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Neuer Maya-Kalender entdeckt: Der Weltuntergangsunsinn!

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long count Takalik AbajWir kennen den keineswegs gutgemeinten Begriff des „Halbwissens“. Darüber hinaus gibt es dann noch Informationsbrocken, die Zeitungslesern vorgeworfen werden wie Fleischstücke den Wölfen. Mittlerweile ist wohl jedermann mit dem legendären Kalender der Mayas vertraut, dessen „lange Zählung“ am 21. Dezember 2012 endet. Schlussfolgerung für Dummies: An diesem Tag muss auch die Welt enden. Doch endlich, gerade sieben Monate vor dem großen Ereignis, ist diese „Weisheit“ plötzlich widerlegt. Es gibt noch einen anderen Kalender, und der zählt die Tage weit über dieses Datum hinaus. Die Medien schließen: „Der Weltuntergang ist verschoben“. Gelang es nun tagsächlich, die neu entdeckten Aufzeichnungen in so kurzer Zeit zu durchschauen? William Saturno, einer der Leiter des Ausgrabungsprojekts in Guatemala, gab von sich: „Es bleiben 99,9%, die noch zu erforschen sind!“

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Zivilisationen treten in Erscheinung und verschwinden wieder. Auch wenn die Römer nicht ausstarben, das Römische Reich fand im 5. Jahrhundert sein Ende. Und davor das Reich der Ägypter, das der Perser und noch viele andere. Dazu kommen Kulturen, von denen wir wenig bis gar nichts wissen. Einer der Forscher, die sich mit Zivilisationen lange vergangener Epochen auseinandersetzen, ist Graham Hancock. Er berichtet unter anderem von versunkenen Städten, deren Blüte 10.000 und mehr Jahre zurückliegt, vor den Küsten Japans und Indiens. Dabei handelt es sich nicht um Mythen. Die Überreste finden sich 100 Meter unter der Meeresoberfläche. (Dazu eine Filmempfehlung – englisch – Graham Hancock’s Quest For The Lost Zivilisation.)

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Doch passen derartige Erkenntnisse nicht in unser modernes Denkschema, das von einer linearen Entwicklung ausgeht, von beständiger Verbesserung, von anhaltendem Wachstum. Jedes Weltbild, jedes Verständnis um die Zusammenhänge des Seins, das nicht mit der unseren übereinstimmt, wird entweder als falsch, als primitiv oder zumindest als unvollständig erachtet.

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Als die Spanier zu Beginn des 16. Jahrhunderts in Zentralamerika einfielen, wurden die Schriften der Mayas angeblich als „Teufelszeug“ verbrannt. Bloß ein kleiner Teil, der sogenannte „Dresden Codex“ sei verschont geblieben, und führte Jahrhunderte später zu einem gewissen Einblick in diese Hochkultur. Allerdings, das Kalendersystem der Mayas war dem europäischen an Exaktheit deutlich überlegen. Sonnen- und Mondfinsternisse ließen sich unbegrenzt vorausberechnen. Und sonderbarerweise wurde im Jahr 1582 unter Papst Gregor XIII der europäische Kalender reformiert. Könnte es sein, dass der Vatikan die angeblich verbrannten Schriften studiert hatte, und das neu entstandene Wissen um die exakte Länge des Jahres von den Mayas übernommen wurde?

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Der legendäre Maya-Kalender, auch „Lange Zählung“ genannt, war nicht die einzige Form der Zeitrechnung. Mit regionalen Abweichungen wurde er durch verschiedene einfachere Kalenderformen ergänzt. Auch ist sein Ursprung keineswegs bekannt. Mit Sicherheit fand er während der gesamten Hochblüte der Mayas, die sich über ein knappes Jahrtausend bis ins 9. Jahrhundert erstreckte, Verwendung.

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Die neue Entdeckung

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xultun pyramideIm Norden Guatemalas finden sich die Ruinen der Maya-Stadt Xultun mit einer 35 Meter hohen Pyramide. Obwohl schon in den 1920er- und 1970er-Jahren detaillierte Aufzeichnungen über die dortigen Überreste angefertigt wurden, setzten erst im Jahr 2010 intensivere Ausgrabungen ein.

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Im März des genannten Jahres wurden ausnehmend gut erhaltene Wandmalereien entdeckt, bei denen es sich offensichtlich um Kalenderberechnungen handelt. Am 10. Mai gaben der Anthropologe David Stuart und der Archäologe William Saturno ihre bisherigen Erkenntnisse bekannt. Bemerkenswert sind insbesondere die Aufzeichnungen verschiedener Zyklen. So finden sich auf einer Tafel, die aus insgesamt 27 Spalten besteht, wiederholt Zeitabschnitt von 177 und 178 Tagen, was sechs Mondumkreisungen um die Erde entspricht. An anderer Stelle finden sich Zyklen zwischen 935 und 6.703 Jahren. Es wird vermutet, dass es sich dabei um Berechnungen sich wiederholender oder überschneidender Zyklen zur Bestimmung der Bedeutung einzelner Epochen handelt.

