Klimaschutz nach dem Vorbild des Schwimmfarns
Bereits seit Jahrzehnten werden im Bereich der Technologien, hierbei unter anderem mit der Unterstützung der Bionik und folglich nach den Vorbildern der Tier- und Pflanzenwelt, immer wieder, und durchaus als bahnbrechend zu bezeichnende, Innovationen entwickelt. Diese helfen beispielsweise dabei verbesserte Materialien in vielfältigen, für den Menschen wichtigen Bereichen zu entwickeln, sorgen für einen höheren Schutz mit dem Aspekt einer Gebäudestabilität oder ermöglichen die Reduzierung von chemischen Präparaten, sowie unterstützen einen aktiven und effektiveren Klimaschutz.
Aus dem Bereich der Bionik, entstammt nun eine neue Möglichkeit in Sachen Klimaschutz, die auf den Fähigkeiten des Schwimmfarns Salvinia molesta basiert und innerhalb der Schifffahrt bis zu 10 Prozent des Spritverbrauchs zur Absenkung gelangen lassen kann.
Salvinia molesta, der Schwimmfarn, zeigt sich in seinem Erscheinungsbild als reichlich unscheinbar und doch verfügt diese Pflanze über eine Fähigkeit, die im Rahmen der Bionik zu einer innovativen Entwicklung entscheidend beigetragen hat. Diese Fähigkeit beruht auf der Tatsache, dass, bringt man diese Farnart unter Wasser, diese reaktionsschnell eine Lufthülle um sich aufbaut, die wiederum dazu führt, dass beim Herausziehen der Pflanze aus dem Wasser, keinerlei nasse Spuren erkennbar sind. Die Pflanze bleibt absolut trocken. Der Schwimmfarn erweist sich als regelrecht wasserscheu und lässt folgerichtig jegliche Feuchtigkeit an sich abperlen. Dieser Effekt, der dem des Lotus-Effektes sehr ähnlich ist, beinhaltet jedoch einen weiteren Aspekt, der sich darin aufzeigt, dass der Farn eine Lufthülle um sich aufbaut, die sich damit vergleichen lässt, dass der Mensch sich Kleidung überzieht. Zwischen der Pflanze und der Hülle entsteht eine Art Luftpolster, das dafür sorgt, dass die Flüssigkeit mit dem Schwimmfarn nicht in Berührung gelangt. Dieser Vorgang, der wissenschaftlich als superhydrophob bezeichnet wird, bleibt zudem selbst dann bestehen, wenn der Farn über Wochen unterhalb der Wasseroberfläche verbleibt.
Diese Eigenschaft konnte nun von einem wissenschaftlichen Team aus Rostock, Karlsruhe und Bonn, basierend auf den ersten Untersuchungen des Nees-Instituts für Biodiversität, nachkonstruiert werden. Unter Berücksichtigung der bisherigen Erkenntnisse, und nach der Erforschung des Lotus-Effektes (Selbstreinigungseffekt) vor rund zwanzig Jahren, könnte diese Entdeckung zu einer neuen bahnbrechenden Entwicklung, auch und im Besondern im Sinne des weltweiten Klimaschutzes, werden. Betitelt als der Salvinia-Effekt, soll die Rekonstruierung der wasserabweisenden Eigenschaft des Schwimmfarns zukünftig unter anderem im Schiffsbau zum Einsatz gelangen.
Der Grund: Dank dieser pflanzlichen Fähigkeit des Lufthüllenaufbaus, kann beispielsweise bei dem Bau von Containerschiffen, die nachweislich einen sehr hohen Spritverbrauch aufgrund der Reibung des Schiffsrumpfes im Wasser aufzeigen, dazu führen, dass der Verbrauch um bis zu 10% der bisherigen Menge an Sprit abgesenkt werden kann. Den Berechnungen der Wissenschaftler zufolge, ließe sich mit diesem aus der Botanik konstruierten Materials, eine Absenkung des derzeitigen weltweiten Treibstoffverbauchs von rund 1% ermöglichen. Bahnbrechend innerhalb des Schiffsbaus, sowie im Sinne einer weiteren Verbesserung des Klimaschutzes, könnte somit eine unscheinbare Pflanze, mit dem fast schon paradox zu bezeichnenden Namen Schwimmfarn, eine Revolutionierung der technischen Entwicklungen seit den menschlichen Anfängen ermöglichen.



