuten war diese auch wieder gereinigt und geheuchelte Fröhlichkeit war somit nicht notwendig.

Wie sieht das bei Ihnen eigentlich aus? Warum freuen Sie sich auf die Festtage und was ärgert sie besonders, allerdings ohne reinen Tisch zu machen? Auch wenn man keiner bestimmten Religion angehört, so ist doch die (Vor-)Weihnachtszeit dafür gemacht alles etwas langsamer angehen zu lassen, sich auf sich und sein Wollen oder seine Pläne zu besinnen und den Menschen nahe zu sein, die einem eben im reinen Herzen stehen. Eigentlich. Jedes Jahr aufs Neue erlebe ich es jedoch, dass Männer und Frauen schon Wochen vor dem Hl. Abend sich darüber aufregen, dass sie zu einer Feier oder bestimmte Menschen zur eigenen Weihnachtsfeier einladen müssen. Müssen? Nun, wer mich kennt, weiß, dass es kein Muss gibt, sondern nur das leben mit den Konsequenzen des Neinsagens.

Da wird der angesammelte Ärger des Jahres, die Sorgen, die Ängste und vieles weitere, die Beziehungen belastende Emotionen verdrängt. Geschluckt, so ähnlich wie der stinkende Karpfen oder die bockelharte Weihnachtsgans. Die Wiener Würstchen werden genauso hinunter gewürgt, obwohl sie einem zum Hals raushängen, aber eben an Heiligabend genau diese samt Kartoffelsalat und Senf das traditionelle Weihnachtsessen bedeuten. Und das war schon immer so. Es wird in Hektik und voller Lieblosigkeit der fünfte Schal für den Partner oder der tolle Kochtopf für die Partnerin gekauft, die Kinder mit zumeist unnötigem Spielzeug und teuren Konsolenspielen und ähnlichem zugeschüttet. Nicht zu vergessen die Oma dann notgedrungen und anstandshalber einmal im Jahr im Altersheim besucht. Welch Verlogenheit doch die Weihnachtszeit auf den Plan rufen kann, nicht wahr?

Sinnvoll wäre es doch gerade zu dieser Zeit sich in Ehrlichkeit sich selbst und anderen gegenüber zu üben. Nein sagen, wenn man Nein sagen will. Nicht Stimmung machen, wo keine vorhanden ist. Nicht etwas schenken, nur damit man eben irgendwas geschenkt hat. Zuneigung, Aufmerksamkeit, Achtsamkeit und Respekt müssen nicht einmal im Jahr geheuchelt werden. Empfindet man all das, dann kann man das 364 weitere Tage im Jahr zeigen und geben. Auch Geschenke, denn dann haben sie den besonderen Reiz in sich nicht in hektischem kommerziellen Verhalten zu versinken, hingegen mit Bedacht und tiefen Emotionen ausgewählt und übergeben worden zu sein. Und dann, meine geschätzten Leser, herrscht der wahre Gedanke, der mit dem eigentlichen Weihnachtsfest eng verbunden ist: Liebe, Frieden und ehrliche Herzlichkeit.

In diesem Sinne

Ihre Claudia

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