Freitag , 24 Januar 2020
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Mütter sind immer und an allem schuld

schwangere_mit_tochterDa sind wir auch schon wieder bei unserem wöchentlichen Treffen angelangt. Ich hoffe, Sie hatten eine angenehme Woche? Und gleich eine wichtige Frage, die auch flugs den Start in unser heutiges Thema darstellen soll: Sind Sie Mutter? Sollten Sie keine sein, dann würde es mich jedoch interessieren, was Sie so im Allgemeinen über Frauen denken, die bereits ausgiebig die Mutterschaft erleben. Als Mutter hat man es nun mal wirklich nicht leicht, denn grundsätzlich sind Mütter ja an allem schuld. Sie glauben mir nicht? Na, dann bin ich mal gespannt, ob Sie nach unserem Gespräch immer noch denken, dass Mütter es im Land leicht und wunderbar flauschig im gesellschaftlichen Nest haben.

Mutter sein. Das klassische Bild einer Mutter erscheint so richtig niedlich in rosa-rot und das bereits ab dem Moment in dem der Schwangerschaftstest signalisiert „positiv“ und somit ein Baby im Anflug ist. Exakt ab diesem Zeitpunkt ist für eine Frau nichts mehr wie es vorher war und nur wer bereits selbst dieses einschneidende Erlebnis am eigenen Leib erleben durfte, weiß wovon ich spreche. War man zuvor „nur“ Frau, heißt es nun „wir“, „sie“ und „Mutter“. Und prompt beginnt das Dilemma seinen Lauf zu nehmen, wohlbemerkt bevor der Nachwuchs überhaupt seinen ersten Atemzug genommen hat. Wir sind schwanger, jawohl, und ab sofort lauern überall die Argusaugen der Gesellschaft, ob die werdende Mutter auch schön brav alles richtig macht.

Mit dem „Positiv“ beginnt die Schuld

Genussgifte sind passé und wehe eine Mutter traut sich auch nur einmal an eine Zigarette zu denken oder ein Glas Bier oder Wein zu trinken. Nicht, dass ich es gut finde, wenn eine Schwangere den Schluckspecht oder den Fabrikschlot mimt, nein, ganz und gar nicht, aber verdammen muss man Frau in solchen Momenten auch nicht. Fettes Essen sollte gestrichen werden, die letzten freien Nächte (für lange Zeit) sollten zum Schlafen und nicht zum Tanzengehen eingesetzt werden und wenn man nicht brav jeglichen Babywickelkurs, Schwangerschaftsgymnastik und „Wie fördere ich mein Kind schon im Mutterleib“-Kurs teilnimmt, nein, dann tut man als Fast-Mutter nicht genug für das neue Leben. Verweigert man sich all diesem Affentheater und bekommt aufgrund der vielen Wenn‘s und Aber’s, aus dem nahen und ferneren Umkreis, plötzlich Depressionen, um Gottes Willen, das schadet doch dem Kind! Kleinwüchsig wird es oder sicher schon mit den Anlagen für einen späteren Autismus oder zumindest ADHS geboren. Also doch lieb und pflichtbewusst alles mitmachen, obwohl dann mitunter die Magenschmerzen zunehmen und das nicht aus dem Grund, weil die Wehen einsetzen.

Doch das ist ja nur der Anfang. Ist Zwergnase dann auf der Welt, gleich die nächste Schuldfalle. Ob eine Frau sich dafür entscheidet ihr Baby zu stillen oder eben nicht, beides ist verkehrt. Stillt eine Frau, dann nimmt sie dem Vater, und eventuell vorhandenen Geschwistern, die Möglichkeit, eine nahe Bindung zu dem neuen Erdenbürger aufzunehmen. Aus kleinen Jungsens werden später verkorkste Muttersöhnchen, weil sie zulange an der Brust der Mutter genährt wurden. Aus den Reihen der Hersteller für Babynahrung hebt sich der mahnende Finger, denn Muttermilch hat ja viel zu wenig Eisen und andere wichtige Nährstoffe für das Kind. Gluckenhaft ist dann Frau Mama und eigentlich unverantwortlich. Dann eben nicht stillen, aber das ist auch wieder nicht gut. Denn merke: Der Sohn kann zum späteren Fetischisten werden, weil die Mutterbrust gefehlt hat. Und die so entscheidende Frau ist eine wahre Egoistin, die nur das Kind in andere Hände geben will, um arbeiten zu gehen oder halt ihre Figur zu schonen, wenn sie das Baby nichts an die Brust lässt. Ein wunder Babypopo, Schreiattacken und Koliken des kleinen Bauches, zu spätes Töpfchen gehen erlernen und das gerade zu laufen beginnende Kind, kann noch nicht bis Zehn zählen? Mutters Schuld, ja, sicher, wessen Schuld denn auch sonst. Aber, kann der Nachwuchs beim Eintritt in den Kindergarten schon seine Schuhe binden, bis hundert zählen oder das Alphabet von vorne bis hinten und umgekehrt fehlerfrei aufsagen, dann ist es auch nicht recht! Die Mutter ist ja so ehrgeizig und solch ein Drill tut doch dem Kind nicht gut! Und überhaupt, wenn es dann in die erste Klasse kommt, langweilt sich das Mädchen oder der Junge doch nur und nimmt dem Lehrer zudem die Aufgabe des Lehrens weg.

