Sonntag , 11 April 2021
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Jupiter Jones – Musik jenseits des Eurovision Song Contest

jupiter_jones_bandAuf der ersten Demo-Scheibe von Jupiter Jones, die ich vor Jahren zum freien Download im Netz fand, begrüßten mich alte Bekannte. Mit einer freien Interpretation der „Drei ???“ als Intro, hatte die Band direkt einen Stein in meinem Ohr. Starke Musik, grandiose Texte, aber auch ruhige Passagen, machten das Demo zu einem Hörerlebnis. Was kann das Quartett heute? Wie hat es sich entwickelt? Wir stellen heute eine Band vor, die gestern nicht am Eurovision Song Contest teilgenommen hat. Dafür wäre sie definitiv überqualifiziert.

Was einem bei Jupiter Jones zuerst auffällt, ist die kräftige Stimme des Frontmanns, Nicholas Müller. Trotz aller Kraft in Stimme und Instrumenten zeigt die Band in vielen ihrer Lieder, dass sie gefühlvoll mit ihrem Können umzugehen weiß. Doch wird dem Hörer schnell klar, die Jungs wollen rocken und das machen sie fantastisch bis intelligent, betrachtet man zusätzlich die Texte.

Es geht um Liebe, Gefühle und Verlorensein, um Anfang und Ende und über Ehrlichkeit. Alles vertreten, was es auch anderswo zu Haufe gibt. Doch bei der Band aus der Eifel klingt es anders. Sie gehen mit ihrem Gefühl direkt in deinen Verstand. Sie sind eindringlich, ohne aufdringlich zu sein, sie sind mitnehmend, ohne fordernd zu sein, sie sind wechselhaft, ohne dich zu vergessen. Sie habe ein großes Talent, ihren Hörern alle Freiheiten zu lassen und trotzdem gehört zu werden.

Jupiter Jones verstehen ihr Handwerk. Mehr noch, sie haben über die Jahre ihren Stil verfestigt, ihren Klang gefunden und ihren Text um das Leben als Kontext gewickelt. Geradezu meisterhaft setzen sie die großen Gefühle in Szene. »Wenn alle es verstehn« ist eines dieser Lieder. Abschied, Trennung und die Erkenntnis »Was immer du auch Leben nennst, ist Sehnsucht, die im Körper brennt«. Manch Poet sucht verzweifelt nach solchen Worten, die so viel Bedeutung in sich aufsaugen und im Einklang mit der Musik eben diese an den Hörer weitergeben.

Eine Band wie Jupiter Jones lässt sich nicht so einfach in eine Schublade stecken. Sie bespielen die ganze Bandbreite von Pop bis Punk-Rock, gerne auch mal ohne Elektrik. Und immer wieder die raue Stimme des Frontmanns, inmitten der Instrumente, welche die Worte voller Gefühle dem Rock in die Seele legen. In ihren Liedern spiegelt sich wieder, was diese Band ausmacht:

Auf das Leben!

»Und trotzdem bleibt es immer gleich,
ich schlage auf und stell mir vor,
was wäre wenn’s noch schlimmer wird,
den immer gleichen Satz im Ohr:
Das Atmen sich wohl trotzdem lohnt,
das Schicksal niemals wen verschont,
die Straße ist nicht immer eben und grad’ deswegen:
Auf das Leben!«

Nach vier Alben unter dem eigenen Label »Mathildas und Titus’ Tonträger«, unterschrieben Nicholas Müller, Sascha Eigner, Andreas Becker und Marco Hontheim nun einen Vertrag bei dem Majorlabel Columbia Berlin (Sony). Es sei der Band vergönnt, es sind viel Tränen, Schweiß und Blut geflossen. Von dem erforderlichen Mut, den ein solcher Weg erfordert, erst gar nicht zu sprechen. Das neue Album »Jupiter Jones« ist die konsequente Fortführung der eingeschlagenen Richtung. Immer abwechslungsreich, immer überraschend und immer im Herzen, niemals still.

Kurze Diskografie der Alben:

2002: Auf das Leben (Demo EP)
2003: Splitt EP Jupiter Jones vs. Springtime
2004: Raum um Raum
2007: Raum um Raum (Special Edition)
2007: Entweder geht diese scheussliche Tapete – oder ich
2008: … leise (Jupiter Jones unplugged im Kapuzinerkloster bei Cochem)
2009: Holiday in Catatonia
2011: Jupiter Jones

Jupiter Jones ist der englische Name von Justus Jonas aus den „Drei ???“, auch das Hauslabel »Mathildas und Titus’ Tonträger« ist namentlich den Hörspielen der jugendlichen Detektive entnommen.

Auf der Homepage der Band kann die oben genannte Demo-EP »Auf das Leben« noch immer frei geladen werden. Ich empfehle diesen Klick und rate ernsthaftes Probehören der Band extrem an!

http://www.jupiter-jones.de

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