Mittwoch , 3 Juni 2020
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Der wahre Auslöser der Wirtschaftskrise

greenspan_bushDie moderne Finanzwelt wird von einem Instrument dominiert, von dem die meisten Menschen nicht einmal wissen, dass ein solches existiert: Derivathandel. Brooksley Born, ehemalige Vorsitzende von CFTC, einer amerikanischen Behörde zur Regulierung der Future- und Optionsmärkte, hatte die Gefahr erkannt. Doch standen ihren Bemühungen jene einer übermächtigen Finanzlobby mit Alan Greenspan in vorderster Front gegenüber. Der erste Schock wurde, von der Öffentlichkeit unbeachtet, durch Akzeptanz enormer Verluste vom Bankensystem aufgefangen. Der nächste Crash brachte eine Lawine ins Rollen, unter deren Auswirkungen die ganze Welt leidet. Trotzdem, der Handel mit Derivaten geht munter weiter.

Die folgenden Informationen basieren überwiegend auf einer Dokumentation (englisch) mit Titel „The Warning“, die vom US-Fernsehsender PBS ausgestrahlt wurde. Die Geschichte beginnt mit den florierenden Märkten der 1990er-Jahre und mit dem einflussreichsten aller Finanzgurus, Alan Greenspan, von 1987 bis 2006 Vorsitzender der (privaten) US-Notenbank, Federal Reserve. Greenspan war ein strikter Gegner von staatlichen Kontrollen im Finanzsektor. Die Wirtschaft und damit auch die Finanzmärkte könnten sich von selbst regulieren und jede staatliche Einmischung würde negative Auswirkungen auf die Wirtschaft nach sich ziehen.

Im Jahr 1996 wurde eine Juristin namens Brooksley Born zur Vorsitzenden einer Behörde namens Commodity Futures Trading Commission (CFTC), der innerhalb des amerikanischen Kongress’ jedoch keine nennenswerte Bedeutung zugesprochen wurde. Entgegen allen Erwartungen, begann sie jedoch, sich näher mit dem Derivathandel auseinander zu setzen.

Was sind Derivate?

Grundsätzlich werden mit diesem Begriff Wertpapiere bezeichnet, die über keinen eigenen Wert verfügen, sondern von der Kurs- und Preisentwicklung anderer Papiere, Handelsgüter etc. abhängen. Die einfachste und traditionellste Form eines Derivats ist der Optionsschein. Während der Handel mit Aktien grundsätzlich dazu dient, den Kapitalfluss aufrecht zu erhalten, lässt sich der Derivathandel am ehesten mit Glücksspiel vergleichen, mit einer Wette auf eine bestimmte Entwicklung. Für den Außenstehenden mag der Begriff „Glücksspiel“ im Finanzsektor überraschend klingen. Doch, bei den entsprechenden Regulierungen in Deutschland, die sich jedoch überwiegend auf Privatanleger beschränken, wurde dem sogenannten Spieleinwand (§ 762 BGB) durchaus Beachtung geschenkt.

Neben Optionen und Futures, für die offizielle Handelsplätze (Börsen) zur Verfügung stehen, gibt es auch sogenannte OTC-Derivate (over-the-counter – außerbörslich), bei denen es sich um völlig ungeregelte Verträge handelt. Zu diesen OTC-Derivaten zählen u. a. Swaps. Am Beginn der diesbezüglichen Erklärung bei Wikipedia findet sich der Hinweis, dass die Informationen nicht hinreichend mit Belegen ausgestattet seien und bald entfernt werden könnten. Und warum sind die Erklärungen nicht genauer belegbar? Weil sich so gut wie niemand wirklich damit auskennt!

Im Jahr 2007 umfasste der Handel mit OTC-Derviaten, der selbst für Experten in seiner Gesamtheit völlig undurchschaubar bleibt, ein Volumen von nicht weniger als 595 Billionen Dollar.

