Sonntag , 15 September 2019
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Raffinierte Roboter

saugroboterDas Zeitalter der Chipimplantate verwöhnt uns, wo es nur kann: Mein persönlicher Favorit ist ja unser Saugroboter – nimmt er uns doch Arbeit ab und Krümel auf, wo er nur kann – und das zu Zeiten, zu denen wir außer Haus oder zu Bette weilen. Die Arbeit an Stellen, die einer feuchten Reinigung bedürfen, delegiert er an Mobbi, den vollautomatischen Wisch- und Trockenkompaktcenter. Längst sehen wir nicht nur mehr das Wunder der Elektronik unter dem Plastiksauger, nein, er ist ein vollwertiges Mitglied der Familie und hört auf den Namen Geoffrey. Seine Arbeit darf er sich selbst einteilen, wir lassen ihm mittlerweile vertrauensvoll freie Hand. Und für dieses in ihn gesteckte Vertrauen bedankt er sich auf seine Weise: Die Öffnungs- und Schließzeiten der elektrischen Rollläden passt  er den aktuellen Witterungs- und Lichtverhältnissen an, die Arbeitscomputer sind pünktlich am Netz und der Kaffee steht frisch gebrüht in der Maschine, wenn wir uns dem Frühstückstisch nähern. Seine Freizeit verbringt er gerne mal am Zaun, um sich mit dem Mähroboter von nebenan auszutauschen. Kein Problem, speicherten wir ihm doch bereitwillig einen eigenen Zugangscode für das elektronische Türschloss ein.

 

In letzter Zeit kam es zu kleineren Pannen: Zweimal schoss der Kaffeevollautomat mutmaßlich höchstens eine Bohne pro Tasse durch das Mahlwerk – zufällig jedes Mal dann, wenn der für Geoffrey zuständige Softwarebetreuer seine neu ins Sortiment aufgenommene Kaffeemaschine anpries. Seltsamerweise wies mein monatlicher Verbindungsnachweis Telefonate zu eben dieser Firma auf, die ich im Leben noch nicht bewusst kontaktierte. Vielleicht hab ich mich auch nur versehen, ich kann es nicht mehr nachvollziehen, erfolgte der Ausdruck doch verstümmelt, ehe die Datei gänzlich vom Server gelöscht wurde; ebenso wie ein eher kritischer Artikel über die Flutwelle an künstlicher Intelligenz im Alltag.

In meiner Not nahm ich Telefonkontakt zu meinem Nachbarn auf – ein echtes Ass in Bezug auf Hardware, Software und Netzwerkkomponenten. Sein Unterton klang besorgt:Vermutlich wurde ein Bot eingebaut und nicht nur das.“ Weiter faselte er etwas von sich in Japan rekrutierenden Robotern, die bereits die Kunst des Bogenschießens erlernten. Den Artikel wolle er mir am Zaun zeigen, da die Gesprächsqualität zu wünschen übrig ließe. Kurz darauf schaltete das Modem ab.

In Erwartung kommender Enthüllungen eilte ich die Treppe hinunter, rettete mich mit einem kühnen Sprung über das plötzlich die Stufen versperrende Kompaktwischwunder, trickste die sperrende Türelektronik aus und verließ mein Heim über das Toilettenfenster. Hier gibt es keinen Rollo, die übrigen waren eigenartigerweise verschlossen.

Ich kam gerade noch hinzu, wie mein Nachbar notärztlich versorgt wurde; „Sie haben uns im Griff“ röchelte er, bevor er vor Schmerz in Ohnmacht und auf die Krankentrage sank. Der Mähroboter hatte ihn auf dem Weg zu mir über den Haufen gefahren, die brisanten Dokumente wurden von ihm geschreddert.

Der Weg zum Wertstoffhof, Abteilung Elektroschrott, war kurz: Ich durfte noch hinterm Steuer Platz nehmen, dann versagte die Fahrzeugelektronik komplett. Das Letzte, das ich schemenhaft im Rückspiegel wahr nahm, war Geoffreys teuflische Fratze.

Mein Mann besucht mich häufig, leider schüttelt er jedes Mal ahnungslos verwirrt den Kopf, wenn ich, durch einen Apparat wohldosiert betäubt, krächze: „Ändere die Überschrift! Sie muss lauten: Raffinierte Roboter rauben Deine Rechte!“

Ach, liebe Leserin, geneigter Leser, bitte ziehen sie keine falschen Schlüsse: Es geht in dieser Geschichte ausschließlich um Roboter; es hat nichts, aber auch rein gar nichts mit der aktuellen Politik eines oder mehrerer der zahlreichen Volksvertreter zu tun, denen wir einstmals unser Vertrauen schenkten. Sonst könnten Sie diesen Artikel wohl nicht lesen – noch.

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