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Als von bei der Pressekonferenz anwesenden Reportern auf den bekannten Maya-Kalender verwiesen wurde, der eine Zeitspanne von 5.125 Jahren (3114 v. Chr. bis 2012 n. Chr.) abdeckt, wurde von den Wissenschaftlern bemerkt, dass sich einige der in Xultun entdeckten Zyklen über längere Zeitspannen erstrecken.

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Um das Allgemeinverständnis der Neuentdeckung zu beleuchten, sei auf die Worte von William Saturno verwiesen: „Es bleiben 99,9%, die noch zu erforschen sind. Wir werden noch viele Jahrzehnte daran arbeiten!“

Was berichten die Medien?

„Weltuntergang verschoben“, lautet die Schlagzeile bei der Süddeutschen. Offensichtlich hat man sich dort – und andere Zeitungen stehen um nichts nach – nicht einmal die Mühe gemacht, kurz bei Wikipedia nachzulesen. Es steht wörtlich geschrieben: „Bereits vor etwa 1200 Jahren hielten sie demnach ihre Beobachtungen der Gestirne fest – vierhundert Jahre früher als bekannte Kalender belegten.“

Zwar ist es richtig, dass die Aufzeichnungen in Xultun im 9. Jahrhundert entstanden sein müssten, doch die älteste erhaltene Inschrift, den Kalender, der als „Lange Zählung“ bekannt ist, betreffend, wird mit 36 v. Chr. datiert. Mit Sicherheit handelt es sich bei den Aufzeichnungen in Xultun keineswegs um den „ältesten Mayakalender“, wie von den Medien behauptet wird. Vor 1.200 Jahren kam das Reich der Mayas aus bisher nicht eindeutig bekannten Gründen zu einem Ende. Die Bewohner der Städte zogen sich wieder in kleine Gemeinschaften zurück.

Zweifellos erachten Maya-Experten die Vorhersage, dass mit dem Ablauf des Kalenders am 21. Dezember 2012 auch die Welt enden würde, als blanken Unsinn. Schließlich hat deren Existenz ja auch nicht erst im Jahr 3114 v. Chr. eingesetzt.

Was widerlegt die neue Entdeckung?

Diese Frage lässt sich eindeutig mit „nichts“ beantworten. Schon allein aus dem Grunde, weil die „alte Entdeckung“, also der so oft zitierte Kalender, der am 21. Dezember 2012 endet – und somit am 22. Dezember 2012 von neuem beginnt – auch nichts aussagt. Dieses äußerst komplizierte und bis heute gewiss nur teilweise verstandene Instrument der Zeitrechnung bietet absolut keine Informationen darüber, was am Ende eines Zyklus geschehen soll. Oder, ob dieses Ende überhaupt von Bedeutung ist. Genauso wenig, wie sich in unserem Kalender kein Unterschied zwischen dem letzten Tag des alten und dem ersten Tag des neuen Jahrtausends zeigte. Nicht einmal die Computer fielen aus, wie man uns damals, wenn wir uns erinnern, weißzumachen versuchte.

Ja, gewiss, es gibt Prophezeiungen, sowohl von den Mayas als auch von Mystikern anderer Regionen, die sich auf unsere Zeit beziehen. Dass sich unsere Zivilisation an einem Wendepunkt ihrer Entwicklung befinden könnte, dafür bedarf es allerdings keiner Wahrsager. Dazu genügt es, einfach einen Blick auf Zahlen und Statistiken zu werfen. Überbevölkerung, Umweltbelastungen, halb leer gefischte Meere, Chemikalien und radioaktive Strahlung in der Luft und in der Nahrungskette, Raubbau an Rohstoffen – und dazu kommt eine Wirtschafts- und Schuldenkrise, die zu weiterem Wachstum zwingt, das unser Planet, den wir vielleicht „Mutter Erde“ nennen dürfen, einfach nicht mehr zu geben fähig ist.

Vielleicht liegt es an dieser ausweglosen Situation, in die unsere Gesellschaft geschlittert ist, an den immer unmenschlicher werdenden Lebensbedingungen in Großstädten, dass sich doch so Viele von Spekulationen bezüglich drastischer Veränderungen mitreißen lassen. Vielleicht ist es die Hoffnung auf eine Verbesserung. Besagt doch schon ein altes Sprichwort: „Besser ein Ende mit Schrecken als Schrecken ohne Ende“. Und diese Hoffnung wird durch Meldungen wie der aus Xuntun, dass die Mayas auch Zyklen berechneten, die über unser Jahr hinausreichen, um nichts geschmälert werden. Schon gar nicht durch Artikel, die sich bemühen, Unsinn durch Unsinn zu widerlegen. Doch so sehen die Informationen wohl aus, mit denen wir im Informationszeitalter regelmäßig gefüttert werden – so wie die Wölfe mit Fleischbrocken.

Über Konrad Hausener