Dienstag , 19 Januar 2021
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Ein Dank dem Dichter

apollo kitharaVerfasst ein Dichter, der über Jahre hinweg einen ausgezeichneten Ruf genießt, ein Gedicht, das vorgegebenem Gedankengut widerspricht, findet er sich nicht bloß mit Vorwürfen der Aussage wegen konfrontiert, auch wird der Stil seines Werkes kritisiert, das sogar zum „Machwerk“ herabgewürdigt wird. Vergessen wird dabei die Freiheit der Kunst, die – dem Zeitgeist entsprechend – für Gedichte weder Reim noch Versmaß fordert. Doch der folgende Dank, der diesem Dichter gewidmet ist, hält sich an traditionelle Vorgaben:

 

Ein Dank dem Dichter

 

Der Medien Landschaft, von einem Tsunami überrollt;

Des Dichters Gedanken von Spott umhüllt.

War dieser Wirbel von ihm gewollt?

Alle Kanäle sind plötzlich gefüllt

Mit einem Thema, das ansonsten gemieden,

Mit der Frage: Wer bedroht den Frieden?

Der, der sich um die Waffe erst bemüht

Oder jener, in dessen Arsenal das atomare Feuer bereits glüht?

 

Wessen Geist ist von Weisheit erfüllt?

Der des Dichters, geprägt durch Erfahrung und Lebensjahre,

Dessen Blick in die Zukunft von Sorge umhüllt,

Der hofft, dass Vernunft uns vor dem bewahre,

Vor dem nicht nur er, vor dem die ganze Menschheit erblasst,

Falls des Krieges Zorn die Völker erfasst,

Falls der symbolische Schlüssel zum Abgrund gedreht,

Falls die alles vernichtende Wolke vom Osten her weht?

 

Oder sollten wir, die Menschen, die Opfer der Zeit,

Den Schreiberlingen mehr Glauben schenken?

Jenen, die denken lassen, anstatt selbst zu denken,

Geschützt vom Schild der Vergangenheit.

Die nicht fähig, die Situation, wie sie ist, zu begreifen,

Die sich immer wieder auf dieses eine Wort versteifen,

Vor dem der Dichter, was er heute bereut,

Sich über Jahre hinweg tatsächlich selbst gescheut?

 

Wird sie missbraucht, diese erbliche Schuld?

Wird des Menschen Geduld

Nicht zu sehr gefordert,

Wenn die Kriegstrommeln immer lauter gerührt,

Die Berichterstattung jedoch, so wie geordert,

In eine völlig falsche Richtung führt?

 

Kritik an der Politik eines Staates allein

Kann und ist und wird zu keiner Zeit

Kritik an einem Volk oder seinem Glauben sein!

Und ich hoffe, die Menschen sind endlich bereit,

Diesen Unterschied zu erkennen,

Werden, so wie der Dichter es tat,

Nicht scheuen, die Schuld zu benennen.

Werden handeln noch bevor die Saat

Des Undenkbaren im Boden der Geschichte reift –

Und des Abgrunds Schatten um sich greift.

 

Gewollt oder nicht – Es ist geschehen,

Dass das Echo der Zeilen weit über die Grenzen hinaus erklingt;

Dass die Gefahr, die von vielen kaum gesehen,

In die Gemüter der Menschen, in ihr Bewusstsein dringt.

 

War es um die Frage nicht sonderbar still,

Wessen Arsenal seit langem mit nuklearen Waffen gefüllt?

Die Wahrheit, von der niemand wissen will!

Vom Schleier ängstlichen Schweigens umhüllt!

 

Des Dichters Worte – ungeachtet, ob so gedacht –

Haben diese Fakten auf den Tisch gebracht;

Haben sie den Menschen vor Augen geführt,

Haben ihr Verlangen nach Wahrheit geschürt,

Haben das Thema, das in Verschwiegenheit versank,

Mit kräftigen Wogen

In den Vordergrund geschoben.

Haben bewirkt, dass wir Menschen endlich danach streben,

Auch unser’en Kindern noch eine heile Welt zu geben.

Und deswegen gebührt ihm – dem Dichter – unser aller Dank!

***

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