Freitag , 24 Januar 2020
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Reise nach SEKEM – Lebenskraft inklusive statt “All inclusive”

sekemDen zweiten Teil meiner Ägypten-Reise-Trilogie widme ich SEKEM, einer einzigartigen „Energie-Oase“ inmitten der Wüste vor den Toren Kairos, die weltweites und preisgekröntes Vorzeigeprojekt ist und mit deren Besuch immer auch eine Reise ins Innere startet. Urlaub ist, wenn Seele, Geist und Körper wieder im Einklang schwingen, wenn wir in Balance kommen und aus unserer Mitte die Kraft für dieses – derzeit nicht ganz einfache – Leben schöpfen.

Es ist wohl dieser Zustand, dem wir hinterher reisen, wenn wir wieder mal unsere Koffer packen und uns auf den Weg ins nächste Feriendomizil machen. Doch so tief die Sonnenstrahlen auch in unsere Zellen vordringen, so sehr uns die sanften Wellen der Meere auch vorgaukeln, dass es ihnen (und uns) gut geht, so luxuriös die Wellnessbehandlungen, so bunt die überladenen Buffets und so vielfältig diverse Unterhaltungsprogramme auch sind – sie tun ja doch nur, was ihr Name verheißt: Sie halten uns unten!

Da ist oft recht wenig zu spüren von Erholung, von erhebender Schwingung, die unsere Seele vibrieren, unseren Geist fliegen und unseren Körper wohlig fühlen lässt. Die „Erholung“ ist manchmal schon beim Einchecken in den Flieger Richtung Heimat Geschichte, mit an Wahrscheinlichkeit grenzender Sicherheit aber am ersten Arbeitstag nach dem Urlaub.

Doch was stimmt nicht, wenn doch scheinbar alles stimmt? Die Energie? Gut möglich. Sie wird immer bedeutsamer und vor allem immer spürbarer. Wir können immer besser unterscheiden zwischen energetisch guten und weniger guten Plätzen, darüber können bald auch keine Luxustempel mehr hinwegtäuschen. In naher Zukunft wird es wohl nicht mehr so wichtig sein, ob auf Knopfdruck der Butler einen erfrischenden Cocktail an den Privat-Pool serviert (nicht zuletzt deshalb, weil wir uns diesen ohnehin nicht mehr leisten können). Energie zu tanken, darauf wird es ankommen. Neue Energien sind nicht nur für unsere Autos und Gerätschaften wichtig, sondern auch für uns selbst. Auch unsere Lebensenergien sind einem Wandel ausgesetzt und das Wort Lebenskraft bekommt eine immer bedeutsamere Rolle.

Die meine drohte mir immer mehr abhanden zu kommen, als mich mein Weg zum ersten Mal „zufällig“ nach SEKEM in Ägypten führte. SEKEM ist eine altägyptische Hieroglyphe und bedeutet Lebenskraft! Um diesen Namen kreierte sich ein Projekt, das Selbigem mehr als gerecht wird. SEKEM ist ein Ort, wo sich die Dualität spürbar aufhebt, wo die Liebe aus der Erde zu wachsen scheint. Wo es keine zerstörerischen Footprints gibt – ja mehr noch, wo genau diese wieder geheilt werden. Wer SEKEM betritt, betritt geHEILigte Erde und genau das spürt man. Dort, wo vor über 40 Jahren nichts als Wüste war, 60 Kilometer vor den Toren Kairos. Bis ein Mann kam, der die Vision hatte, dass die Wüste lebt und aus ihr auf biologisch dynamischem Weg eine Furchtbarkeit hervorbrachte, die ihresgleichen suchen muss.

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Dr. Ibrahim Abouleish, für sein Vordenken und die Umsetzung seiner Vision nachhaltiger Entwicklung für Mensch, Gesellschaft und Erde zu fördern, vielfach ausgezeichnet – unter anderen mit dem „Alternativen Nobelpreis“ – hat in Wirtschaft, Wissenschaft, Kultur und sozialem Leben neue Impulse gesetzt. Das, was wir heute „Fair Trade“ nennen, wurde in SEKEM bereits vor Jahrzehnten unter dem Begriff „Wirtschaft der Liebe“ gelebt. Die Liebe ist es auch, der man in SEKEM allerorts begegnet. Nicht zuletzt deshalb wurde Dr. Abouleish erst diese Woche in Oslo mit dem „Business for Peace“ Award ausgezeichnet.