Wehe wenn das Kind in die Schule kommt

business_mutter_kindSchule. Auch hier sind Mütter, egal was sie auch machen, die Schuldigen Nummer Eins. Junior schlägert sich auf dem Schulhof und verweigert die Mitarbeit? Kein Wunder, wenn das arme Kind einen Schlüssel um den Hals trägt, weil mütterliche Frau sich erdreistet ihren Lebensunterhalt zu verdienen oder das Familieneinkommen mühsam aufzustocken versucht. Oder ist sie Nur-Hausfrau? Ja, dann ist ja alles klar, wenn das Kind so ist, es hat ja keine Möglichkeit sich selbständig zu entfalten, läuft am mütterlichen Gängelband und drückt so seine unterdrückte kindliche Psyche aus. Die Tochter schwänzt die Schule oder lässt sich auch von den Lehrern nicht alles gefallen? Na, nun raten Sie mal, wer hier die Bürde der Unfähigkeit zu tragen hat!? Der Nachwuchs klaut in einem Geschäft ein Päckchen Kaugummi? Ja, wo bitteschön bleibt denn hier die konsequente mütterliche Erziehung? Das geht nun wirklich nicht. Auch nicht geht, wenn der trotzige Zweijährige sich auf den Boden wirft, weil er die Süßigkeit nicht bekommt oder nach links laufen will, obwohl der Weg nach Hause eben nun mal rechts lang geht. Mutter bleibt gelassen danebenstehend und zählt nicht nur still bis 10, sondern eben bis 1000 und wartet geduldig, dass der Kindesanfall der Dickköpfigkeit vorübergeht? Welch unfähiges Ding ist die Frau denn? Zerrt sie aber hingegen den wilden Derwisch vom Boden hoch und staucht ihn mit klaren Worten zu Recht, dann ist sie eine despotische, der Kindererziehung nicht mächtige Person und das Kind „so ein bedauernswertes Wesen“. Hach ja.

Mal ehrlich: Diese Liste lässt sich bis fast zum eigenen Tode weiterführen und das ist kein Witz! Ob es um widerspenstige Jugendliche geht oder die ganz stillen, eine spätere unglückliche Beziehung der Tochter oder des Sohnes, das Verhalten am Arbeitsplatz und im Umgang mit Freunden, Kollegen und Nachbarn – wenn irgendetwas nicht „normal“ läuft, dann ist das erste was anderen Menschen einfällt „Das lag oder liegt bestimmt an der Mutter!“ Klar, an wem auch sonst. Einer muss ja die Schuld haben, egal wie Frau es dreht und wendet. Aber, und nun ein wichtiger Hinweis an alle Schon-Mütter oder diejenigen die die Mutterschaft anstreben, erhoffen und sich für ihr Leben wünschen: Vergessen Sie schlicht und ergreifend die gut gemeinten Ratschläge, Hinweise, Vorwürfe und was weiß ich nicht alles! Gehen sie gestärkt mit einem gesunden Selbstbewusstsein in die, wenn auch nicht immer, schöne Zeit des Mutterseins und vertrauen Sie Ihren Instinkten! Denn eines ist so sicher wie das Amen in der Kirche: Nur eine zufriedene und glückliche Mutter kann für ihren Nachwuchs genau das geben und vermitteln, was aus ihm später einmal einen bezaubernden, talentierten Menschen, der des Lebens reift ist, machen. Und wenn Sie doch mal wieder die Schuld zugeschoben bekommen, dann ein kleiner Rat einer erfahrenen Mutter: Lächeln Sie und sagen Sie nonchalant „Ich weiß, dass ich schuld bin und bin stolz darauf! Sonst noch Fragen?!“

In diesem Sinne

Ihre Claudia

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