Zwar war dieses Volumen im Jahr 1996, als Brooksley Born darauf aufmerksam wurde, noch deutlich geringer, doch erkannte sie das Risiko, das in dieser Grauzone der Finanzmärkte schlummert. Während der folgenden Monate bemühte sie sich, die amerikanischen Politiker über diese Gefahr aufzuklären, verlangte nach Regulierungen, um letztendlich die Öffentlichkeit – die sich nicht nur auf Amerika beschränkt – vor einer möglichen Finanzkatastrophe zu bewahren.

Repräsentanten der Finanzlobby, allen voran Alan Greenspan, Vorsitzender der Fed, US-Finanzminister Robert Rubin, Clinton-Berater und Rubins Nachfolger Lawrence Summers sowie eine nicht genannte Zahl von Experten kämpften dagegen an. Brooksley Born wurde von allen Seiten attackiert. Die Argumente ihrer Gegner klangen überzeugender, obwohl, wie David Wessler in der vorliegenden Dokumentation erklärt, 90 Prozent der Kongressmitglieder nicht die geringste Ahnung hatten, worum es sich bei Derivaten eigentlich handelt. Noch dazu verfügten die Greenspans und Rubins und Summers und andere „Geldwechsler“ über das Argument, dass die Märkte schließlich einwandfrei funktionierten.

Der erste Schock

Sechs Wochen nachdem Brooksley Borns Anträge endgültig abgewiesen waren, wurde die Finanzwelt von einem Vorfall erschüttert, der genau in diesem Bereich wurzelte. Ein sogenannter Hedge-Fund, wobei es sich um ein reines Spekulationsinstrument handelt, namens Long-Term Capital Management (LTCM) verzeichnete tägliche Verluste in Höhe mehrerer hundert Millionen. Das scheinbar unfehlbare Computer-Modell scheiterte an einer nicht erwarteten Finanzkrise in Russland. Letztendlich fanden sich insgesamt 14 Banken, die aus eigenen Mitteln 3,5 Milliarden Dollar zur Verfügung stellten, um den Zusammenbruch von LTCM zu verhindern. Warum? Um die möglichen Folgen so gering wie möglich zu halten. Neben einer neu aufkommenden Diskussion über Regulierungen, ging es auch darum, das Vertrauen in derartige Finanzinstrumente zu erhalten. Und Alan Greenspan erklärte im Oktober 1998 vor dem Kongress überzeugend, dass „dumme Fehler“ nichts mit dem bestens funktionierenden System des Derivathandels zu tun hätten.

Im folgenden Jahr reichte Brooksley Born ihren Abschied ein, nicht ohne die Entwicklung weiter unter Beobachtung zu halten. In einem Interview erklärte sie die permanent schlummernde Gefahr näher. Ein beachtlicher Teil der Vermögenswerte großer Geldinstitute steckt in riskanten und rein spekulativen Derivat-Geschäften. Wie schon zuvor erwähnt, betrug das Volumen dieses Finanzsektors im Jahr 2007 595 Billionen Dollar, vierzigmal mehr als die gesamten (unzebezahlbaren) Staatsschulden der USA.

Die sogenannte Immobilien-Blase

In den Vereinigten Staaten gibt es eine große Zahl kleiner Privatbanken. Hypothekardarlehen galten seit jeher als bestens abgesicherte Kredite. Niedrige Zinssätze motivierten viele Amerikaner, auch ohne finanziellen Rückhalt,  zum Kauf eines Eigenheims. Das führte wiederum zu einem regelmäßigen Anstieg der Immobilienpreise. Den erwarteten Wertanstieg vorwegnehmend, wurden Häuser sogar höher belehnt als es dem Wert, zum Zeitpunkt der Kreditaufnahme, entsprach. Zur Erhaltung der Liquidität traten die einzelnen Banken ihre Forderungen ab, die – im vermeintlichen Glauben bester Sicherheit – zur Grundlage ausgedehnter Spekulationsgeschäfte wurden. Hierbei sehr erwähnt, dass sich OTC-Derivate, ähnlich einer Kette, endlos ausdehnen lassen. So wie es Optionsscheine gibt, die sich auf andere Optionen beziehen, gibt es auch Derivate auf Derivate und auf diese wiederum Derivate. Diese enorme Anhäufung von Papieren, die über scheinbaren Wert verfügten, führte gleichzeitig zum Anstieg von Aktivposten – vergifteter Aktivposten.

