Samstag , 2 Juli 2016
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Wissenschaftliche Publikationen – die Autoren haben kaum etwas davon

zeitschriftenIm Zuge von ACTA, SOPA und PIPA wird in letzter Zeit sehr viel über das Urheberrecht, die Rechte von Verlagen, die Vergütung von Autoren und damit verbundene Finanzierungsmodelle diskutiert. Ich möchte in diesem Beitrag aufzeigen, wie die Situation dazu im Bereich der Wissenschaft, bei der Veröffentlichung wissenschaftlicher Artikel und Buchbeiträge gestaltet ist. In diesem Bereich ist es leider so, dass von dem, was die Verlage kassieren, wenig bis gar nichts bei den Autoren ankommt!

Ich selbst habe lange Zeit im universitären Bereich gearbeitet. Zu den Aufgaben eines wissenschaftlichen Mitarbeiters gehört es auch, die eigene Forschung auf Fachtagungen, in Büchern, Buchbeiträgen und Artikeln in wissenschaftlichen Zeitschriften vorzustellen. Besonders hoch angesehen ist dabei die Veröffentlichung in englischsprachigen internationalen Fachzeitschriften. Andere Arten der Veröffentlichung zählen schon fast gar nichts mehr.

Die Anzahl der Veröffentlichung in hochrangigen Zeitschriften hat eine Auswirkung auf die Bewilligung von Forschungsprojekten, z.B. durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft DFG, sowie auch auf die Karriere, z.B. bei der Bewerbung auf eine Professur.

Wie läuft so etwas ab? Man reicht entsprechend den Regeln für die Manuskriptgestaltung des jeweiligen Verlages ein Papier ein und wartet dann üblicherweise mehrere Monate, bis zwei oder drei Gutachter dieses Manuskript bewertet haben. Man bekommt dann Bescheid, dass das Manuskript entweder in dieser Form angenommen wird, dass gewisse Nacharbeiten notwendig sind oder dass das Thema bzw. die Studie nicht von Interesse sind. Je hochrangiger die Zeitschrift, desto höher sind auch die Ablehnungsquoten.

Die Gutachter für die Bewertung der Manuskripte werden aus der Schar derer gewonnen, die in der Vergangenheit bei der jeweiligen Zeitschrift etwas veröffentlichen konnten. Für die Beurteilung bekommen diese Gutachter übrigens keinen Cent!

Ebenfalls kein Geld vom Verlag bekommen die Autoren, die sich glücklich schätzen können, dass ihr Beitrag nach etwa ein bis drei Jahren in der jeweiligen Zeitschrift erscheint. Meist darf sich der Autor auch glücklich schätzen, dass er nicht selber noch etwas für die Veröffentlichung bezahlen muss. Bei bestimmten englischsprachigen Zeitschriften ist es allerdings sogar der Fall, dass die Wissenschaftler noch Geld zuschießen müssen, damit ihr Beitrag veröffentlicht wird!

Man muss dabei zudem versichern, dass man denselben Inhalt nicht schon an anderer Stelle publiziert hat. Des Weiteren räumt man dem Verlag gewisse Rechte zur Verwendung der Inhalte in Druckform sowie auch online ein.

Ein Druckkostenzuschuss wird allerdings grundsätzlich verlangt, wenn man ein Buch veröffentlichen möchte. Dies ist z.B. der Fall, wenn man eine Promotion (Doktorarbeit) abgeschlossen hat. Lediglich bei Büchern, bei denen bereits eine gewisse Nachfrage vorhergesehen wird, kann es sein, dass die Verlage auf den Druckkostenzuschuss verzichten. Dies ist unter anderen bei Lehrbüchern oder anderen regelmäßig erscheinenden Werken der Fall, für die es quasi schon feste Abnehmer gibt.

Nun stellt sich die Frage, was der Autor eines wissenschaftlichen Zeitschriftenartikels oder Buchbeitrag eigentlich von solchen Veröffentlichungen hat. Teilweise ist diese Frage bereits beantwortet:

Veröffentlichungen bei internationalen Zeitschriften wirken sich lediglich positiv auf das Prestige des Wissenschaftlers aus. Bestenfalls muss er nichts für die Veröffentlichung bezahlen. Allerdings stecken in dem Artikel immer sehr viel Zeit und Arbeit!

