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Petition für ausreichende Psychotherapie-Versorgung in Deutschland

bundestag_petitionen_screenshotNur noch bis zum 12.01.2012 kann eine Petition an den Deutschen Bundestag unterzeichnet werden, die dazu beitragen soll, eine ausreichende Versorgung der Bevölkerung mit Psychotherapie sicherzustellen: Petition: Gesetzliche Krankenversicherung - Leistungen - Neuberechnung der Verhältniszahlen Psychotherapeut je Einwohner vom 18.11.2011

Der Hintergrund dieser Petition:

Im Rahmen der Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung können Patienten in Deutschland auch psychotherapeutische Behandlung in Anspruch nehmen. Psychologen mit einer Fortbildung in Verhaltenstherapie, Analytischer Psychotherapie oder Tiefenpsychologisch fundierter Psychotherapie können die dafür notwendige Kassenzulassung beantragen und dann ihre Leistungen über die gesetzlichen Krankenkassen abrechnen. Voraussetzung dafür sind jedoch freie Kassensitze, die für ein bestimmtes Gebiet nur in begrenzter Anzahl zur Verfügung stehen.

Weitere Informationen zur Psychotherapie in Deutschland (Wikipedia)

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Im Jahr 1999 wurde festgelegt, wie viele solche psychotherapeutischen Kassensitze in einem bestimmten Gebiet notwendig sind. Diese Festlegung erfolgte allerdings willkürlich und ohne wirkliche Analyse des Bedarfs. Die begrenzten Kassensitze haben zur Folge, dass mehrmonatige Wartezeiten bis zum Einsetzen der Behandlung bereits seit langem üblich sind.

Die offizielle Bedarfsplanung geht allerdings davon aus, dass Deutschland mit Psychotherapeuten überversorgt ist. Ein darauf basierendes geplantes GKV-Versorgungsstrukturgesetz hätte eine Reduktion der Kassensitze und damit natürlich eine Verlängerung der Wartezeiten zur Folge.

Diese Wartezeiten bedeuten ein erhebliches Leiden für die Betroffenen verbunden mit weiteren Risiken (z.B. Suizid). Ohne frühzeitige psychotherapeutische Maßnahmen drohen bei besonders schwerwiegenden Störungen zunächst lange Phasen der Arbeitsunfähigkeit und am Ende die Frühverrentung.

Durch die Zunahme psychischer Erkrankungen ist ebenfalls mit einer weiteren Zunahme der Wartezeiten zu rechnen. Psychische Erkrankungen und daraus resultierende Fehlzeiten sind seit 10 bis 15 Jahren auf dem Vormarsch, während andere Erkrankungsarten wie etwa Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Atemwegs-Erkrankungen eher abgenommen haben.

Das Wissenschaftliche Institut der AOK hat auf der Grundlage eigener Versichertendaten in 2011 festgestellt, dass die Fehlzeiten infolge psychischer Erkrankungen von 1999 bis 2010 um 80 Prozent gestiegen sind. Speziell bei der Begleitdiagnose Burnout gab es zwischen 2004 und 2010 sogar eine Steigerung um fast das Neunfache.

Die günstigste Investition sind immer präventive Maßnahmen, die bereits vor dem Entstehen von Krankheiten einsetzen, z.B. eine gesundheitsförderliche Arbeitsgestaltung, wertschätzendes Führungsverhalten oder Trainings zum Umgang mit Stress.

Bereits die notwendige Behandlung der Betroffenen verursacht deutlich höhere Kosten als die Prävention. Richtig teuer wird es für das gesamte System, wenn am Ende Rehabilitationsmaßnahmen oder gar die Frühverrentung anstehen. Die Kosten werden durch mangelnde Prävention und reduzierte Behandlungsangebote nicht wirklich eingespart, sondern nur zeitlich verschoben, wobei am Ende eine Kostenexplosion stehen wird.

Von einer besseren kassenärztlichen Psychotherapie-Versorgung profitieren alle Menschen, die sich keine zusätzlichen Ausgaben im deutlich zweistelligen Bereich für eine Therapiesitzung (bei 20 Sitzungen und mehr pro Behandlung) leisten können.

Ein Beitrag von Dr. Falk Richter - http://www.falk-richter-beratung.de

Der Autor dieses Beitrags ist selbst Psychologe, profitiert allerdings beruflich nicht von dieser Petition, da er nicht im psychotherapeutischen Bereich tätig ist.


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