ARD-Dokumentation zum Völkermord
Am 24. April zelebrierten Armenier weltweit durch Schweigemärsche den Gedenktag des, durch das Osmanisch-Türkische Reich begangenen, Völkermordes. Vor 95 Jahren wurden über eine Million Mitglieder dieses christlichen Volkes gezielt und brutal ermordet. In der modernen Türkei ist es vom Gesetz her verboten, auf diesen Völkermord zu verweisen, ihn als solchen zu bezeichnen. Am 9. April, spätabends, strahlte der ARD eine 90minütige Dokumentation aus. Nicht Spekulationen wurden in dieser Sendung präsentiert, sondern belegbare Fakten. Mittlerweise ist die gesamte Aufzeichnung in zehn Teilen bei Youtube einzusehen.
Einen kurzen Überblick über die Geschehnisse des Jahres 1915 hat The Intelligence schon am 5. März, nachdem der Massenmord auch vom US-Senat als Genozid Anerkennung gefunden hatte, veröffentlicht. Lange ignorierte Zeugenaussagen, die sich sowohl in deutschen als auch in Archiven mehrerer anderer Länder befinden, wurden in dieser Dokumentation zu einem schockierenden Bild zusammengefügt.
In einer Ansprache, die zu Anfang des zweiten Teils zu hören ist, meinte der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdoğan: „Kommen Sie und legen Sie Beweise vor!“ In dieser Dokumentation werden die Beweise Punkt für Punkt angeführt.
Ergibt es Sinn, ein derart lange zurückliegendes Verbrechen, dessen Verursacher schon lange verstorben sind, neu aufzurollen? Wenn wir ein objektives Geschichtsbild suchen, dann verdient es dieses Thema mit Sicherheit, in wahrheitsgetreuer Form festgehalten zu werden. Es soll und kann nicht Ziel der Forschungen sein, die Nachfahren der Schuldigen zu verurteilen. Allerdings, wie es heute in der Türkei noch immer der Fall ist, das Aussprechen der Wahrheit unter Strafe zu stellen, ist mit Sicherheit kein akzeptabler Weg der Vergangenheitsbewältigung.
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