SEKEM ist Luxus im eigentlichen Sinn des Wortes, der da bedeutet „üppige Fruchtbarkeit“. Den gemeinhin bekannten Luxus, den wir für einen solchen halten und der vermutlich nicht zuletzt deshalb auch mit „Verschwendung“ übersetzt wird, den dürfen sich Gäste nicht erwarten. Dafür ist der im tatsächlichen Wortsinn umso ausgeprägter.

Die üppige Fruchtbarkeit bietet nicht nur energetisch hochwertiges Essen und Säfte, sie zaubert auch Palmen, Wiesen, Kräuter- und Blumenfelder sowie Obstplantagen in die Wüstenlandschaft. Ganz so, als wäre ein Maler mit Farbpalette und Pinsel über diesen beigen Fleck Erde gegangen. Ein Blick auf die scheinbar nie enden wollenden Alleen erinnert sogar an unsere Breiten. Auch der Wind liebt diese Bäume, die für all jene Spalier stehen, die mit ihm plaudern oder ihm einfach nur zuhören wollen. Der Wind aus der Wüste hat viel zu erzählen und vermag oft weise Ratschläge zu geben. Wenn man dafür offen ist.

Das Atrium des halbrunden Gästehauses ist nach oben hin offen, was bedeutet, dass man der Öffnung des Horizontes (vor allem dem eigenen) bereits am Weg ins Zimmer begegnet. Sollte einen diese Assoziation nicht sofort ereilen, im Laufe der Zeit drängt sie sich unweigerlich auf. Die Schwingung breitet sich aus – wie die kleinen Kreiswellen die sich bilden, wenn man einen Stein ins Wasser wirft.

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Alles ist eins – und so gehen die Menschen in SEKEM mit allem Leben um. Auch mit den Tieren. Von den weitläufigen Viehstallungen im Freien, wo jede Kuh ihren eigenen Kuhreiher haben darf, kann so manches Rindvieh in Europa nur träumen. Glückliche Kühe sorgen für eine glückliche Erde. Eine glückliche Erde sorgt für glückliche Früchte. Glückliche Früchte machen Menschen glücklich. Man ahnt es schon: Mit dem Dünger der Tiere, und nur mit diesem, wird der Boden fruchtbar gemacht, nicht mit Chemikalien. Dieser Fleck Erde, auf dem so viel wächst, wo so viel Leben hervorgebracht wird, ist völlig rein. Und je länger man selbst dort weilt, desto mehr überträgt sich diese Reinheit auf den eigenen Körper. Vielleicht liest sich das etwas pathetisch, aber wenn dem so ist, dann nur deshalb, weil diese Tatsache eben eine feierliche ist.

Die Seele frohlockt ohnehin ob dieser wundervollen Schwingung, von der man in SEKEM nicht nur getragen wird. Sie lässt einen schweben. Auch auf unseren Seelen hinterlassen Menschen tagtäglich – oft unschöne – Fußabdrücke, die nicht minder geheilt werden wollen als jene, die wir auf der Erde hinterlassen. In SEKEM ist das mehr oder weniger ein automatischer Prozess oder Effekt, um den man sich aktiv gar nicht so sehr kümmern muss. Wer möchte, kann das dennoch tun. Zum Beispiel mit Eurythmie. Es ist ein ganz besonderes Gefühl zum Beispiel seinen Namen oder bedeutsame Worte auch tanzen zu können.

Bei so viel Heil und Wohl für Körper und Seele kommt natürlich auch der Geist nicht zu kurz. Ihm begegnen in SEKEM nicht nur Anthroposophie, oft vergessene Werte wie Respekt und Achtung vor jeder Lebensform, sondern auch Bildung. Diesbezüglich sind die Möglichkeiten zur Abdeckung verschiedenster Interessensgebiete breit gefächert. Ganz groß geschrieben wird in SEKEM das Thema Nachhaltigkeit. Wer sich dafür, für Projekte zu erneuerbaren Energien, Emissionsminderungsprojekte, biologisch dynamische Landwirtschaft, Kräuter- und Textilverarbeitung interessiert, ist in SEKEM ebenso gut aufgehoben wie Menschen, die in ihrem Urlaub einfach nur Lebenskraft tanken möchten.

Animation und ähnliche Stumpfsinnigkeiten wird man in SEKEM vergeblich suchen, dafür gibt’s Erholung, Lebenskraft, Herzensbildung, Nachhaltigkeit, Natur und Kultur sozusagen All inclusive. Natürlich besteht auch die Möglichkeit zu Ausflügen nach Kairo, wo die Pyramiden – ungeachtet des Treibens rund um sie – eine ebenso außergewöhnliche Energie und Kraft verströmen, wie sie das in SEKEM tun.

Nähere Infos unter www.sekem.com

Kurzfilm über SEKEM

Buchungen: http://www.sekem-reisen.de

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