Samstag , 18 Januar 2020
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Wellmanns Wilde Wochen: Wetter, Wetter, Wetter…

wellmanns_wilde_wochenEs gibt Länder auf diesem Planeten, da ist das Wort Wetter nicht mal im Wortschatz enthalten. Nicht weil die Menschen da etwa zu dumm sind, sondern weil es eben so ist, das Wetter. Ich weiß ja nicht wie es bei Ihnen in der Stadt so ist, aber der Berliner und das Wetter sind zwei Phänomene, die eigentlich nicht zusammen passen. Was haben wir uns immer mit dem Wetter. Gutes Wetter, schlechtes Wetter… „Schatz willste ´n Bisschen kuscheln?“ „Bäääh…, bei dem Wetter?!“ Man kann theoretisch davon ausgehen, rein statistisch gesehen, das der Verbrauch von Antidepressiva und die Suizidrate in Berlin, parallel zur Außentemperatur zu messen ist.

So ist zum Beispiel zu beobachten, wenn im Frühling die ersten zwei Sonnenstunden am Stück sind, dass wohl auch die Bevölkerungsanzahl zu steigen scheint. Ich denke jedenfalls immer: So muss es früher gewesen sein, wenn Fliegeralarm vorbei war und alle wieder aus dem Keller gekommen sind. Da sehen sie auf wirklich jedem, noch so kleinen, Grünstreifen nackte Pärchen auf Wolldecken ´rum liegen, wo man schon Magenprobleme bekommt, wenn man die angezogen sehen muss. Und ich frage mich immer, was machen die da den ganzen Tag? Warten die vielleicht darauf das da ein Spanier mit Goldkettchen, oder einem fünf Liter Eimer Sangria vorbei kommt?

Und an der Uferböschung der Spree sitzen Horden von Obdachlosen und winken lustig, mit ihrem Tetrapak Rotwein, den vorbeifahrenden Touristen auf den Ausflugsdampfern zu. Und das Spannende ist, die winken auch noch zurück!

Schon mal in Berlin Mitte, zur Rush Hour, in einem netten Straßencafé gesessen? 50 cm Abstand zwischen ihrem Tisch und der Straße? 5 cm Abstand zum nächsten Hundehaufen? Nein? Na dann will ich Ihnen die Überraschung mal nicht nehmen. Dann sollten sie sich aber auch nicht den Wochenendausflug an die Havel nehmen lassen, wo sich an Stellen, die gestern noch Hundeauslaufgebiet waren und heute liebevoll als Badestelle bezeichnet werden,  500 Leute auf 10 Quadratmeter zum Wochenendbadespaß treffen. Da sieht man vor allem auch so die Leute, die da irgendwie schon immer sind. Die erkennt man vor allem daran, dass ihr Gebiet immer so mit Bierbüchsen abgesteckt ist. Vater am Skat spielen, mit den Arbeitskollegen und Mutter in ihrem abgeteilten Kühltaschenbereich, mit den Kindern zu Gange.

„Wie?! Was soll das heißen du weißt nicht wo du deine Schwester vergraben hast?!“
„Kevin-Eberhardt, ick hab jesacht du sollst uffhören die alte Frau imma unter Wasser zu stuken. Die iss schon janz blau! Schau mal Schatz, da ist der Mann, der mich vorhin vor´m ertrinken gerettet hat“.
„Ja, ja ,ja…, er hat sich schon bei mir entschuldigt…“

Ganz schön ist es auch wenn dann der Eiswagen kommt. „Hey Sie! Sie brauchen gar nicht denken das sie sich hier vor drängeln können, nur weil sie im Rollstuhl sitzen. Sie haben doch sowieso den ganzen Tag nichts zu tun, da können sie wohl jetzt auch mal ein paar Minuten länger warten!“

Aber mal zurück zum Wetter. Im Gegensatz zum Sommer bricht bei den ersten drei Schneeflocken, in Berlin, innerhalb von Minuten komplett der Verkehr zusammen. Vielleicht weil dann 90% aller Berliner Autofahrer zum ersten Mal mitbekommen, dass Glatteis nicht von Langnese ist. Da verbringt man dann schon mal acht Stunden auf einem Weg von 500 Metern, versucht verzweifelt keine Beule ab zu bekommen, weil vor und hinter einem, meistens Männer, nicht mehr Herr ihres Statussymbols sind und sich wundern, warum beim Gasgeben die Reifen nicht mehr quietschen, sondern durchdrehen.

Das weitaus Schlimmste aber, was einem in Berlin passieren kann, ist diesiges, anhaltendes Regenwetter. Dann hat man das Gefühl, Teil einer sehr großen, ausgeprägten depressiven Störung zu sein. Da wird ein ganz normaler Tag zum Spießrutenlauf. Die Bäckereifachverkäuferin schnauzt einen an, weil man zwei Schrippen mit 50 Euro zahlen will, der Busfahrer lässt einen nicht mitfahren, weil man „Guten Morgen“ gesagt und er sich verarscht gefühlt hat und wer überhaupt noch Arbeit hat, kann sicher sein, an diesem Tag nicht ungeschoren davon zu kommen, wenn der Vorgesetzte in der Nähe ist. Und zum Ende des Tages sind wir wieder da, wo es bei diesem Artikel begonnen hat. Nämlich beim Kuscheln, wo sich das meteorologische Tief dann in der Libido manifestiert.

Und wir kommen da an, wo man sich fragt, ob die Menschen in den Ländern, in denen es das Wort Wetter nicht gibt, vielleicht doch glücklicher sind. Oder sagen wir, zumindest gelassener.

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