Der Häusermarkt war weit überdehnt. Die ersten Insolvenzen setzten ein. Die Preise fielen und plötzlich entsprach die vermeintliche Deckung nur mehr einem Bruchteil der Forderung. Und kaum ein großes Geldinstitut blieb von den Folgen verschont, denn schließlich waren alle bestrebt, einen Teil des märchenhaften Kuchens für sich abzuschneiden. Ohne dem völlig unkontrollierten Derivathandel hätten die Folgen dieses Platzens der Immobilien-Blase mit Sicherheit nicht derart weltumspannende Ausmaße angenommen.

Kurz vor der finanziellen Katastrophe wurde Alan Greenspan als Vorsitzender der Fed von Ben Shalom Bernanke abgelöst. Trotzdem äußerte er sich im Oktober 2008 vor dem Kongress und gestand ziemlich verlegen ein, dass er sich bezüglich der Selbstregulierung der Marktmechanismen, trotz mehr als vierzigjähriger Erfahrung, geirrt hätte. Die Regierung unter Präsident Obama scheint sich zwar um Regulierungen zu bemühen, findet sich jedoch mit der gleichen Finanzlobby konfrontiert wie schon 15 Jahre zuvor Brooksley Born. Diese erklärte übrigens in einem abschließenden Gespräch, dass derartige Finanzkrisen immer und immer wieder passieren werden. Wenn auch durch andere Details ausgelöst, dafür aber in nicht vorhersehbaren Ausmaßen.

Selbst geschulte und erfahrene Finanzexperten verfügen bestenfalls über einen oberflächlichen Überblick über diese Art der Finanzmärkte, deren Volumen Größen angenommen hat, die nicht nur Banken, sondern gesamte Staatsgefüge in den finanziellen Abgrund reißen können. Sowohl während der 1990er-Jahre als auch danach, sogar nach dem Platzen der Immobilien-Blase, wurden von gewissen Kreisen ungeahnte Vermögen geschaffen. Der normale Bürger profitiert grundsätzlich nicht von Spekulationsgewinnen der Märkte, wird aber als Steuerzahler zur Verantwortung gezogen, wenn diese Spekulationen schief laufen. Gestörte Wirtschaftsmechanismen und gleichzeitig ansteigende Arbeitslosenzahlen mit allen Konsequenzen lasten ebenfalls auf den Schultern der Bürger. Die wenigen Politiker, denen diese untragbare Situation bewusst ist, werden von Repräsentanten der Finanzwelt durch überzeugende Argumente kalt gestellt. Die Fakten belegen jedoch, dass Spekulationen dieser Ausmaße zu einem Monster geworden sind, das keineswegs als nur symbolisch zu verstehen ist.

Robert Rubin, einer derer, die sich im Fahrwasser von Alan Greenspan (und wer immer hinter diesem stecken könnte) als US-Finanzminister für die Beibehaltung der unregulierten Spekulationsinstrumente eingesetzte hatte, arbeitete davor für Goldman Sachs. Nach seinem offiziellen Amt wechselte er zur Citi-Group. Diese wurde mit Milliarden von Steuergeldern vor dem Konkurs gerettet. Von dort schied er im Januar 2009 aus und erhielt 126 Millionen Dollar als Abfertigung. Obwohl er kein offizielles Amt bekleidet, gilt er immer noch als Wirtschaftsberater von US-Präsident Barack Obama.

PBS-Dokumentation: The Warning, Alternativer Link, Suchbegriff: Frontline, The Warning

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