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Massenpsychose in französischem Dorf

pont_saint_espritObwohl die Welt dieses Ereignis aus dem Jahr 1951 schon lange vergessen hat, für die Bewohner von Pont-Saint-Esprit ist der sonderbare, tragische Vorfall noch lange nicht zu den Akten gelegt. Während Spekulationen über Vergiftungen durch Mutterkorn oder Quecksilberverbindungen niemals als befriedigend angesehen wurden, fand der amerikanische Journalist H. P. Albarelli, dank seiner Recherchen bezüglich eines mysteriösen Selbstmordes im Jahr 1953, Dokumente, die auf ein Wirken der CIA verweisen. Den Ergebnissen seiner Arbeit zufolge, handelte es sich um ein missglücktes Experiment mit LSD.

Kaum jemand kennt das romantische Dorf im Süden Frankreichs, unweit von Marseille. Auch Albarellis, im Vorjahr erschienenes, Buch „A Terrible Mistake“ liegt weit abseits der Bestseller-Listen. Und hätten nicht wenig Medien, wie etwa die englische Zeitschrift Telegraph, kürzlich daran erinnert, wäre die Affäre wohl weiterhin vom Mantel der Vergessenheit umhüllt geblieben.

Was ist passiert?

In dem kleinen Dorf, das damals kaum 5.000 Einwohner zählte, verfielen im August 1951  plötzlich, innerhalb weniger Stunden, Hunderte Menschen sonderbaren Wahnsinnsanfällen und Halluzinationen. Ein Mann versuchte, sich selbst zu ertränken und rief gleichzeitig, dass sein Bauch von Schlangen gefüllt sei. Ein Elfjähriger machte sich daran, seine Großmutter zu strangulieren. „Ich bin ein Flugzeug!“, rief ein anderer Mann aus, bevor er aus dem Fenster sprang und sich, beide Beine gebrochen, rund fünfzig Meter von der Aufprallstelle wegschleppte. Ein Arzt wurde von einem Patienten dringend um Hilfe gebeten, weil dieser „sah“, wie sein Herz durch die Beine den Körper verließ. Das Time Magazin berichtete damals von Menschen, die Blumen aus ihrem Brustkorb sprießen sahen oder glaubten, ihre Köpfe verwandelten sich in geschmolzenes Blei. (Die spätere Hippie-Generation lernte derartige Horror-Trips zur Genüge kennen.) Rund fünfzig Menschen mussten in Zwangsjacken in Krankhäusern versorgt werden. Für zumindest fünf, andere Quellen sprechen von sieben, Personen endete der Wahnsinnsanfall tödlich.

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Nachdem die offizielle Erklärung sehr rasch lautete, dass vergiftetes Brot die Massenpsychose hervorgerufen hätte, ging dieser Vorfall in die Geschichte als „L’affaire du pain maudit“ ein, die „Affäre des verdammten Brotes“. Beweise für diese Behauptung wurden nie gefunden.

LSD als Ursache

Der amerikanische Journalist und Autor mehrerer Bücher, H. P. Albarelli begann seine Ermittlungen im Zusammenhang mit dem Tod des Militär-Biologen Frank Olson, 1953. Sein Sturz aus dem 13. Stockwerk wurde offiziell als Selbstmord dargestellt. Nicht nur, dass, Alabarellis Recherchen zufolge, dieser unter dem Einfluss von LSD stand, auch stieß er auf Dokumente, die ein LSD-Experiment in Pont-Saint-Clair erwähnten. Diesbezügliche Versuche mit freiwilligen Soldaten werden von offizieller Seite keineswegs bestritten. Das folgende Video zeigt – und es ist durchaus unterhaltsam – ein Experiment der britischen Streitkräfte.

 

Von militärinternen Experimenten abgesehen, warum sollte gerade dieses kleine Städtchen in Frankreich für Versuche an Zivilisten ausgesucht werden? Es kann angenommen werden, dass ähnliche Experimente mehrmals durchgeführt wurden, es in diesem speziellen Fall jedoch ein Problem mit der Dosis gegeben haben könnte. Im Buch möge es dafür nähere Erklärungen geben, nicht jedoch im uns zur Verfügung stehenden Zeitungsartikel bzw. im Interview mit dem Autor beim Fernsehsender RT. Erklärt wird, dass die Droge sowohl durch Versprühen als auch durch Zugabe in Nahrungsmittel angewandt wurde.

Sowohl in der deutschen als auch der französischen Ausgabe von Wikipedia, wird im entsprechenden Artikel neutral auf die Möglichkeit einer LSD-Vergiftung verwiesen. Auf englisch findet sich jedoch ein Hinweis auf Verschwörungstheorien. Ob, zumindest teilweise belegbare, Anschuldigungen gegen Geheimdienste wirklich etwas mit dem Vorwurf einer Verschwörung zu tun haben, darüber ließe sich streiten. Immerhin hat sich der Autor des Buches die Mühe gemacht, Material zu sammeln, das nicht weniger als 900 Seiten füllt.

Im folgenden Interview (englisch) gibt er sich übrigens überzeugt, dass die amerikanischen Militärs auch heute noch mit Drogen als Waffe experimentieren, auch wenn LSD in diesem Zusammenhang schon lange überholt ist.

 

 

Quelle: Telegraph.co.uk

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