Mittwoch , 3 Juni 2020
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Wikileaks: „Neueste Enthüllung“ ist seit einem Jahr bekannt!

„In Guantanamo saßen jahrlang Unschuldige ein“, steht als Überschrift bei Bild. Zeit-Online verweist im Titel des Artikels sogar auf eingesperrte Kinder. Mehr als 200 deutschsprachige Zeitungen informieren plötzlich über die neueste „Wikileaks-Enthüllung“. The Intelligence berichtete das gleiche schon am 9. April 2010, also vor mehr als einem Jahr. Und dabei handelte es sich weder um eine Vermutung noch um Spekulation. Lawrence Wilkerson, der ehemalige Stabschef von Außenminister Colin Powell, gab sein Wissen preis, um ein unschuldiges Opfer von Guantanamo, den Sudanesen Adel Hassan, zu unterstützen.Guantanamo_Artikel

So groß der Wirbel um die Diplomaten-Depeschen, die durch Wikileaks Enthüllung fanden, auch war, so sehr warten wir noch immer auf die große Sensation. Von den mehr als 200.000 Dokumenten wurden bisher einige tausend veröffentlicht. Und kaum etwas von dem, was bekannt wurde, sorgte wirklich für Überraschung.

Am 9. April 2010 erschien bei The Intelligence der Artikel: „Präsident Busch deckte Gefangenhaltung Unschuldiger in Guantanamo“. Unter Berufung auf die Times-Online wurde berichtet, dass Lawrence Wilkerson, der als Stabschef von Außenminister Colin Powel über Zugang zu brisanten Informationen verfügte, ein Dokument unterfertigt hatte, das besagt, dass ein Großteil der Insassen des berüchtigten Folterlagers unschuldig festgehalten wurde. Sowohl der damalige Präsident George W. Bush als auch Vize Dick Cheney und Verteidigungsminister Donald Rumsfeld wussten es, bestanden jedoch auf ihre weitere Gefangenhaltung, da sich eine Freilassung auf die Kriegspolitik gegenüber dem Irak ungünstig ausgewirkt hätte. Den angaben Wilkersons zufolge, befanden sich unter den Opfern auch Kinder, das jüngste von ihnen nicht älter als 12, und Greise bis hin zum Alter von 93. Ihre Gefangennahme basierte zu einem wesentlichen Teil auf Kopfgeldprämien von bis zu 5.000 Dollar, die für die Preisgabe von „Al-Kaida-Mitgliedern“ bezahlt wurden. In Afghanistan korrespondiert diese Geldmenge mit einem kleinen Vermögen und ließ offensichtlich in vielen Fällen die Skrupel verlöschen, völlig unschuldige Mitbürger den Amerikanern auszuliefern.

Obwohl diese Informationen auf einem Dokument beruhten, das von einem hohen US-Funktionär unterfertigt war, obwohl die angesehen Times darüber informiert hatte, fanden sich ansonsten nur spärliche Berichte. „Lawrence Wilkerson“ als Suchbegriff bei Google eingeben zeigt, dass es keine der etablierten deutschsprachigen Zeitungen der Mühe wert gefunden hatte, ihre Leser von diesem Skandal in Kenntnis zu setzen.

Und siehe da, plötzlich schreiben sie alle über die „neueste Enthüllung“ durch Wikileaks. Und dabei wirft sich die Frage auf, warum berichten sie erst jetzt und nicht damals? Es scheint als fänden sich hin und wieder übereifrige Journalisten, denen es gelingt, Informationen an die Öffentlichkeit zu bringen, die nicht wirklich dafür bestimmt sind. Einem Eintrag bei der englischen Wikipedia zufolge berichtete Associated Press schon am 16. März 2009 darüber, dass Wilkerson von unschuldigen Opfern in Guantanamo wusste. Am 9. April 2010 erschien Tim Reids Artikel in der Times-Online, worauf sich wiederum der Bericht bei The Intelligence stützte. Was hat sich von damals auf heute verändert, dass der Masse der Medien plötzlich grünes Licht gegeben wurde, um Berichte über dieses Verbrechen aufzugreifen?

Von einer „gleichgeschalteten Presse“ zu sprechen ist insbesondere in deutschen Landen unerwünscht, wurden derartige Vorwürfe schließlich schon vor mehr als 80 Jahren erhoben. Doch worauf sonst als auf Gleichschaltung sollte diese Art der Nachrichtenverbreitung verweisen? Die einzige Frage, die zumindest vorläufig noch nicht zu beantworten ist, wäre, wer gibt die Richtlinien vor, worüber berichtet wird – und worüber nicht?

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