Etwas anders sieht es bei Veröffentlichungen für ein Zielpublikum in Deutschland aus. Die Autoren können für deutschsprachige Zeitschriftenartikel und Buchbeiträge einen gewissen Betrag von der Verwertungsgesellschaft Wort (VG Wort) erhalten. Diese Beträge sind nicht so hoch, dass die in dem Beitrag steckende Arbeit damit vollständig vergütet wäre, aber immerhin kann man damit eine kleine Anerkennung für seine Arbeit erhalten.

Je nachdem, wie der Vertrag mit dem Verlag gestaltet ist, kann man auch für verkaufte Bücher eine Vergütung (Tantiemen) bekommen. Dafür wird dann allerdings zunächst ein höherer Druckkostenzuschuss fällig. Des weiteren beträgt der Gewinn nur wenige Prozent des Buchpreises. Man muss schon mehrere Hundert Exemplare absetzen, um dabei einen Gewinn erzielen zu können.

Soweit zur üblicherweise nicht gegebenen Vergütung der Wissenschaftler.

Das größere Problem dabei ist allerdings die Tatsache, dass die Verlage ihre Zeitschriften und einzelnen Artikel nicht etwa günstig abgeben! Für einen einzelnen Artikel, den man für seine Arbeit braucht, muss man üblicherweise einen Betrag im deutlich zweistelligen Euro-Bereich bezahlen! Wissenschaftler wie auch Studierende sind allerdings darauf angewiesen, viele solcher Artikel zu lesen!

Nun ist es so, dass die Hochschulangestellten wie auch die Studierenden diese Artikel nicht aus eigener Tasche bezahlen müssen. Mancher Einzelartikel wird vielleicht auch gekauft und dann über ein Projekt abgerechnet. In der Regel abonnieren die Universitätsbibliotheken (vom Steuerzahler bezahlt) jedoch bestimmte Zeitschriften, die regelmäßig benötigt werden. Wobei das zur Verfügung stehende Budget allerdings üblicherweise nicht ausreicht, um alle benötigten Zeitschriften aufzunehmen, denn in der Summe kosten diese Abonnements mehrere Tausend Euro! Auf diese Weise werden die nationalen und internationalen Verlage indirekt vom deutschen Steuerzahler subventioniert!

Gestützt wird das Ganze durch eine Politik der Deutschen Forschungsgemeinschaft, für die alles unwichtig ist, was nicht nach internationaler Exzellenz ausschaut.

Auf ein positives Moment möchte ich noch hinweisen: Lehrkräfte an Hochschulen bekommen von nationalen wie auch internationalen Verlagen Dozentenexemplare von themenrelevanten Büchern anderer Autoren, weil erwartet wird, dass sie in ihren Lehrveranstaltung Werbung für diese Literatur machen.

Damit wäre einmal die Situation des Umgangs mit dem Urheberrecht und der Vergütung von Autoren im Bereich der Wissenschaft dargestellt, was sicherlich nicht mit der Situation in anderen Bereichen (z.B. Musiker) zu vergleichen ist. Wissenschaftler sind auch nicht unbedingt auf eine separate Vergütung ihrer Werke angewiesen, sondern beziehen ihr festes Gehalt als Projektmitarbeiter sowie Angestellte einer Hochschule oder anderen Forschungsinstitution.

Ich persönlich habe übrigens in meiner zurückliegenden wissenschaftlichen Karriere aus unterschiedlichen Gründen kaum etwas in Englisch veröffentlicht. Zum einen war es mir wichtig, Forschungsergebnisse so vorzustellen, dass eventuell auch Anwender in deutschen Unternehmen davon profitieren können. Zum anderen finde ich, dass man sich grundsätzlich nicht dafür hergeben sollte, für umsonst zu arbeiten. Ausgenommen in seiner Freizeit, für bestimmte gemeinnützige oder persönlich wichtige Zwecke und bei einer wirklich bedürftigen Zielgruppe.

Ein Beitrag von Dr. Falk Richter – http://www.falk-richter-beratung.de

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