Dienstag , 2 März 2021
Startseite » Belletristik » Beinahe schon Medizin: WinterKartoffelKnödel und Dampfnudelblues

Beinahe schon Medizin: WinterKartoffelKnödel und Dampfnudelblues

rita_falk_minicoverHerrlich unkorrekt – also politisch – kommt er daher, der Franz Eberhofer, seines Zeichens aus der Großstadt (München) in seinen Heimatort Niederkaltenkirchen (gibt’s nicht, ist erfunden) in der Nähe von Landshut (gibt’s) strafversetzter Dorfpolizist. Noch dazu wohnt er in einem Saustall, was aber nichts über die Ordnung in seinen vier Wänden aussagt, es ist schlicht ein ehemaliger Schweinestall, der nun als Wohnraum dient, auch wenn noch nicht alles renoviert ist. Und er ist der Held der zwei Krimis „WinterKartoffelKnödel“ und „Dampfnudelblues“ von Rita Falk, die ich unseren Lesern heute allerwärmstens an Herz legen möchte. Lachen ist bekanntlich gesund, wird aber leider von den Krankenkassen (noch) nicht anerkannt. Wäre dem so, müsste es diese Bücher auf Rezept geben!

Weitere Darsteller in den mehr als nur genialen Werken sind die Oma vom Franz, über 90 Jahre alt, stocktaub, schnäppchengeil und eine begnadete Köchin. Dann der Vater, dessen Musikgeschmack sich ausschließlich auf das Schaffen der Beatles konzentriert, das er tagein-tagaus in zum Teil belästigender Lautstärke konsumiert, sofern er nicht die haus- bzw. garteneigene Produktion an Hanfprodukten wegraucht. Desweiteren gibt es einen Bruder, den Franz liebevoll „die alte Schleimsau“ nennt, und Ludwig, den Hund, dessen Rasse man zwar nicht erfährt, aber es dürfte etwas größeres sein. Hinzu kommen noch ein paar Freunde, Nachbarn, angeheiratete Verwandtschaft (brüderlicherseits) und alle Menschen, die man halt so kennt, wenn man in einer 1000-Seelen-Gemeinde lebt und arbeitet.

winterkartoffelknoedel_coverDie Handlung der beiden Bücher wird beinahe zur Nebensache, sie sei aus Chronistenpflicht heraus aber trotzdem kurz erwähnt, denn spannend wird es allemal, es handelt sich ja schließlich um Krimis. In „WinterKartoffelKnödel“ muss der Franz einen Vierfachmord aufklären, den zuerst nur er erkennt, weil alle Todesfälle auch tragische Unglücke hätten sein können. Ob ihm das am Ende gelingt, lasse ich an der Stelle offen, ich will die Spannung ja nicht verderben. In der Fortsetzung „Dampfnudelblues“ geht es um den Tod des Realschulrektors Höpfl, an dessen Haus im Vorfeld via Sprühdose die Parole „Stirb Du Sau“ angebracht wurde. Um es kurz zu machen, es tun sich Abgründe auf, während die Ermittlungen voranschreiten. Und auch hier wird der Ausgang nicht verraten.

Der Autorin ist es gelungen zwei Bücher zu schreiben, die einen so wunderbar schrägen Humor beinhalten, dass man an vielen Stellen nicht anders kann, als herzhaft und laut zu lachen. Als Ablenkungslektüre während langweiliger Präsentationen oder Meetings also vollkommen ungeeignet, umso besser allerdings, für ein paar Stunden das humorfreie Weltgeschehen zu vergessen und abzutauchen in die niederbayrische Provinz und deren Bewohnern über die Schulter zu schauen.

Don´t judge a book by its cover – Beurteile ein Buch nicht an seinem Cover, sagt ein englisches Sprichwort. In diesem Fall kann diese Weisheit getrost für ungültig erklärt werden. Schon alleine die Optik ist verlockend genug, das Buch in die Hand zu nehmen. Ist dies erst einmal geschehen und die Finger streifen über Vorder- und Rückseite, wird einem klar, dass hier auch die Gestaltungsabteilung des Verlages mit viel Liebe am Werk war. Man ist geneigt, die Bücher nach dem Lesen nicht einfach ins Regal zu schieben, sondern sie mit den Frontseiten nach vorne aufzustellen.

dampfnudelblues_coverRein optisch kommen die Hörbuch-Ausgaben da selbstverständlich nicht mit, allerdings ist es kein Geringerer als Christian Tramitz, bekannt als „Ranger“ aus „Der Schuh des Manitu“, der als Vorleser auserkoren wurde und dem Ganzen noch ein Sahnehäubchen oben drauf setzt. Nicht nur für Lesefaule eine echte Alternative, einfach nur ganz großes Kino für die Ohren. Chapeau!

Teil 3 der Reihe, mit dem Titel „Schweinskopf al dente“, erscheint übrigens im Dezember 2011, wer also frühzeitig seine Weihnachtsgeschenke planen möchte, wird sicherlich nichts falsch machen, das Buch auf die Liste zu setzen. Aber jetzt erst einmal die bereits erhältlichen lesen, es lohnt sich.

Erschienen sind „WinterKartoffelKnödel“ (240 Seiten, 12,90 €) und „Dampfnudelblues“ (256 Seiten, 14,90 €) im dtv-Verlag. Zu erwerben im Buchhandel oder direkt hier.

Check Also

Tomás González: „Das spröde Licht“

In der aktuellen Bestenliste des „Weltempfängers“ glänzt der Kolumbianer Tomás González mit seinem neuesten Roman …

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.